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Er hatte die Idee zur Münchener Regenbogenaktion: Beppo Brem ist „stolz auf diese bunte Stadt“

  • Aus der Idee der Beleuchtung des Münchner Stadions in Regenbogenfarben ist durch die Uefa-Absage etwas viel Größeres entstanden.
  • Angeschoben hatte die Ursprungsaktion der Münchner Grünen-Stadtrat Beppo Brem.
  • Doch mit den Auswirkungen hatte er nicht gerechnet – und nennt sie einen „weiteren Schritt“ im Einsatz für Minderheitenrechte.
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München. Soll die Münchner Allianz-Arena in Regenbogenfarben leuchten oder nicht? Darüber brach vor dem Spiel Deutschland gegen Ungarn am 23. Juni eine große Debatte aus. Doch wie kam es eigentlich zu der Idee? Und was denkt Initiator Beppo Brem heute über die Aktion und ihre Auswirkungen? Mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hat der Grünen-Stadtrat darüber gesprochen.

Alles fing mit einer einfachen Idee an. In Ungarn wurde am Tag des Auftaktspiels der Deutschen gegen Frankreich, am Dienstag vor zwei Wochen (15. Juni), ein Gesetz durchs Parlament gebracht, das Informationen über Homo- und Transsexualität drastisch einschränkt. Am selben Tag gab es in München, dem Austragungsort des darauf folgenden Spiels gegen Ungarn, zufälligerweise eine Sitzung mit dem Oberbürgermeister, wie der Münchner Stadtrat Beppo Brem dem RND erzählt. Da kursierte im Netz schon die Idee, dem ungarischen Gesetz etwas entgegenzusetzen und das Münchner Stadion als Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit in Regenbogenfarben zu beleuchten. Brem war angetan davon: „Ich bin mit einem SPD-Kollegen mit der Idee zum OB gegangen und daraus ist dann ein parteiübergreifender Antrag entstanden, alle haben mitgemacht“, erzählt er begeistert.

Gemeiner Antrag war „klares Signal“

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Das gebe es nicht so oft, dass alle Parteien an einem Strang ziehen. „Das ist nicht selbstverständlich, von der CDU hätte ich nicht immer erwartet, dass die mitmachen“, sagt er offen. Doch der gemeinsame Antrag sei ein „klares Signal“ gewesen – von allen zusammen getragen. Was dann folgte, hatte der Grünen-Stadtrat dennoch nicht erwartet: Die Uefa lehnte die Regenbogenaktion ab – und löste eine Welle von Protestaktionen aus. Vor dem Stadion wurden Regenbogenfähnchen verteilt, Fans trugen Kleidung in Regenbogenfarben, Unternehmen, Vereine und Privatpersonen färbten ihre Logos und Profilbilder in Regenbogenfarben, Sponsoren wie VW, Lieferando oder Booking färbten ihre Bandenwerbung im Stadion ebenfalls ein.

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„Keiner von uns hat erwartet, dass das solche Auswirkungen hat“

„Die Absage hat vieles offengelegt und dem Ganzen einen Schub gegeben“, findet Brem, der das Handeln der Uefa „nicht glaubwürdig“ nennt – habe der Fußballverband sich doch kurz zuvor noch für Toleranz ausgesprochen, handele nun aber nicht danach. Er hätte aber nie gedacht hätte, dass sich aus der Regenbogenidee nach der Absage so eine Bewegung entwickelt. „Keiner von uns hat erwartet, dass das solche Auswirkungen hat“, sagt er über sich und seine Stadtratskollegen. Die Münchner Aktion war plötzlich nicht nur Thema in der bayerischen Hauptstadt, sondern weltweit in den Schlagzeilen. „Die ‚Washington Post‘, die ‚New York Times‘ und die BBC haben berichtet“, zählt er nur einige auf. Er selbst habe Interviews im norwegischen und italienischen Fernsehen gegeben.

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Brem, der seit dem vergangenen Jahr für die Grünen im Stadtrat ist und sich für die Stärkung der Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender einsetzt, ist glücklich über das, was durch die Regenbogenaktion passiert ist. „Es ist eine gute Wirkung, dass es bei den Menschen angekommen ist“, sagt er. „Ich bin stolz auf München, die Stadt hat sich zur weltoffenen, bunten Stadt gemausert“, sagt er über seine Heimat. Dass manche auch mit etwas Skepsis auf die vielen Unternehmen blicken, die nun ihre Logos oder Werbung in Regenbogenfarben umgestalten, sonst aber vielleicht nicht besonders durch ihr Engagement für die LGBTQI+-Community hervorstechen, kann er verstehen. Aber: Trotz sogenanntem Pinkwashing-Vorwurf – dass die Toleranz nur zu Marketingzwecken gezeigt wird – wertet er es als ein gutes Zeichen. „Unternehmen finden es offenbar wichtig, für Offenheit zu stehen“, deutet er die Symbolik positiv. „Da ist viel passiert in den letzten 20 Jahren.“ Diversität spiele auch in Firmen und Vereinen eine immer größere Rolle. Man dürfe sich von solchen Zeichen nicht „einlullen“ lassen, müsse den gesellschaftlichen Wandel aber auch anerkennen.

„Man geht immer in Etappen, wenn man für Minderheitenrechte eintritt“

Die Regenbogenaktion nennt Brem einen „weiteren Schritt“: „Man geht immer in Etappen, wenn man für Minderheitenrechte eintritt“, meint er. Er glaubt, dass die aktuelle Bewegung auch eine längerfristige Wirkung haben kann. „Bei der Uefa wird unser Einsatz keine große Wirkung haben“, sagt er zwar realistisch, aber: „Wenn da große Sponsoren anfangen, mehr zu fordern, wird das schon ankommen“, so seine Hoffnung. Aus der Idee der Regenbogenbeleuchtung ist plötzlich etwas Größeres geworden.

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