• Startseite
  • Panorama
  • EM: Greenpeace-Aktion trotz Flugverbots – diese Regeln galten über dem Münchner Stadion

Greenpeace-Aktion trotz Flugverbots: Diese Regeln galten über dem Münchner Stadion

  • Nach der Landung eines Greenpeace-Aktivisten mitten auf dem EM-Spielfeld bleibt die Frage, wie so etwas passieren kann.
  • Flugräume über Stadien sind nicht generell gesperrt – in München galt am Abend allerdings ein totales Flugverbot.
  • Bayerns Innenminister will jetzt bei den kommenden EM-Spielen die Luftüberwachung verstärken.
Anzeige
Anzeige

München. Bei der umstrittenen Greenpeace-Aktion am Mittwochabend kurz vor dem EM-Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Frankreich landet ein Aktivist auf dem Spielfeld der Münchner Arena. Zuvor gerät er in eine Stahlseilkonstruktion am Stadiondach und kommt ins Schwanken. Nur mit großer Mühe kann er einen Absturz in die Zuschauerränge verhindern, dennoch werden zwei Männer am Kopf verletzt.

Wieso konnte der Mann überhaupt in die Arena fliegen, und sind Lufträume über Stadien nicht generell gesperrt? Nein, das sind sie zunächst einmal nicht. Nur zu besonderen Anlässen mit erhöhtem Sicherheitsrisiko werden in der Regel sogenannte Flugbeschränkungsgebiete temporär eingerichtet.

Es galt eine temporäre Flugbeschränkung

Anzeige

In München wurde anlässlich der Fußball-Europameisterschaft durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur über der Allianz-Arena ein Gebiet mit Flugbeschränkungen in einem Radius von 5,56 Kilometern um den Spielort herum festgelegt. „Die Flugbeschränkung bestand für den Zeitraum von 17 bis 2 Uhr“, erläutert Wolfgang Rupp, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). In dieser galt über dem Stadion faktisch ein totales Flugverbot.

Wenn hingegen sogenannte Sperrzonen ausgewiesen sind, werden sie üblicherweise auch in den Luftfahrerkarten verzeichnet. Für München galt dies nicht, weil es sich eben um ein temporär aktives Flugbeschränkungsgebiet handelte, so Rupp.

Anzeige

Anders verhält es sich beispielsweise in dem Flugraum über Atomkraftwerken, einem Gefahrengebiet, das für zivile wie militärische Luftfahrzeuge eingeschränkt oder komplett gesperrt werden kann.

Bayern will Luftüberwachung verstärken

Anzeige

Doch zurück nach München: Eigentlich wollte der Umweltaktivist nur einen Ball ins Stadion sinken lassen, seine Landung auf dem Spielfeld war also so nicht gedacht. Doch auch wenn die Aktion planmäßig verlaufen wäre, wäre sie strafbar gewesen: „Ein bloßer Überflug des Stadions ohne entsprechende Genehmigung wäre ein Verstoß gegen die Flugbeschränkung gewesen“, so Rupp. Offenbar hatte der Mann Glück, dass nicht auf ihn geschossen wurde. Laut Bayerns Innenminister Herrmann wurde von einem Scharfschützeneinsatz wegen der Greenpeace-Beschriftung abgesehen.

Die ganze Aktion in München hat im Übrigen im sogenannten unkontrollierten Luftraum stattgefunden. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) ist es das Gebiet unterhalb des normalen Flugraumes, etwa 1000 Meter über der Erde. Hier tummeln sich Ballonfahrer, kleine Flieger oder eben auch Motorschirmflieger. Das Gebiet wird nicht von der Flugverkehrkontrolle unterstützt. Deshalb muss der Luftraum bei Fußballspielen oder anderen großen Veranstaltungen von den Ländern besonders im Augen behalten werden – sie müssen die Einhaltung der temporären Einschränkung kontrollieren.

Bayerns Innenminister hat deswegen auch angekündigt, in Zukunft besser gewappnet zu sein: „Die bayerische Polizei wird bei den kommenden drei EM-Spielen die Luftüberwachung verstärken, insbesondere zusammen mit der Hubschrauberstaffel“, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch.

RND/hma

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen