• Startseite
  • Panorama
  • Explosion in Leverkusen: Chempark geht von sieben Toten aus – vermutlich Dioxin im Rauch

Explosion in Leverkusen: Chempark geht von sieben Toten aus – vermutlich Dioxin im Rauch

  • Vermutlich sieben Menschen sind bei der Explosion in einem Chemiewerk am Dienstag in Leverkusen ums Leben gekommen.
  • Für die fünf noch Vermissten gebe es keine Hoffnung mehr, teilte der Betreiber Currenta mit.
  • Das NRW-Umweltamt geht von „Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen“ aus, die über die Rauchwolke in umliegende Wohngebiete getragen wurden.
Anzeige
Anzeige

Leverkusen. Die Explosion in der Chemiefabrik Chempark in Leverkusen hat vermutlich sieben Menschenleben gekostet. Das teilte Frank Hyldmar, CEO der Betreiberfirma Currenta, am Mittwochmittag mit. Zwei Leichen seien geborgen worden, fünf Mitarbeiter würden noch vermisst. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass wir die fünf Vermissten nicht lebend finden werden“, sagte er.

Unter den Toten sei ein Currenta-Mitarbeiter sowie ein Mitarbeiter eines externen Unternehmens, unter den Vermissten seien vier Currenta-Mitarbeiter und einer eines externen Unternehmens. Er drückte den Angehörigen und Familien der sieben Mitarbeiter bereits sein Beileid aus. „Auch wenn es noch nicht bestätigt ist, wir haben keine Hoffnung mehr. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, wir versuchen, uns um die Familien zu kümmern.“

Video
Nach Explosion in Leverkusen: Warnung vor Giftwolke
1:15 min
Nach der Explosion im Chempark Leverkusen wurden Anwohner aufgefordert, geschlossene Räume aufzusuchen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten.  © dpa
Anzeige

31 Verletzte nach Explosion in Leverkusen

Anzeige

Die Anzahl der Verletzten wird von Currenta mit 31 angegeben. Ein Kollege sei schwer verletzt worden, über die anderen 30 Verletzten konnte er keine weiteren Angaben machen. Außerhalb des Werksgeländes gebe es keine Berichte über Verletzte, sagte Hermann Greven, Leiter der städtischen Feuerwehr Leverkusen.

Der Geschäftsführer von Currenta, Wolfgang Homey, sagte: „Wir als Unternehmen können nur alles daran setzen, dass wir nach gegebenen Möglichkeiten mit der Stadt, den Feuerwehren, der Polizei schnellstmöglich Klarheit geben können, was den Zustand und den Ort der Vermissten angeht.“ Er sprach auch die Betroffenheit im Kollegium an. „Wir vermissen Menschen, wir haben Menschen verloren, die uns ans Herz gewachsen sind, die mitten aus ihren Familien gerissen wurden.“

Anzeige
Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".

Luftverschmutzung rund um den Unglücksort wird geprüft

Stephan Hummel von der Freiwilligen Feuerwehr sagte, die Suche nach den fünf Vermissten habe Priorität. Hierfür würden hochauflösende Drohnen eingesetzt. „Wir sind seit Stunden darum bemüht, die Personen aufzufinden.“ Zweiter Schwerpunkt des Einsatzes sei die Sicherung der Unglücksstelle. „Durch die Explosionen hat es umfangreiche Schäden am Werk gegeben.“ Man stehe in enger Abstimmung mit Currenta.

Derzeit werde zudem geprüft, inwiefern eine Luftverschmutzung rund um den Unglücksort vorliege. „Es gibt noch eine aktive Einsatzlage, deshalb können wir noch keine weiteren Informationen vorlegen.“ Die Unfallorte würden untersucht. „Wir wollen aufklären, wie es zu dem Unfall kommen konnte und arbeiten eng mit den Behörden zusammen. Wir brauchen aber Zeit dafür“, sagte Hyldmar.

Landesumweltamt vermutet Dioxine im Rauch

Das nordrhein-westfälische Landesumweltamt (LANUV) geht nach der Explosion allerdings von „Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen“ aus, die über die Rauchwolke in umliegende Wohngebiete getragen wurden, teilte die Behörde am Mittwoch mit. In welcher Konzentration dies tatsächlich geschehen sei, werde aber aktuell noch untersucht. Die Untersuchungen seien recht aufwendig. Auf diese Aussagen angesprochen, erwiderte Greven von der städtischen Feuerwehr, dass ihm solch präzise Erkenntnisse noch nicht vorlägen. Das LANUV habe Proben genommen, aber Auswertungen seien noch nicht bekannt.

Anzeige

Dioxine kommen in kleiner Menge auch in Lebensmitteln vor, nach Chemie-Unfällen können sie vermehrt freigesetzt werden, vor allem, wenn chlorierte Stoffe verbrennen. Dioxinvergiftungen können zu Übelkeit, Erbrechen und Reizungen der oberen Atemwege führen, auch Hautreizungen sind dadurch möglich.

Einsatzkräfte gehen davon aus, dass für Bevölkerung keine Gefahr besteht

Hans Gennen, Geschäftsführer von Currenta im Bereich Technik, sagte, dass in dem brennenden Tank „organische Wasser- und Lösungsmittelgemische und chlorierte Wasserstoffe“ gelagert worden seien. Durch die Explosion sei es zunächst zu einem Brand, aber auch weiteren Folgebränden im Tanklager gekommen.

Anzeige

Nach derzeitigem Stand gehe man davon aus, dass für die Bevölkerung keine Gefahr bestehe, wenn Anwohnerinnen und Anwohner den Aufforderungen der Behörden Folge leisten würden - also die Schuhe vor dem Betreten von Wohnräumen auszuziehen und kein Obst oder Gemüse aus dem Garten zu verzehren.

„Es gibt Rußniederschläge in verschiedenen Stadtteilen“, sagte Greven, „Proben sind genommen worden, aber es liegen noch keine Erkenntnisse der Auswertungen vor.“ Vorsorglich seien in den betroffenen Stadtteilen Spielplätze gesperrt worden. Menschen können über eine Hotline Rußniederschläge melden. Seit der Explosion, so Currenta-Sprecher Jürgen Gemke, seien 1500 Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen - einige stellten Fragen, andere gaben Hinweise durch.

Durch den Brand habe es zwei sogenannte Sekundärschäden gegeben, sagte Gennen. Das Problem mit der Stromzufuhr in den Chempark sei inzwischen behoben worden. Zudem habe der Ausfall der Abwasserreinigung und der Deponie im Entsorgungszentrum Auswirkungen. Welches Ausmaß der Schaden habe, sei noch nicht absehbar. „Wir versuchen, das schnell zu stabilisieren.“ Parallel zu den Arbeiten am Unglücksort soll die Entsorgung über andere Anlagen, etwa in Dormagen, sichergestellt werden. „Die Ersatzentsorgung wird gerade hochgefahren“, so Gennen. Es sei noch zu früh, um zu sagen, wie groß der Schaden insgesamt sei, „aber wir haben hier möglicherweise einen sehr großen lokalen Schaden“.

RND/msk

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen