• Startseite
  • Panorama
  • Extreme Wetterlagen in Europa: Überschwemmungen in Italien, Tote nach Bränden in der Türkei

Extreme Wetterlagen in Europa: Überschwemmungen in Italien, Tote nach Bränden in der Türkei

  • Das Hochwasser in Deutschland hat große Schäden angerichtet und zahlreiche Menschenleben gefordert.
  • Doch auch in anderen Ländern Europas herrschen aktuell extreme Wetterlagen.
  • Italien und die Schweiz kämpfen mit starken Regenfällen, in der Türkei und Russland toben Waldbrände.
Anzeige
Anzeige

Vor zwei Wochen sind Teile Deutschlands heftig von starken Regenfällen getroffen worden. Besonders in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kam es durch Hochwasser zu massiven Schäden. Zahlreiche Menschen starben in den Fluten, viele weitere verloren ihr Zuhause.

Doch nicht nur Deutschland hat mit extremen Wetterlagen zu kämpfen. In einigen Ländern Europas kommt es ebenfalls zu Überschwemmungen. Andernorts brennen die Wälder.

Überschwemmungen und Erdrutsche in Norditalien

So sind im Norden Italiens Rettungskräfte nach starken Regenfällen zu Dutzenden Einsätzen ausgerückt. Östlich des Lago Maggiore seien die Feuerwehrleute zu 40 Einsätzen in der Provinz Varese gerufen worden, teilten die Retter am Mittwoch mit. In der Gegend kam es zu Erdrutschen und Überschwemmungen. Auf Fotos waren Geröll und Schlamm zu sehen, die Autos einschlossen und in Häuser eingedrungen waren. Der Präsident der Lombardei, die besonders von den Unwettern betroffen war, ließ den Notstand für mehrere Provinzen beantragen, darunter Varese, Como und Lecco.

Die Unwetter in Norditalien sorgen für Erdrutsche. © Quelle: Vigili del Fuoco/dpa

Bereits am Dienstag rückte die Feuerwehr in der Provinz Como am Comer See mehr als 100-mal wegen Überflutungen und Erdrutschen aus. Teilweise waren Straßen nicht passierbar und Menschen in Häusern eingeschlossen. Auch in den Regionen Venetien und Friaul-Julisch Venetien richteten Unwetter Schäden an. Für den Donnerstag sagte die Zivilschutzbehörde im äußersten Norden der Lombardei eine erhöhte Warnstufe und damit mögliche schwere Unwetter voraus.

Jahrhundertregen in der Südschweiz

Von den starken Regenfällen ist auch der Süden der Schweiz betroffen. Im Kanton Tessin regnete es in den vergangenen Tagen so viel wie seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr, berichtet das Wetterportal „Meteonews“. Innerhalb von 48 Stunden wurde am Dienstag eine Niederschlagsmenge von 329,6 Liter pro Quadratmeter gemessen. Diese Wassermassen führten zu Überschwemmungen und Schlammlawinen.

Schwere Unwetter in Österreich

Anzeige

Am Mittwoch wüteten auch in Nieder- und Oberösterreich schwere Unwetter. Dutzende Bäume fielen auf Strom- und Telefonleitungen, Dächer wurden teilweise abgedeckt und Straßenunterführungen überflutet, berichtet etwa „Der Standard“.

In Niederösterreich wurden am Abend in manchen Regionen Sturmböen mit Geschwindigkeiten von 90 bis 100 Stundenkilometern gemessen. Die Bezirke St. Pölten, Krems, Korneuburg, Mödling und Baden waren am stärksten betroffen.

In Oberösterreich kam es zu regionalen Überflutungen, durch Hagel wurden Dächer beschädigt. Die Feuerwehren rückten in den Bezirken Braunau, Ried im Innkreis, Vöcklabruck, Wels-Land, Wels-Stadt und Grieskirchen zu rund 400 Einsätzen aus.

Hochwasser und Waldbrände in Russland

Nach starkem Regen sind bereits vor einer Woche Hunderte Wohnhäuser im Osten Russlands überflutet worden. 2500 Menschen seien von dem Hochwasser unweit des Baikalsees in Sibirien betroffen, teilten die Behörden der Region Transbaikalien mit. Fotos zeigten, wie Retter mit Schlauchbooten zu Wohnhäusern fuhren. Bei dem Hochwasser seien auch mehrere Brücken zerstört oder beschädigt worden.

Anzeige
Nach starkem Regen sind Hunderte Wohnhäuser im Osten Russlands überflutet worden. 2500 Menschen seien von dem Hochwasser unweit des Baikalsees in Sibirien betroffen, teilten die Behörden der Region Transbaikalien am 23.07.2021 mit. © Quelle: -/Pressedienst Andrey Gurulev, D

Bei den Einstürzen habe es aber keine Verletzten und Toten gegeben, hieß es. Die Hochwasserlage hat sich mittlerweile wieder entspannt. Dafür wüten nun schwere Waldbrände in dem Land, die große Verwüstung angerichtet haben. Allein in der sibirischen Republik Jakutien sprach die Zivilschutzbehörde am Dienstag von Schäden in Höhe von mehr als einer Milliarde Rubel. Das entspricht umgerechnet mehr als elf Millionen Euro. In dem besonders schwer betroffenen Gebiet im Nordosten Russlands liefen nach Angaben der Forstschutzbehörde zuletzt Löscharbeiten auf einer Fläche von mehr als 5000 Quadratkilometern – das ist etwa die doppelte Fläche des Großherzogtums Luxemburg.

Russische Medien zeigen seit Tagen Bilder unter anderem aus der Stadt Jakutsk, die in dichtem Rauch versinkt. Insgesamt waren am Dienstag in ganz Russland mehr als 5000 Menschen und rund 30 Löschflugzeuge im Einsatz, um knapp 200 Feuer zu bekämpfen.

Rauch steigt aus einem Wald in der Nähe des Syamozero-Sees auf. Mehr als 105 Siedlungen und die Großstadt Jakutsk in der besonders betroffenen sibirischen Region Jakutien (Republik Sacha) litten unter dem Qualm. © Quelle: Ilya Timin/AP/dpa

Landesweit tobten die Wald- und Flächenbrände den offiziellen Daten zufolge auf 1,7 Millionen Hektar. Umweltschützer gingen von mindestens rund drei Millionen Hektar aus. In den trockenen Sommermonaten kommt es in Russland immer wieder zu verheerenden Feuern. Davon betroffen ist auch der für das Klima wichtige Taiga-Waldgürtel.

Extreme Hitze in Griechenland

Wegen wochenlanger extremer Trockenheit sowie starker Winde sind in Griechenland am Dienstag mehr als 50 Busch- und Waldbrände ausgebrochen. Der gefährlichste Brand tobte in der Region Stamata-Dionysos rund 20 Kilometer nordöstlich von Athen. „Es wurden Häuser beschädigt. Viele Einwohner mussten in Sicherheit gebracht werden“, sagte der stellvertretende Gouverneur der Region, Wassilis Kokkalis, dem Nachrichtensender Skai. Löschflugzeuge und Hubschrauber sowie zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehr kämpften gegen die Flammen, wie das Staatsfernsehen zeigte.

Ein Löschhubschrauber löscht einen Flächenbrand im Dorf Stamata in der östlichen Region Attika in Griechenland. © Quelle: Lefteris Partsalis/XinHua/dpa

Der griechische Zivilschutz warnte am Dienstag vor großer Brandgefahr. In den kommenden Tagen werden in allen Landesteilen Temperaturen über 40 Grad erwartet. Auch die Winde werden stark sein.

Mehrere Tote nach Bränden in der Türkei

Bei Bränden an der türkischen Mittelmeerküste und in weiteren Regionen sind mehrere Menschen gestorben. Bei dem Feuer in der Region Antalya seien drei Menschen getötet und 122 verletzt worden, 58 Menschen seien in Behandlung, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Katastrophenschutzbehörde Afad am Donnerstagvormittag. Unter anderem in den Regionen Mersin und Alanya gab es weitere Feuer. Der staatliche Fernsehsender TRT berichtete, in der Mittelmeerstadt Marmaris seien auch Hotels evakuiert worden, nachdem ein Brand nahe der Stadt ausgebrochen war.

Eine Luftaufnahme zeigt ein zerstörtes Gebiet nach einem Waldbrand an der türkischen Mittelmeerküste. © Quelle: Suat Metin/IHA/AP/dpa

Zwischen Mittwoch und Donnerstag seien insgesamt 41 Waldbrände in 13 Provinzen des Landes ausgebrochen, von denen ein Großteil gelöscht worden sei, teilte Bekir Pakdemirli, Minister für Land- und Forstwirtschaft, via Twitter mit. Die Arbeiten gingen auch am Donnerstag noch weiter. Laut Pakdemirli waren dabei unter anderem 29 Hubschrauber und mehr als 1800 Rettungskräfte im Einsatz.

Video
Waldbrände in der Türkei: Touristen verlassen Hotels
1:04 min
Offiziellen Angaben zufolge brachen in 17 Provinzen an der türkischen Mittelmeerküste mehr als 60 Waldbrände aus.  © Reuters

Teilweise hatten starke Winde Berichten zufolge die schnelle Ausbreitung der Brände vorangetrieben, mehrere Orte mussten evakuiert werden. Berichte über die Evakuierung von Hotels in der bei Touristen beliebten Region gab es zunächst nicht.

Hitzewelle und Waldbrände in Bulgarien

In Bulgarien ist es zu großen Waldbränden gekommen, außerdem sind die Temperaturen an die 40-Grad-Marke geklettert. 60 Hektar Nadelwälder wurden bei einem Großbrand bei Twardiza in Mittelbulgarien vernichtet. Das Feuer wurde am Donnerstag unter Kontrolle gebracht, konnte aber nicht gelöscht werden, wie bulgarische Medien berichteten. Ein Hubschrauber, Soldaten, Feuerwehrleute und Freiwillige waren im Einsatz. Der Brand soll sich von einer Mülldeponie ausgebreitet haben. Kleinere Waldbrände tobten zudem im Südwesten des Balkanlandes.

Bulgarien macht seit Tagen eine zweite Hitzewelle in diesem Sommer mit kontinuierlich steigenden Temperaturen zu schaffen. Am Donnerstag galt fast im ganzen Land die zweithöchste Warnstufe Orange für gefährlich hohe Temperaturen Im südwestlichen Sandanski nahe der Grenze zu Griechenland wurden Werte über 40 Grad erwartet. In der Hauptstadt Sofia war es bei 36 Grad am frühen Donnerstagnachmittag drückend heiß. Die Temperaturen sollen Meteorologen zufolge in den kommenden Tagen weiter steigen.

RND/nis mit dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen