Politikerinnen warnen vor Zwangsprostitution zur EM: „Werden zu Tausenden nach Deutschland gebracht“

Prostituierte warten auf einem Straßenstrich auf Freier.
Quelle: dpa
Ende nächster Woche beginnt die Europameisterschaft. „Wir erwarten 2,7 Millionen Menschen in den Stadien und bis zu zwölf Millionen in den Fanzones“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Eine solche Menschenmasse bedeutet auch einen „spektakulären befristeten Anstieg der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen“, wie es das Europäische Parlament bereits 2006 in einer Entschließung zur Zwangsprostitution im Rahmen internationaler Sportereignisse formulierte.
„Wir können davon ausgehen, dass die Nachfrage auch während der Europameisterschaft nicht durch Freiwillige gedeckt werden kann und es deshalb noch mehr Zwangsprostitution geben wird“, sagte SPD-Familienpolitikerin Leni Breymaier der „Rheinischen Post“. Breymaier ist Gründerin des „Parlamentskreises Prostitution und Pornografie“ und hat für kommende Woche eine Diskussion über ein „Sexkaufverbot“ für die EM und für die Olympischen Spiele in Paris angesetzt.
„Es gibt eine rechtliche Handhabe gegen Zwangsprostitution“
Das Thema geht fast unter in der angespannten Sicherheitslage. Die Ressourcen der Einsatzkräfte sind bei der EM 2024 schon sehr gebunden: Ein großes Augenmerk liegt auf der Eindämmung der Terrorgefahr und der Verhinderung von Anschlägen in Stadien oder bei größeren Fan-Ansammlungen.
„Ich erwarte von den Sicherheitsbehörden auch eine verstärkte Kontrolle der Prostitutionsstätten“, sagte Breymaier. „Es gibt eine rechtliche Handhabe gegen Zwangsprostitution, die meiner Meinung nach nicht ausreichend ausgeschöpft wird.“ Im Ausland werde dafür geworben, „wie einfach und legal es ist, in Deutschland Frauen zu kaufen“, so die SPD-Politikerin.
Dorothee Bär (CSU) sagte ebenfalls in der „Rheinischen Post“: „Um den Bedarf zu decken, werden Frauen dafür zu Tausenden aus den ärmsten Ländern an die Austragungsorte in Deutschland gebracht.“ Die Prostitutionsgesetze würden nicht greifen und die Ampel unternehme nichts dagegen.
„Die EM wird alle Polizeibehörden in Deutschland extrem fordern“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke. „Wir werden mit Sicherheit eine aktive Szene der organisierten Kriminalität in den Bereichen Drogenhandel und Prostitution beobachten“, so der GdP-Chef weiter. Aber: „Für eine effektive Bekämpfung dieser kriminellen Begleiterscheinungen brauchen wir Ressourcen.“ Breymaier appelliert derweil an die Freier, einen Moment nachzudenken: „Kann sie das jetzt wollen oder wird sie dazu gezwungen?“
RND/sth













