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Erpressung: Südkoreanischer Chatroom-Betreiber muss für 40 Jahre in Haft

  • Ein junger Mann aus Südkorea muss für 40 Jahre hinter Gitter, weil er Frauen und Minderjährige zu sexuellen Aufnahmen zwang.
  • Der Verurteilte soll Komplizen gehabt haben, einer von ihnen ist gerade einmal 16 Jahre alt.
  • Der Fall löst in dem Land nicht nur Debatten über sexuelle Gewalt, sondern auch über die Kultur und Gesellschaft aus.
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Seoul. Ein Betreiber eines Chatrooms ist in Südkorea wegen der Erpressung von Frauen und Minderjährigen sowie des Verkaufs von unter Zwang aufgenommenen sexuell expliziten Videos zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der 24-Jährige habe die Identität vieler Opfer offengelegt und ihnen irreparablen Schaden zugefügt, entschied das Bezirksgericht in Seoul am Donnerstag. Er habe eine große Zahl von Opfern mit diversen Methoden geködert und erpresst, sexuell missbräuchliche Inhalte aufzunehmen und diese dann während eines längeren Zeitraums an viele Menschen verkauft.

Neben dem Haupttäter wurden am Donnerstag fünf weitere Komplizen mit Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren verurteilt. Einer ist 16 Jahre alt. Insgesamt acht Personen waren im Juni festgenommen oder angeklagt worden, sexuelle Missbrauchsvideos von 74 Opfern hergestellt zu haben, von denen wiederum 16 minderjährig waren. Danach sollen sie die Videos über die App Telegram verteilt haben, wo Nutzer 2019 und 2020 in Kryptowährung dafür bezahlten, die Aufnahmen anzuschauen.

Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft

Mit Blick auf den Haupttäter habe das Gericht entschieden, ihn über einen längeren Zeitraum von der Gesellschaft abzuschneiden, weil sein Verbrechen so gravierend gewesen sei und einen bösartigen Einfluss gehabt habe, sagte Gerichtssprecher Kim Yong Chan. Der 24-Jährige hatte lediglich eingeräumt, Opfer für die Aufnahme der Videos hereingelegt zu haben; nicht aber, sie erpresst oder genötigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Sie hat ebenso wie der Verurteilte eine Woche Zeit, Berufung einzulegen.

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In Südkorea hat der Fall einen öffentlichen Aufschrei und eine Debatte über die Kultur ausgelöst. Experten sagen, die südkoreanische Gesellschaft gehe mit sexueller Gewalt zu milde um und lasse die Opfer im Stich. In den vergangenen Jahren hatte Südkorea Probleme, von Seoul als digitale sexuelle Verbrechen beschriebene Taten anzugehen. Darunter fällt neben dem Austausch von Bildern und Videos in Chatrooms auch die Verbreitung von intimen Bildern und Videos, die von Handys und kleinen, im öffentlichen Raum und in Gebäuden versteckten Kameras aufgenommen wurden. 2018 kam es deshalb zu Massenprotesten.

RND/AP

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