Tragödie im Erfurter Zoo: Zwei Nashörner gestorben - Ursache unklar

Die beiden Nashörner Marcita und Tayo des Erfurter Zoos sind plötzlich verstorben. Ihr Tod gibt Rätsel auf. Kurz zuvor waren sie noch putzmunter.

Die beiden Nashörner Marcita und Tayo des Erfurter Zoos sind plötzlich verstorben. Ihr Tod gibt Rätsel auf. Kurz zuvor waren sie noch putzmunter.

Erfurt. Tränen vor der Zoo-Kasse: Grund dafür ist nicht die Tatsache, dass der Zoo am Freitag geschlossen bleibt, sondern das Warum. Die 17-jährige und trächtige Nashornkuh Marcita wurde in der Nacht tot in ihrer Box gefunden. Das bringt die ganz kleinen Zoo-Gäste am Eingang aus der Fassung. Auch die neunjährige Mila und ihre elfjährige Schwester Sophia aus Berlin wollten an ihrem Ferientag mit ihrem Opa in den Erfurter Zoo. Doch das wird nun nichts. „Ist das Baby in der Mama jetzt auch tot?“, fragt Sophia. Die Antwort ist ja.

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Die Bestürzung ist auch beim Zoopersonal groß. Denn erst zwei Tage vorher, am Mittwoch, wurde Marcitas Jungbulle Tayo mit 14 Monaten tot in seiner Box gefunden. „Wir sind alle tief erschüttert“, sagt Zoodirektorin Sabine Merz. Marcita habe zwar deutlich um Tayo getrauert und immer wieder ihr Jungtier gerufen, sei ansonsten aber, wie auch ihr Kalb vor seinem Tod, wohlauf gewesen. „Ich habe es selten erlebt, dass wir so im Dunklen tappen. Aus heiterem Himmel - und dann gleich zwei. Das ist nicht zu fassen.“

 Nashornmama Marcita und ihr Nachwuchs Tayo waren kurz vor ihrem Tod noch wohlauf.

Nashornmama Marcita und ihr Nachwuchs Tayo waren kurz vor ihrem Tod noch wohlauf.

Erfurter Zoo bittet andere Zoos um Hinweise

Man habe alle anderen Zoos mit Nashörnern in Deutschland über das plötzliche Nashornsterben in Erfurt informiert und sei offen für jegliche Hinweise oder andere Erfahrungswerte. Zurück sei bisher großes Beileid gekommen, aber keine Rückmeldungen, die bei der Ursachenforschung helfen könnten. Von einer Gefahr für die anderen Zoo-Tiere gehe man aber erst einmal nicht aus. „Wir haben eins-a-Futter, wir haben eins-a-Versorgung“, versichert Merz.

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Dass der Zoo die Türen am Freitag geschlossen hielt, hat auch logistische Gründe. Um pathologisch untersucht werden zu können, muss die rund zweieinhalb Tonnen schwere Nashornkuh aus ihrem Stall in einen Transporter gehievt werden - eine Herausforderung. Sobald das geschafft sei, werde das Tier von Pathologen für Wild- und Zootiere von oben bis unten untersucht. „Wir würden gerne was rausbekommen. Das sind wir den Tieren schuldig und auch den Mitarbeitern“, sagt Merz.

Nashornmutter war erst 17 Jahre alt

Aktuell gebe es aber nicht einmal einen Verdacht. Kann es sein, dass die Nashörner Corona hatten? Die Tiere würden auch auf Infektionskrankheiten untersucht, sagt Merz. Man ermittle generell „in alle denkbaren Richtungen“. Aber: „Sowas, was wir hier erlebt haben, so unvorhergesehen und vor allem in einem Alter, bei dem man sagt ‚Das ist noch gar kein Alter‘, das ist absolut ungewöhnlich. Und deshalb sind wir auch so schockiert“, sagt die Zoodirektorin. Nashörner werden in der Regel 20 bis 25, mitunter sogar bis zu 40 Jahre alt.

Nun keine Nashörner mehr im Erfurter Zoo

Gut fünf Jahre lebte Marcita im Erfurter Zoopark. Erst im Januar feierte der Zoo mit der Nashornkuh ihren 17. Geburtstag. Sie war bereits zum dritten Mal tragend. Der Nachwuchs war im Herbst 2022 erwartet worden. Der Nashornbestand in Erfurt war zuletzt auf Marcita und ihren zweiten Sohn Tayo geschrumpft.

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Im Sommer war der Bulle Dino in den Schweriner Zoo umgesiedelt worden. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) hatte ihn als passenden Partner für die Nashornkühe Clara und Karen ausgewählt. Sein dreijähriger Sohn Kiano war im August in die Niederlande umgesiedelt worden. Er lebt jetzt im Safaripark Beekse Bergen.

Zoo öffnet wieder zur „Magischen Lichternacht“

Mit den Umsiedlungen und den beiden Todesfällen hat der Erfurter Zoo jetzt keine Nashörner mehr. Die Arbeiten an dem neuen Außengehege für die Zucht sollen trotzdem wie geplant Mitte Februar beginnen. Denn auch in Zukunft soll es wieder Nashörner in Erfurt geben. Das sei aber weder morgen noch übermorgen der Fall, sagte Merz. „Wir haben heute unser Zuchtweibchen verloren, vor zwei Tagen erst das Jungtier. Wir müssen jetzt erst einmal ermitteln, worum es ging bei diesen Verlusten. Und dann werden wir alles tun, um die Zucht wieder aufzunehmen.“

Der Zoo plant am Freitagabend zur „Magischen Lichternacht“ wieder zu öffnen - dann nur leider ohne Nashörner.

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RND/dpa

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