Explosion in Leverkusener Chempark: Dioxinverbindungen im Rauch vermutet

  • In Leverkusen komm es am Dienstag in einem Chempark zu einer Explosion.
  • Dichter schwarzer Rauch stieg auf: Über die Rauchwolke sollen „Dioxin-, PCB- und Furanverbindungen“ in die umliegenden Wohngebiete getragen worden sein.
  • Wie gefährlich ist Dioxin und besteht eine Gefahr für die Anwohner?
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Leverkusen. Am Dienstagmorgen gegen 9.30 Uhr ist es im Leverkusener Chempark zu einer Explosion gekommen, die vermutlich sieben Menschenleben gekostet hat. Das teilte Frank Hyldmar, CEO der Betreiberfirma Currenta, am Mittwochmittag mit. Mindestens 31 Personen sind verletzt. Die Ursache für die Detonation ist noch unklar.

Nach der Explosion brannte die Entsorgungsfirma im Stadtteil Bürrig stundenlang – dichter schwarzer Rauch stieg auf, der Richtung Nordosten abzog. Das nordrhein-westfälische Landesumweltamt (Lanuv) teilte mit, man gehe „derzeit“ davon aus, dass über die freigesetzte Rauchwolke „Dioxin-, PCB- und Furanverbindungen“ in die umliegenden Wohngebiete getragen worden seien. Nach dem Unglück hatten Tanks gebrannt, in denen nach Angaben von Currenta „organische Lösungsmittel“ gelagert waren. Doch besteht eine Gefahr für die Anwohner und Anwohnerinnen?

Konzentration der Stoffe in der Rauchwolke wird untersucht

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Das Lanuv erklärte, nach seinen Informationen seien in den betroffenen Tanks unter anderem chlorierte Lösungsmittel gelagert worden. „Die besondere Problematik bei Stoffen, die Chlor beinhalten, ist, dass bei einem Verbrennungsprozess Chlorverbindungen zu Dioxin- oder PCB-Verbindungen werden können“, erläuterte ein Sprecher. In welcher Konzentration dies tatsächlich geschehen sei, werde aktuell noch in einem eigenen Dioxinlabor untersucht. „Diese Untersuchungen sind recht aufwendig, daher werden die Ergebnisse nicht vor Ende dieser Woche vorliegen.“

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Die Frage der Konzentration ist entscheidend. „Dioxin-, PCB- und Furanverbindungen werden durchaus in Zusammenhang gebracht mit Missbildungen bei Neugeborenen von Tieren, weniger beim Menschen, als Umweltöstrogene oder auch krebs­­erregende Substanzen beim Menschen“, sagte Daniel Dietrich, Leiter der Arbeitsgruppe Human- und Umwelt­toxikologie an der Universität Konstanz, der Deutschen Presse-Agentur. „Aber – und das ist das große Aber – nur in hohen Konzentrationen. Und die liegen nicht vor, wenn das entsprechende Gebiet im Laufe der Zeit gereinigt und dekontaminiert wird.“

Die Stoffe klebten an Oberflächen, sagte er. „Sie springen einen nicht an, man müsste sie schon aktiv in den Körper transportieren – etwa, wenn man sich nach der Arbeit im Garten die Hände abschleckt.“ Selbst wenn man von oben bis unten mit den Partikeln bedeckt wäre, könne man diese ohne Gefahr mit Seife abwaschen. „Nach meiner Einschätzung besteht also keine akute Gefahr für die Bevölkerung, wenn sie sich an die Handlungsempfehlungen des Landes­umwelt­amtes und der anderen involvierten Behörden hält“, sagte Dietrich.

Ruß soll nicht in die Wohnung getragen werden

Da die endgültige Analyse zunächst noch ausstand, erhielt die Stadt Leverkusen ihre Empfehlungen an die Bürger aufrecht. Der Ruß sollte nicht in die Wohnung getragen werden. Neben Obst und Gemüse seien in den betroffenen Arealen etwa auch Gartenmöbel oder Pools zu meiden. Wer dringend im Garten arbeiten müsse, sollte dabei vorsorglich Handschuhe tragen. Die Spielplätze in den – nahe am Explosionsort gelegenen – Stadtteilen Bürrig und Opladen blieben vorerst gesperrt. Bereits am Dienstag hatte die Kommune erklärt, Currenta werde „zeitnah die Straßen, Gehwege und Haus­eingänge reinigen“.

RND/nis/dpa

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