Easy auf Bali – Cro über sein neues Album Trip

  • Seit fast zehn Jahren ist Cro mit Pop-Rap-Hits wie „Easy“ gut im Geschäft.
  • Auf Bali hat er vor zwei Jahren einen Rückzugsort gefunden.
  • Dort hat er auch sein neues Doppelalbum „Trip“ eingespielt.
Steffen Rüth
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Cro, geht es Ihnen gut?

Mir geht es sogar blendend. Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Ich bin gegen 10 Uhr aufgestanden, habe gefrühstückt, kurz in der Sonne gebadet, bin in den Pool gesprungen und habe jetzt gerade ein kleines Work-out gemacht.

Was man halt so macht auf Bali. Seit wann sind Sie eigentlich dort?

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Seit Silvester 2019. Ich war quasi hierher geflüchtet.

Wovor?

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Ich spürte, dass ich nicht mehr so glücklich, nicht mehr ausgeglichen bin. Also habe ich mich aus meinem üblichen Leben rausgerissen, um ganz in Ruhe zu überlegen, wie ich weitermachen will. Ich brauchte definitiv einen Tapetenwechsel, denn ich habe ja mein ganzes Leben in Deutschland verbracht und war immer nur mal kurz für ein paar Wochen weg. Dann kam ich hier an und begann, alles sacken zu lassen und einen gewissen Abstand von meiner Karriere zu bekommen. Ich merkte, wie sehr ich die Ruhe gebraucht hatte und wie gut sie mir tat.

Silvester 2019 war Corona noch kein Thema. Was haben Sie gedacht, als der Ausbruch der Pandemie Ihre Selbstfindungsphase störte?

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Das war natürlich ein kurzer Schock. Und dann musste man sich überlegen, wo man sein wollte. Viele Freunde, die erst mit mir auf Bali waren, sind zurückgeflogen nach Deutschland, weil sie dachten, dass dort die Versorgung besser ist. Andere sind geblieben. Auch für mich war schnell klar: Ich bleibe lieber hier. Hier ist alles schön offen, die Luft zieht durch, und ich bin relativ allein im Dschungel. Ich entschloss, hier meine Zeit zu verbringen, während alle wahnsinnig werden.

Sie sagen im Song „Nice“, dass Sie sich wünschen würden, Ihre Mutter wäre dabei. Haben Sie Heimweh?

Auf jeden Fall, ja.

Sie haben Ihr Album überwiegend auf Bali geschrieben und aufgenommen. Wie intensiv hat das Leben im Paradies auf Ihre Musik abgestrahlt?

Bali hat meine neuen Songs stark beeinflusst. Viele der Stücke klingen sehr fröhlich und sonnig, wie sollte es auch anders sein? Ich wache mit der Sonne auf, kleine Welpen tollen über die Wiese, alles ist bunt und fröhlich, die Menschen voller Lebensfreude. Es passt einfach alles. Dann kommst du nicht auf die Idee, irgendwelche tiefgründigen, supermelancholischen Songs zu machen. Deshalb klingt das ganze Ding so sehr nach Lagerfeuer und selbst gedrehten Zigaretten.

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Die zweite Hälfte des Doppelalbums ist ganz schön schräg geworden und erinnert an die späten Beatles und an Jimi Hendrix. Wie sehr ist der Sound den selbst gedrehten Kippen geschuldet?

Wenn du erst mal anfängst, zu meditieren und dich intensiv mit dir selbst zu beschäftigen, dann erkennst du irgendwann, dass auch schon vor dir Musiker auf ähnlichen Reisen, ähnlichen Trips unterwegs waren und dabei auf ähnliche Ideen kamen. Es lief auch immer viel Beatles, Doors, Hendrix, Janis Joplin oder Tame Impala. Die waren alle irgendwie anwesend, als ich das Album gemacht habe. Und ich fühlte mich ihren guten Gedanken und ihrem schönen Weltbild eng verbunden.

Einem Weltbild, wie Sie es in „Endless Summer“ in Zeilen wie „Wir haben 96 Grad, wir haben Sex den ganzen Tag“ beschreiben?

Der Song bezieht sich nicht nur auf mich, sondern auf die gesamte Menschheit. Es geht in „Endless Summer“ mehr um Überbevölkerung und unsere Überkonsumgesellschaft und weniger um mein Koitusverhalten.

Wie kommt es denn zu einem Song zum Thema Überbevölkerung?

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich konkret darauf kam. Manchmal schlummert einfach so ein kleiner Weltverbesserer in mir. Ich wundere mich oft, wie und wieso wir es schaffen, dem Planeten so schwer zuzusetzen. Irgendetwas stimmt da nicht.

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Sind Sie ein Idealist?

Für mich geht es nicht darum, mit diesem Album die Welt verbessern zu wollen. Es soll eher dich ganz persönlich ansprechen. Die Songs sind sehr meditativ, sie bringen dich in dein eigenes Innerstes und zu deinen wirklichen Bedürfnissen.

Im Song „Smooth“ allerdings fantasieren Sie von einem Milliardärsleben, wie Ihr US-Kollege Jay-Z es führt.

Ja, auch diese Seite schlummert in mir. Ganz weg bekommt man die Lust auf Abenteuer und Verrücktheit natürlich nicht. Manchmal muss ich mich immer noch hinsetzen und mir sagen: „Ich bin und bleibe der kleine Carlito aus Stuttgart.“ Ich lebe zurzeit sehr grün und sehr entspannt, aber auf der anderen Seite freue ich mich auch, wenn ich mal wieder irgendwohin zu einer Party eingeladen werde. Der Song an sich ist aber mehr so ein kleiner Tagtraum: Du siehst jemanden, bist sofort total verschossen und malst dir aus, was du alles mit dieser Person erleben möchtest.

Das lässige Stück „Smooth“ hört sich nach den Siebzigern und Achtzigern an. Wer hat Sie musikalisch dabei ­inspiriert?

Vor allem Prince, Michael Jackson und Daft Punk.

An Daft Punk erinnern sowieso gleich einige der neuen Songs.

Ich feiere die beiden wirklich sehr. Ich bin heftig verliebt in meine Synthesizer und liebe es, wie Daniel Düsentrieb dazusitzen und irgendwelche Sounds und Beats miteinander zu verknüpfen, die vor mir noch keiner so verbunden hat. Ich liebe es, zu frickeln und zu experimentieren und neue Klänge entstehen zu lassen. Das einzig Unangenehme gerade ist, dass mir meine Geräte wegen der hohen Luftfeuchtigkeit unterm Arsch wegrosten.

Nach Ihrer Zeit der Ruhe und Entschleunigung haben Sie sich also voll in die neue Musik gestürzt.

Absolut. Jede Zelle meines Körpers vibriert gerade den ganzen Tag und manchmal auch die ganze Nacht für Musik. Wahrscheinlich bin ich so beziehungsunfähig, weil ich meine Mikrofone, meine Kompressoren und meine Synthesizer mehr liebe als die Menschen. Nein, stimmt nicht. Ich weiß schon, wo die Grenze ist. Aber lieben tue ich diese Sachen wirklich. Eine gut gepflegte Maschine aus den Seventies oder Eighties, die etliches überlebt hat und in meine Sammlung kommt, weckt erotische Gefühle bei mir. Ich bin aber nicht nur in die Geräte verliebt, sondern auch in den butterweichen Sound, den sie erzeugen.

Haben Sie sich mit Daft Punk abgesprochen? Die treten ab und Sie kriechen wieder raus aus Ihrem Refugium?

Tja, wer weiß. Vielleicht haben wir das. Oder das Universum hat uns einen Zufall beschert.

Auch die neue Maske sieht ja sehr futuristisch und ein bisschen nach Daft Punk aus.

Ich denke eigentlich immer darüber nach, wie ich die Maske weiterentwickeln kann. Ich wachse ja auch hinter der Maske, und die Maske soll mit mir mitwachsen. Die Idee zum Design der neuen Maske kam mir vor ein paar Jahren, nachdem ich in Los Angeles den Wäschetrockner eines Kumpels gesehen hatte – weiß mit schwarzem Deckel.

Jetzt haben alle eine Maske im Gesicht. Wie ist das für Sie?

Schon ein bisschen lahm, dass mir die ganze Welt das nachmacht. (lacht) Jetzt sehen die Leute mal, wie das ist. Ich trage seit zehn Jahren überall in der Öffentlichkeit eine Maske. Es soll sich mal keiner aufregen, wenn er ein oder zwei Jahre lang eine tragen muss.

Hat die Bundesregierung schon angefragt, ob Sie fürs Maskentragen trommeln möchten?

Ne, aber ich fände das gut. Also falls die Angie mal ein bisschen Werbung für Masken braucht – ich bin am Start.

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