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Ein Jahrzehnt geht zu Ende: Das waren die Trends und Hypes der 2010er-Jahre

  • Jedes Jahrzehnt hat seine Trends.
  • Doch was bleibt von den Jahren 2010 bis 2019?
  • Eine Reise in die Welt von Horrorclowns, Deutschrap und Spiegel-Selfies.
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Hannover. In den Neunzigern trug man bauchfrei, in den 2000ern ein Arschgeweih. Und in den 2010er-Jahren?

In anderthalb Monaten geht mal wieder ein Jahrzehnt zu Ende. Und ob man es glaubt oder nicht: Die Jahre 2010 bis 2019 hatten auch einige kuriose Modetrends parat, auf die wir in Zukunft vielleicht ähnlich skeptisch zurückblicken.

Aber nicht nur das: Neben modischen Trends war das Jahrzehnt – dank der sozialen Netzwerke – geprägt von jeder Menge Internet-Hypes. Und auch musikalisch können wir – dank dem Aufkommen von Musikstreamingdiensten – auf einige Besonderheiten zurückblicken.

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Zeit für einen kleinen Rückblick auf die Trends und Hypes der Zehnerjahre.

Horrorclowns

Nicht lustig: Das Phänomen der Horrorclowns ist zum Glück gestorben.

Ende der Achtzigerjahre erschien der Gruselroman „Es“ von Stephen King mit dem überaus schrecklichen Clown Pennywise. Kurioserweise brauchte es weit mehr als 30 Jahre, bis die ersten gruseligen Horrorclowns plötzlich an deutschen Straßenecken standen und Passanten in Angst und Schrecken versetzten.

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Im Jahr 2016 registrierte die Polizei allein in Nordrhein-Westfalen innerhalb weniger Tage 110 Fälle mit Horrorclowns. Am 26. Oktober 2016 gaben die Polizeibehörden dann sogar 370 Fälle bekannt.

Bei den vermeintlichen Späßen kam es auch zu gewalttätigen Attacken und teils tragischen Unfällen: In Gelsenkirchen verletzten zwei Gruselclowns mit einem Messer einen gehörlosen Mann. In Rostock griff ein als Horrorclown maskierter Täter einen Teenager mit einem Baseballschläger an. In Berlin wurde ein als Clown verkleideter 16-Jähriger von einem 14-jährigen Bekannten niedergestochen, den er erschrecken wollte.

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Deutschrap

Der deutsche Rapper Capital Bra.

Natürlich wurde deutscher Hip-Hop nicht in den 2010er-Jahren erfunden – doch der Hype um die Musikrichtung nahm gegen Ende des Jahrzehnts außergewöhnliche Züge an. Blickt man in die deutsche Top-50-Liste bei Spotify, so sind derzeit neun der zehn meistgestreamten Songs von deutschen Rapkünstlern. Sie heißen Capital Bra, Apache 207, Bausa oder RAF Camora. Zeitweise gab es auch große Hypes um Subgenres, wie beispielsweise Cloudrap.

„Deutschrap beherrscht die Charts“, lautete darum das offizielle Fazit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für das Musikjahr 2018. „Deutschlands Hip-Hop-Stars“ hätten sich „in einen regelrechten Rauschzustand“ gerappt, hieß es damals. Hauptgrund dafür sind Streamingdienste wie Spotify, die seit ein paar Jahren zum wichtigsten Geschäftsmodell für Musiker geworden sind und vor allem von jungen Leuten genutzt werden.

Deutsche Rapkünstler stehen aber auch immer wieder in der Kritik. Das Funk-Format „Y-Kollektiv“ hatte in einer Reportage aufgedeckt, wie einfach es ist, Streamingzahlen auf Portalen wie Spotify und Youtube zu manipulieren.

Hundefilter

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Mitte der 2010er-Jahre wurde eine App zum Trend, die die Internetkommunikation nachhaltig verändern sollte: Mithilfe von verschiedenen Filtern können Nutzer hier ihr Gesicht aufhübschen – oder irgendwas Verrücktes hineinzaubern. Die Rede ist natürlich von Snapchat.

Besonders beliebt auf der Plattform: der Hundefilter. Plötzlich waren überall Gesichter mit langen Hundeohren zu schlabbernden Zungen zu sehen. Als dann auch Instagram die Filter einführte, war der Hype endgültig im Mainstream angekommen – und offenbar auch nicht mehr zu stoppen.

Hochgekrempelte Hosen

Hochgekrempelte Hosen sind Modetrend in den Zehnerjahren. © Quelle: picture alliance / dpa
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Im Jahr 2017 trugen Mann und Frau plötzlich „unten ohne“. Das sogenannte Flanking, also das Aufkrempeln der Hose bis zum Knöchel, wurde zum Modetrend – und das sogar bei Minusgraden.

Der Gang zur Arbeit, der Stadtbummel, das Warten auf die Bahn – alles wurde plötzlich knöchelfrei erledigt. Modeblogs geben bis heute Tipps, wie man die Hose korrekt hochrollt. Modeexperten gehen davon aus, dass das Flanking auch mit dem Modehype der weißen Sneaker zu tun hat. Denn die kann man mit aufgekrempelten Hosen ganz besonders gut zur Schau stellen.

EDM

DJ und Produzent Martin Garrix.

Nach dem quietschbunten Raver-Jahrzehnt der Neunzigerjahre brauchte die deutsche Popwelt in den 2000ern offenbar dringend eine Verschnaufpause. Die Popularität von elektronischer Musik nahm stetig ab. Im Radio wurde sie durch Deutschpop ersetzt, in vielen Großraumdiskotheken durch Blackmusic. Bis auf einige Ausnahmen in den Charts verschwanden Dance, Trance und House in die Nische.

Und dann kamen die 2010er-Jahre. Zunächst waren es große US-Artists wie Taio Cruz, die statt Blackmusic plötzlich Hits mit House-Beat veröffentlichten – dann kamen die Holländer. Produzenten und DJs wie Martin Garrix, Tiesto und Hardwell machten den „Bigroom-EDM“- und „Progressive-House“-Sound weltweit bekannt, niederländische Labels wie Spinning-Records veröffentlichten Welthits. Die Skandinavier Avicii und Kygo machten EDM („Electronic Dance Music“) vollends radiotauglich.

Hunderttausende EDM-Fans feiern heute jährlich auf großen EDM-Festivals wie dem Tomorrowland oder dem Ultra Music Festival. Es entstanden sogar ganze Filme über den neuen Musikkult, wie zum Beispiel „We are Your Friends“ (2015) mit Zac Efron.

Dabbing

Das sogenannte Dabbing ist einer von vielen (nennen wir es mal) „Tanzschritten“, die in den Zehnerjahren aufgetaucht und wieder verschwunden sind. Dabei werden beide Arme parallel nach links oben gestreckt, während der Kopf nach unten gesenkt wird – so als würde man in die Armbeuge niesen.

Ursprünglich stammt der Dab aus der Hip-Hop-Szene in Atlanta, später wurde er zum Jugendphänomen in den sozialen Netzwerken. Ausgelöst wurde der Hype höchstwahrscheinlich durch unzählige Sportler, die den Dancemove nach einem Sieg präsentierten.

Pokémon Go

Ein Hype des Jahres 2016: Pokémon Go.

Eigentlich sind die Pokémon ja eher ein Trend der Neunzigerjahre – doch 2016 feierten die kleinen Monster plötzlich ein unverhofftes Comeback. Im Sommer hatte plötzlich jeder Smartphone-Nutzer unter 20 (und vermutlich sogar über 20) das Spiel „Pokémon Go“ auf seinem Gerät und zog durch die Straßen, um neue Pokémon zu fangen oder sich mit Freunden zu „battlen“. Vielerorts wurden ganze „Pokémon Go“-Events veranstaltet, an denen Tausende junge Menschen teilnahmen.

Heute sieht man auf den Straßen zwar kaum noch Pokémon-Jäger, das Spiel allerdings hat noch immer viele Fans. Erst in diesem Jahr kamen Tausende Menschen bei einem Pokémon-Go-Fest in Dortmund zusammen. Der Softwarehersteller Niantic hat im Jahr 2018 noch immer 2,2 Millionen Dollar Umsatz mit dem Spiel gemacht.

Das Spiegel-Selfie

Das Selfie selbst wurde bereits mit der Einführung des Smartphones und dem Aufkommen von Social-Media Ende der 2000er populär. In den 2010er-Jahren wurde der Hype jedoch perfektioniert: Plötzlich ploppten überall in den sozialen Netzwerken Selfies aus dem Badezimmer auf. Immer stilecht mit ein paar Flaschen Kosmetik und einer Rolle Klopapier im Hintergrund.

Bis heute ist das Spiegelselfie nicht totzukriegen. Auch auf Datingportalen ist die besondere Form der Selbstfotografie überaus beliebt.

Alexa

Der Lautsprecher Amazon Echo lässt „Alexa“ sprechen.

Das Smartphone war die Revolution der 2000er-Jahre, in den 2010ern tauchten plötzlich die Sprachassistenten auf. Geräte wie der „Amazon Echo“ oder „Google Home“ stehen inzwischen in Hunderttausenden Wohnungen und beantworten bereitwillig sämtliche Fragen ihrer Nutzer – vom Wetter bis zum Kochrezept.

Zeitgleich mit der Einführung der Sprachassistenten wurde auch das Smarthome immer mehr zum Trend. Denn mit Alexa und Co. lassen sich auch Lampen ein- und aussschalten, die Temperatur der Heizung verändern, ja sogar ganze Türen auf- und zuschließen. Im kommenden Jahrzehnt dürfte der Trend keineswegs abklingen. Hersteller arbeiten immer weiter daran, Haushaltsgegenstände möglichst intelligent zu machen.

Harlem Shake und die Ice-Bucket-Challenge

Ein Song des US-Musikers Baauer wird 2013 plötzlich zum Internetphänomen: Überall auf der Welt tanzen Menschen mit zuckenden Bewegungen den „Harlem Shake“. An den ungewöhnlichsten Orten. Mal angezogen, mal nackt. Millionen Videos werden ins Netz gestellt.

Internetphänomene wie der „Harlem Shake“ sind prägend für die 2010er-Jahre. Nur ein Jahr später tanzen plötzlich Millionen Menschen auf der ganzen Welt zu „Happy“ von Pharrell Williams. Bei der „Ice Bucket Challenge“ lassen sich im Jahr 2014 Menschen kaltes Wasser über den Kopf laufen, um auf die Krankheit ALS aufmerksam zu machen – darunter auch unzählige Prominente wie beispielsweise Justin Bieber.

Bei den sogenannten Challenges, die Mitte der Zehnerjahre vermehrt auftauchen, geht es bald immer krasser und skurriler zu. So sehr, dass es auch zu schweren Unfällen kommt. Eine „Cold Water Challenge“ endet im Jahr 2014 für einen Familienvater aus dem Münsterland tödlich. Mithilfe der Schaufel eines Teleskopladers sollte ein Kegelclub mit einer riesigen Menge Wasser überschüttet werden. Das Gefährt jedoch kippte und die Schaufel erschlug einen der Teilnehmer.

Bubble Tea

Bubble Tea – ein Hype-Getränk der Zehnerjahre. Es war so schnell wieder weg, wie es gekommen war. © Quelle: picture alliance / dpa-tmn

Im Jahr 2012 schießen plötzlich in den Fußgängerzonen die Bubble-Tea-Läden aus dem Boden. Seine Wurzeln hat das völlig überzuckerte Trendgetränk in Taiwan. Charakteristisch für den Tee sind die Kügelchen (die „Bubbles“), die sich am Boden des durchsichtigen Plastikbechers sammeln.

Doch so schnell der Trend gekommen war, so schnell war er auch wieder weg. Schnell warnten Lebensmittelexperten vor den gesundheitlichen Gefahren des neuen Zuckerdrinks, wenig später fanden es die Konsumenten auch schon wieder uncool. Die gerade erst neu eröffneten Geschäfte verschwanden wieder aus den Städten.

Pumpen

Das „Pumpen“ ist ein Hype der 2010er-Jahre. © Quelle: picture alliance / dpa Themendie

Mit der Popularität von Instagram und der Jagd nach perfekten Bildern (und Körpern) entwickelt sich seit den Zehnerjahren ein regelrechter Fitness-Hype. Jungs gehen „Pumpen“ und richten ihren Lifestyle nach dem perfekten Bizeps aus. Mädels verbringen unzählige Abende mit Fitnessstudio und Fitness-Food. Im Netz sorgen Videos der eigenen „Body-Transformation“ für massive Klickzahlen, derweil boomen Fitnessprogramme wie die „10 Weeks Body Challenge“ von Detlef D! Soest.

Der Fitness-Hype ist ohne Frage ein Trend der Zehnerjahre – und vielleicht auch kein ganz schlechter. Schließlich fördert er in vielen Fällen die Gesundheit. Jedoch wird übertriebenes Workout von Experten auch kritisch gesehen, schließlich kann es dem Körper auch schaden.

Der Bart

Der Vollbart ist ein Modetrend der 2010er-Jahre. © Quelle: picture alliance / PAP

Glattrasiert war gestern: Seit diesem Jahrzehnt trägt Mann wieder Bart im Gesicht – und das in den unterschiedlichsten Ausführungen. Der Hype hängt sicherlich auch zusammen mit dem Aufkommen der Hipster Ende der 2000er. In den Zehnerjahren entwickelt sich bei Männern ein Modetrend, der sich „Lumbersexual“ nennt. Er leitet sich vom englischen Begriff „Lumberjack“ (Holzfäller) ab.

Männer auf den Straßen sind fortan mit Vollbart, Mütze und Holzfällerhemden zu sehen. Ganze Modeblogs und Youtube-Kanäle widmen sich der perfekten Bartpflege – und ein Ende scheint auch im kommenden Jahrzehnt noch nicht in Sicht.

Flashmobs

Französische Aktivisten stellen sich bei einem Flashmob tot. © Quelle: picture alliance/dpa

Stellen Sie sich vor, Sie laufen durch die Innenstadt und plötzlich fangen um Sie herum Dutzende Menschen an zu singen. Oder sie fallen um. Oder sie machen sich einen Heiratsantrag. All das ist in den 2010er-Jahren passiert – bei sogenannten Flashmobs.

Bis heute organisieren sich Gruppen über die sozialen Netzwerke, um zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort besonders verrückte Aktionen zu starten. Anfangs war das gänzlich unpolitisch, inzwischen nutzen auch Umweltschützer, Pflegekräfte oder Tierrechtsaktivisten die Darstellungsform des Flashmobs, um auf ihre Zwecke aufmerksam zu machen.

Die Ursprungsidee des Flashmobs ist jedoch nicht in den Zehnerjahren entstanden, sondern deutlich früher. Bereits in den Sechzigerjahren soll es Vorläufer des heutigen Flashmobs gegeben haben – damals natürlich noch ohne die Hilfe sozialer Netzwerke.

"I bims"

Mitte der 2010er-Jahre wird plötzlich ein Sprachstil zum Internetphänomen. Die sogenannte Vong-Sprache zeichnet sich durch unzählige Sprach- und Grammatikfehler aus und wird unter anderem durch verschiedene Twitter-Nutzer und Facebook-Seiten wie „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ berühmt gemacht.

Neben dem Begriff „vong“ (von) wird vor allem die Formulierung „I bims“ (ich bin’s) zum Trendbegriff und wird 2017 sogar zum Jugendwort des Jahres gewählt.

“Staat, Sex, Amen”
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