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Kleinster WM-Gastgeber

Fakten über Katar: Halb so groß wie Hessen, gigantisches Pro-Kopf-Einkommen

Jetzt ist es doch soweit: Der WM-Ball rollt in Katar. Vom Sonntag, 20. November, bis zum Endspiel am Sonntag, 18. Dezember, kämpfen 32 Mannschaften um den Weltmeister-Titel im umstrittenen Wüstenstaat.

Jetzt ist es doch soweit: Der WM-Ball rollt in Katar. Vom Sonntag, 20. November, bis zum Endspiel am Sonntag, 18. Dezember, kämpfen 32 Mannschaften um den Weltmeister-Titel im umstrittenen Wüstenstaat.

Zunächst zum Sportlichen: Vom 20. November bis 18. Dezember spielen in Katar 32 Mannschaften um den WM-Titel 2022 im Fußball. Gekickt wird in der Vorrunde in acht Gruppen à vier Teilnehmer. Die ersten beiden Mannschaften erreichen das Achtelfinale.

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Katar bestreitet das Eröffnungsspiel gegen Ecuador am Sonntag (20. November), Anpfiff ist um 17 Uhr. Die deutsche Mannschaft tritt in Gruppe E zu folgenden Begegnungen an: am Mittwoch (23. November, 14 Uhr) gegen Japan im Khalifa International Stadium (live im Ersten); am Sonntag (27. November, 20 Uhr) gegen Spanien im Al Bayt Stadium (ZDF) und am Donnerstag (1. Dezember, 20 Uhr) gegen Costa Rica im Al Bayt Stadium (ARD).

Gespielt wird in einem Gastgeberland, über den seit Wochen viel geredet und geschrieben wird, das vielen aber trotzdem völlig unbekannt sein dürfte. Hier die wichtigsten Fakten.

Acht Stadien auf engstem Raum

Noch nie hat die Fußball-WM in einem so kleinen Land stattgefunden. Das Wüstenemirat Katar ist mit 11.586 Quadratkilometern kleiner als Schleswig-Holstein (15.763 Quadratkilometer) und etwas mehr als halb so groß wie Hessen (21.115 Quadratkilometer). Gespielt wird in acht Stadien, von denen sich alleine drei in der Hauptstadt Doha befinden.

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Das Lusail Stadium in Doha: 80.000 Menschen passen hinein. Am 18. Dezember 2022 wird hier der neue Weltmeister ermittelt.

Das Lusail Stadium in Doha: 80.000 Menschen passen hinein. Am 18. Dezember 2022 wird hier der neue Weltmeister ermittelt.

Woher kommt Katars Reichtum?

Von 2,6 bis 2,9 Millionen Einwohnern nennen sich nur elf Prozent Katarer. Die anderen sind vor allem arme asiatische Arbeitsmigranten. Nach UN-Angaben hat Katar die höchste „Gastarbeiter“-Quote der Welt. Viele von ihnen - ob nun auf WM-Baustellen, als Hausangestellte oder in sonstigen „niederen“ Jobs - schuften für wenig Lohn unter Bedingungen, die von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert werden.

Dank riesiger Gas- und Ölvorkommen hat das Emirat eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt: 2020 waren es rund 96.000 Dollar. Katar gehört zu den größten Flüssiggasexporteuren der Welt.

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Wer hat die Macht in Katar?

Katar ist eine absolute Monarchie. Die Familie al-Thani, ursprünglich Beduinen, hält die Macht im Lande seit dem frühen 19. Jahrhundert. Der aktuelle Staatschef heißt Tamim bin Hamad al-Thani und ist 2013 mit 33 Jahren ins „Amt“ gekommen.

Während des Ersten Weltkriegs schlossen die al-Thanis Verträge mit England und wurden britisches Protektorat. Seit 1971 ist man unabhängig von Großbritannien. Von den rund 300.000 Katarern gehören etwa 60.000 oder 70.000 zur weitläufig verzweigten Herrscherfamilie al-Thani, die fast alle wichtigen Posten in Politik und Wirtschaft besetzt.

Wie Fußball-interessiert sind die Kataris?

Der Fußball im arabischen Raum ist ein immer populärer werdendes Importgut. Dass sich Paris St. Germain in katarischem Besitz befindet, ist bekannt. Ein katarischer TV-Sender überträgt des Weiteren die wichtigen europäischen Ligen, auch die Bundesliga, im arabischen Raum und weckte darüber nicht nur verstärkt Fußball-Interesse am Golf, sondern hat so auch weiteren Einfluss auf den europäischen Fußball genommen.

Bekannt und viel kritisiert ist die Zusammenarbeit des FC Bayern München mit dem Emirat. Traditionell interessiert man sich in Katar jedoch für Sportarten wie Pferde- und Kamelrennen oder auch die Falknerei.

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Wie heiß ist es in Katar?

Für Sonntag, 20. November, dem Tag des Eröffnungsspiels, wird für Doha aktuell eine Höchsttemperatur von 28 Grad vorhergesagt. Am Abend (Katar ist unserer Zeit um zwei Stunden voraus) dürften die Temperaturen sogar bei angenehmen 22 Grad liegen.

Die Verlegung der WM in die Wintermonate war jedoch alternativlos. Zwischen 40 und 50 Grad liegen die Höchsttemperaturen im Juni oder Juli, wenn normalerweise WM-Turniere stattfinden. Auch, wenn es vielleicht nicht nötig sein wird: Die hochmodernen Stadien besitzen Klimasysteme und können bei Bedarf heruntergekühlt werden.

Müssen Homosexuelle in Katar Angst haben?

Generell sind in Katar homosexuelle Handlungen verboten, genauso wie auch der uneheliche Geschlechtsverkehr. Verstöße können strafrechtlich geahndet werden. Jedoch gab der katarische Premierminister Scheich Chalid bin Chalifa Al-Thani Bundesinnenministerin Nancy Faeser bei ihrem Besuch Ende Oktober eine Sicherheitsgarantie für jeden Besucher und jede Besucherin, auch für Personen der LGBT-Community. Darüber hinaus dürfe auch die Regenbogenflagge in den Stadien gezeigt werden.

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Allerdings gibt Wenzel Michalski, Direktor von Humans Rights Watch Deutschland, gegenüber Sky zu bedenken, dass ein großes Risiko im Zeigen gleichgeschlechtlicher Liebe bestehe. Nicht nur auf der Straße, sondern auch im Netz. Laut Michalski lesen die katarischen Behörden auf Social Media mit, wann immer sie möchten. Nach katarischem Gesetz können Akte gleichgeschlechtlicher Liebe mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft werden.

Welche Katar-Dokus sind zu empfehlen?

In den Mediatheken und bei den Streamingdiensten finden sich derzeit einige sehenswerte Filme über Katar und die Fußball-WM. Jochen Breyers Film „Geheimsache Katar“ (ZDF Mediathek) hat wegen homophober Äußerungen eines katarischen WM-Botschafters vor der Kamera viel Staub aufgewirbelt. Der 45-Minuten-Film ist auch darüber hinaus ein starkes Stück investigativ-kritischer Journalismus. Ein guter Einstieg in das Land Katar und wie es funktioniert, ist auch die 45-Minuten-Doku „Geheimes Katar - Geschäftssinn, Gas und Größenwahn“ (ebenfalls ZDF Mediathek).

Die ARD arbeitet in der viermal 30 Minuten langen Doku-Serie „Katar - WM der Schande“ das korrupte System der WM-Vergabe auf, während Thomas Hitzlsperger in seiner kritischen Reisereportage „Katar - Warum nur?“ (ARD Mediathek) vor allem die Menschenrechtssituation im Wüstenstaat und rund um die WM in den Fokus rückt.

Mit der Menschenrechtssituation von Homosexuellen und LGBT-Community setzt sich die ntv-Dokumentation „Rote Karte statt Regenbogen - Homosexuelle in Katar“ (18. November, 19.30 Uhr, und ab dann bei RTL+ zum Abruf) auseinander. Ein Netflix-Abo benötigt man indes für eine der derzeit besten Dokumentationen über die Geschichte der Fifa und ihrer Verstrickungen: „FIFA Undercover“ ist eine brillante britische Dokureihe von viermal etwa 45 Minuten (Netflix).

RND/Teleschau

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