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Wie die Maskenpflicht die wichtigste iPhone-Funktion nutzlos macht

  • Wer sein iPhone entsperren oder an der Kasse damit bezahlen will, hat spätestens seit Montag ein Problem.
  • Die Gesichtserkennung streikt, wenn der Nutzer eine Maske trägt.
  • Durchs Netz geistern ein paar Tricks – doch empfehlenswert ist davon keiner.
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Hannover. Wir benutzen sie zum Entsperren unsere iPhones, für die Banking-App, zum Shoppen – und manche von uns sogar zum Bezahlen an der Kasse. Die Gesichtserkennung “Face ID” ist Apples wichtigste Sicherheitsfunktion – und spätestens seit Montag ist sie nutzlos.

Hätte uns vor einigen Monaten jemand erklärt, dass bald in deutschen Geschäften, Bussen und Bahnen eine Maskenpflicht herrschen würde – wir hätten es wohl nicht geglaubt. Gleiches dürfte für die Entwickler beim Techriesen Apple in Cupertino gelten. Sie stellten im September 2017 die Gesichtserkennung als Nachfolger des bisherigen Fingerabdrucksensors vor – und als Technologie der Zukunft.

War es zunächst nur ein einziges iPhone-Modell, so haben inzwischen eine ganze Reihe von Geräten die Gesichtserkennung als Sicherheitsfunktion, darunter auch das iPad. Mit dem Fingerabdrucksensor sind nur noch die Macbooks und Geräte der unteren bis mittleren Preisklasse ausgestattet, etwa das gerade erst neu vorgestellte iPhone SE.

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Apple hat ein “Corona-iPhone”

Die Vorstellung des Smartphones war zeitlich wohl ein Zufall – dennoch wird das neue Fingerabdruck-Smartphone in amerikanischen Techblogs bereits als das “Corona-iPhone” betitelt. Es ist das einzige Modell in Apples Sortiment, das auch ohne zu Murren mit einer Gesichtsmaske benutzt werden kann.

Nutzer anderer iPhones haben spätestens seit Montag ein Problem: Beim Versuch, das Gerät mit Maske zu entsperren, schütteln sich die kleinen Punkte auf dem Display – dann bittet das iPhone um den PIN-Code. Wer sich in der Bahn kurz in seine Banking-App einloggen will, stößt ebenso auf Widerstand. Und wer sich nach jahrzehntelanger Bargeldpflicht gerade noch gefreut hatte, nun nahezu überall mit seinem iPhone bezahlen zu können, wird an der Kasse schwer enttäuscht: Auch “Apple Pay” weigert sich, eine Zahlung auszuführen, solange eine Maske im Gesicht sitzt.

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Warum wird in diesem Text so explizit das iPhone erwähnt, und nicht die Android-Konkurrenz von Samsung oder Huawei? Nun, in diesem Fall nimmt das Apple-Gerät tatsächlich eine Sonderrolle ein – denn “Face ID” gilt als außergewöhnlich sicher. Bereits bei der Vorstellung im Jahr 2017 kündigten die Macher an, die Gesichtserkennung könne unter keinen Umständen ausgetrickst werden – zum Beispiel durch das Vorhalten eines Fotos. Genau das fällt den Entwicklern nun gewissermaßen auf die Füße.

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“Face ID” ist nahezu unknackbar

Für Android-Smartphones geistern bereits seit Tagen Tutorials durchs Netz, wie die Gesichtserkennung auch mit Maske funktioniert. Ein Trick: In den Geräteeinstellungen wird das Gesicht mit Maske einfach als “alternativer Look” gespeichert – und schon funktioniert das Entsperren auch mit Gesichtsbedeckung.

Beim iPhone beißt man sich bei diesem Trick die Zähne aus. Das Gerät erkennt die Maske schon beim Einrichten und bittet den Nutzer, Gegenstände aus dem Gesicht zu entfernen. Das gilt übrigens auch dann, wenn man das eigene Gesicht auf eine Maske druckt. Einzig eine Gipsmaske kann zu Erfolgen führen, wie das “Wall Street Journal” in einem Video eindrucksvoll beweist.

Das Magazin “9to5mac” hat immerhin eine alltagstaugliche Lösung aus China ausprobiert, mit der man die Gesichtserkennung teilweise austricksen kann: Man hält sich die Maske nur halb vor das Gesicht und scannt es ein, dann wiederholt man die Prozedur mit der anderen Gesichtshälfte. Wer Glück hat, kann sein iPhone dann auch mit Maske entsperren. All das klappt allerdings erst nach mehreren Anläufen – und es kommt offenbar stark auf die Art der Maske an. Außerdem muss laut einem Test des Magazins “Macwelt” stets die Nasenspitze zu sehen sein – was auch nicht Sinn der Sache sein kann.

Apple warnt vor dem Trick

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Noch dazu rät Apple seinen Nutzern dringend davon ab, diesen Trick anzuwenden. Gegenüber “USA Today” spricht das Unternehmen gar von einem Sicherheitsrisiko: “‘Face ID’ funktioniert, wenn Augen, Nase und Mund sichtbar sind”, so das Unternehmen. Nutzer, die die Gesichtserkennung manipulierten, könnten das iPhone dadurch weniger sicher machen, warnt Apple.

Stattdessen rät das Unternehmen zur derzeit einleuchtendsten Lösung: “Face ID” abstellen und den PIN-Code benutzen. In den Einstellung lässt sich die Gesichtserkennung auch für einzelne Dienste deaktivieren, etwa für “Apple Pay”. Möchte man an der Kasse bezahlen, wir das Gesicht dann nicht mehr gescannt – stattdessen erscheint der Hinweis “Mit Code bezahlen”. Das funktioniert, dauert allerdings länger – und ist weitaus unsicherer.

Man kann also resümieren, dass Apples “Technologie der Zukunft” überdacht werden muss – denn wie lang uns die Masken im Alltag noch begleiten werden, weiß niemand. Möglicherweise gehen sie nie wieder weg. Für Apple könnte das bedeuten, dass künftig weniger Leute den Dienst “Apple Pay” nutzen, weil ihnen die Codeeingabe zu umständlich ist – für das Unternehmen wär das ein Desaster. Was also tun?

Video
Eigenschutz oder Fremdschutz – Welche Maske wirkt wie?
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Welche Masken gibt es, wen schützen sie und was sollte man beim Tragen von selbstgenähten Masken beachten?  © RND

Keine schnelle Lösung in Sicht

Auf eine Möglichkeit weist das Magazin “Fast Company” hin: Die Einführung einer sogenannten “Trusted Device”-Funktion. Dadurch ließe sich das iPhone mit Hilfe eines vertrauensvollen Zweitgeräts entsperren, das der Nutzer bei sich trägt – etwa eine “Apple Watch” oder einem “Fitbit”-Armband am Arm. Apple allerdings hatte sich bisher aus guten Gründen gegen eine solche Funktion ausgesprochen. Schließlich könnte im schlimmsten Fall jeder das Gerät entsperren, solange die Uhr des Nutzers in der Nähe ist.

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Eine andere Möglichkeit wäre, bei zukünftigen Geräten, den Fingerabdrucksensor zurückzuholen. Schon länger war spekuliert worden, dass dieser dank moderner Technik künftig auch unterhalb eines Displays funktionieren könnte. Oder: Apple optimiert seine “Face ID”-Funktion und macht sie maskenkompatibel. Das allerdings würde vermutlich zu allerhand Einschränkungen der Sicherheit führen.

Fürs Erste wird Nutzern wohl nur die Notlösung bleiben: “Face ID” abstellen und den PIN-Code nutzen. Das funktioniert übrigens in den Geräteeinstellungen unter dem Punkt “Face ID & Code”.


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