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  • Europol: 800 Festnahmen in 16 Ländern – „Operation Trojan Shield“ gegen organisiertes Verbrechen

Einsatz gegen organisiertes Verbrechen: 800 Verdächtige in 16 Ländern festgenommen

  • Bei einer groß angelegten Operation gegen das organisierte Verbrechen ist internationalen Ermittlern ein großer Schlag gelungen.
  • In 16 Ländern haben Einsatzkräfte 800 Verdächtige festgenommen.
  • Dafür entwickelte das FBI eigens eine verschlüsselte Nachrichtenplattform für Kriminelle.
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Den Haag. Internationale Ermittlerinnen und Ermittler haben nach Angaben von Europol bei einem Einsatz gegen das organisierte Verbrechen mehr als 800 Verdächtige in 16 Ländern festgenommen. Es sei eine der bislang größten Polizei­operationen gewesen, teilte Europol am Dienstag in Den Haag mit.

Die Verbrecherbanden waren nach Angaben von Europol in mehr als 100 Ländern aktiv gewesen. Allein in Deutschland wurden bei der weltweiten Aktion gegen das organisierte Verbrechen über 150 Wohnungen, Lagerhallen und Geschäftsräume durchsucht, wie das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mitteilte. Es habe mehr als 70 Festnahmen gegeben, darunter mehr als 60 in Hessen.

Die Ermittlerinnen und Ermittler sind nach einer Mitteilung von Europol vom Dienstag gegen die italienische Mafia, Motorrad­gangs und internationale Drogen­schmuggler­ringe vorgegangen – 300 Syndikate sollen dabei im Fokus der Ermittlungen gewesen sein. Beteiligt an der Operation waren unter anderem die Länder Australien, Österreich, Kanada, Dänemark, Estland, Finnland, Deutschland, Ungarn, Litauen, Neuseeland, die Niederlande, Schweden, das Vereinigte Königreich und die USA.

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Bundesweit mehr als 70 Festnahmen nach großer Razzia
1:08 min
Bei der internationalen Razzia gegen die organisierte Kriminalität sind in Deutschland mehr als 70 Menschen festgenommen worden.  © dpa

FBI entwickelte eigene Nachrichten­plattform für Kriminelle

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In den vergangenen Tagen durchsuchten die Ermittlerinnen und Ermittler 700 Häuser, machten mehr als 800 Festnahmen, stellten über acht Tonnen Kokain, 22 Tonnen Cannabis, zwei Tonnen synthetische Drogen, sechs Tonnen Stoffe zur Herstellung von Drogen, 250 Waffen, 55 Luxusautos und Geld in verschiedenen Währungen und Kryptowährungen im Wert von 48 Millionen US-Dollar sicher.

Über 18 Monate lang überwachten die Ermittlerinnen und Ermittler Nachrichten der Banden . Dafür entwickelten die Strafverfolgungsbehörden die Plattform An0m, die auf Kryptotechnologie basiert und die nach und nach immer mehr Kriminelle für ihren Austausch nutzten. Dabei seien mehr als 27 Millionen Nachrichten gefiltert worden. Ihre Beliebtheit sei in kriminellen Kreisen gewachsen, nachdem manche einflussreiche Personen der Unterwelt sich dafür verbürgt hätten, berichtete die australische Polizei. Sie nannte diese „kriminelle Influencer“.

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Das Undercover­manöver sei 2018 erdacht worden, nachdem das FBI eine früher bei Kriminellen beliebte Verschlüsselungs­technologie, Phantom Secure, gestoppt habe, berichtete Greg Williams, eine Führungskraft der neuseeländischen Polizei. Die dadurch entstandene Marktlücke hätten die Behörden für die FBI-geführte Plattform An0m, die die Australian Federal Police in einer Mitteilung als App beschreibt, genutzt.

Behörden nutzten kriminelle „Influencer“

Dazu haben Undercover-Beamte präparierte Telefone in die mehr als 300 Banden eingeschleust. Die Telefone, die angeblich verschlüsselt sein sollten, waren aber eben mit einem Telekommunikations­netzwerk verbunden, das vom FBI eingerichtet worden war. Und so konnten die Ermittelnden Kriminelle in die Falle locken: „Die App An0m wurde auf Mobiltelefonen installiert, denen andere Funktionen entzogen wurden. Die auf dem Schwarzmarkt gekauften Geräte konnten weder telefonieren noch E-Mails versenden. Es konnten nur Nachrichten an ein anderes Gerät gesendet werden, das über die App für organisierte Kriminalität verfügte. Kriminelle mussten einen Kriminellen kennen, um an ein Gerät zu kommen“, teilt die australische Polizei weiter mit. Die Geräte hätten sich dadurch verbreitet und seien immer beliebter geworden, weil hochrangige Persönlichkeiten der organisierten Kriminalität für ihre Integrität bürgten.

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Razzia gegen Drogenkriminalität: Bundesweite Untersuchungen und Festnahmen
0:45 min
In mehreren Städten an Rhein und Ruhr rücken am Morgen Spezialkräfte der Polizei an.  © dpa

„Verschlüsselte kriminelle Kommunikations­plattformen sind traditionell ein Instrument, um die Strafverfolgung zu umgehen und die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität zu erleichtern“, sagt Calvin Shivers vom FBI. „Das FBI und unsere internationalen Partner gehen weiter an die Grenzen und entwickeln innovative Wege, um diese Herausforderungen zu meistern und Kriminelle vor Gericht zu stellen.“

Die Operation hieß „Trojan Shield“

„Dies war einer der größten und ausgeklügeltsten Einsätze überhaupt“, sagte der stellvertretende Europol-Direktor Jean-Philippe Lecouffe in Den Haag. Die Operation „Trojan Shield“ (trojanischer Schild) stand unter Leitung des amerikanischen FBI, der US-Drogenbehörde FDA, der Polizei der Niederlande und der von Schweden und war von Europol koordiniert worden.

Die Beschuldigten in Deutschland stehen nach Angaben der Ermittlerinnen und Ermittler im Verdacht, mit Betäubungsmitteln und Waffen gehandelt zu haben. In Hessen als Schwerpunkt der Razzien in Deutschland waren rund 1500 Einsatzkräfte an der Aktion beteiligt. Sie stellten unter anderem mehr als 120 Kilogramm Marihuana, 25 Kilogramm Haschisch, drei Kilogramm Heroin sicher. Die Polizei stellte zudem zahlreiche Waffen sicher und beschlagnahmte über 30 hochwertige Fahrzeuge und Bargeld in Höhe von 250.000 Euro.

Razzia auch in Niedersachsen

Nach Informationen der „Schaumburger Nachrichten“ fand eine Razzia auch in Volksdorf in Niedersachsen statt. Hier durchsuchten am frühen Montagmorgen vermummte und schwer bewaffnete Einsatzkräfte stundenlang eine Wohnung. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Auch in Langenhagen bei Hannover wurde ein Haftbefehl vollstreckt, berichtet die „Neue Presse“.

In den kommenden Wochen erwartet Europol weitere auf die Operation folgende Ermittlungen – und auch eine besser Einsicht in das organisierte Verbrechen in der EU aufgrund der nun gesammelten Informationen.

RND/dpa/ap/goe

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