Enigma-Fund: Sechs Nazi-Chiffriermaschinen aus der Ostsee geborgen

  • Ein Taucher entdeckt vor der Küste von Schleswig-Holstein gleich sechs Chiffriermaschinen aus dem Zweiten Weltkrieg.
  • Die Enigmas wurden dort möglicherweise gegen Kriegsende entsorgt.
  • Nun sollen sie restauriert und ausgestellt werden.
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Schleswig. Ein Taucher hat bei Arbeiten sechs weitere Chiffriermaschinen vom Typ Enigma aus dem Zweiten Weltkrieg aus der Ostsee geborgen. Finder Christian Hüttner habe den Fund aus der Nähe von Schleimünde zwischen Flensburg und Kiel gemeldet, berichtete das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein am Donnerstag. Den Fund habe er Anfang des Jahres gemacht, sagte der Berufstaucher der Deutschen Presse-Agentur.

Er habe die Chiffriermaschinen aufgrund des starken Bewuchses nicht sofort erkannt. „Ein paar Tasten schauten raus.“ Um die Entdeckung seines Lebens handele es sich bei den Enigmas keinesfalls: „Für mich hat das keinen besonderen Stellenwert“, sagte der 48-Jährige. „Funktionieren werden die Dinger nie wieder.“

Erst im November vergangenen Jahres hatten Taucher in der Ostsee bei der Suche nach herrenlosen Fischernetzen eine Enigma gefunden. Der seltene Fund wird derzeit in der Werkstatt des Museums für Archäologie auf Schloss Gottorf in Schleswig restauriert.

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Eine Enigma-Chiffriermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg liegt auf dem Grund der Ostsee. © Quelle: Florian Huber/submaris/dpa

Schätzungsweise 100.000 bis 200.000 Enigmas gebaut

Nach Angaben des Landesamts ist noch offen, wie die nun gefundenen Maschinen an ihren Fundort gelangten. Sie sollen ebenfalls fachgerecht konserviert werden. Nach Abschluss der Arbeiten ist eine Ausstellung zu den Chiffriermaschinen im Museum für Archäologie geplant. Außerdem handele es sich dabei um Gedenkorte.

Laut Landesamt für Archäologie wurden während des Zweiten Weltkriegs schätzungsweise 100.000 bis 200.000 Enigmas gebaut. Es gab unterschiedliche Modelle. Die Archäologen gehen davon aus, dass zahlreiche weitere Enigmas in schleswig-holsteinischen Gewässern versenkt wurden. Sie seien Teil der jüngeren deutschen Geschichte, und ihre Fundorte könnten Aufschluss zu den Ereignissen am Ende des Zweiten Weltkrieges erbringen.

Nach ersten Erfolgen von Experten des polnischen Geheimdienstes trug der britische Mathematiker Alan Turing während des Zweiten Weltkriegs maßgeblich dazu bei, den Enigma-Code zu knacken. Dies hatte erheblichen Einfluss auf den U-Boot-Krieg im Atlantik. Fortan konnten die Briten die verschlüsselten Funk-Codes an deutsche Boote „mitlesen“ - unbemerkt vom Kriegsgegner.

RND/dpa

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