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Driften auf Parkplätzen und im Schnee: Polizei sieht riskanten Trend

  • Beim Driften rutschen Autos mit Ausbrechen des Hecks durch Kurven.
  • Das kennt man zum Beispiel von Rennstrecken.
  • Manche Fahrer vollführen die Manöver aber auch im öffentlichen Raum - zur Sorge der Polizei.
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Frankfurt/Main. Der Motor heult, das Heck bricht aus und das Auto schlittert um die Kurve. Kein Malheur, sondern ein gewolltes Manöver wie bei einer Rallye. Beim Driften übersteuern PS-Fans ihr Fahrzeug absichtlich - und nicht immer auf speziellen und dafür geeigneten Arealen wie Rennstrecken. Die Polizei beobachtet eine wachsende Zahl von Drift-Vorfällen im öffentlichen Raum. „Es ist ein gefährliches Unterfangen und wir können von Glück sagen, dass bislang im Verhältnis zu den Fällen, die festgestellt wurden, noch nicht mehr passiert ist“, sagt Thomas Mosbacher, Experte für Verkehrsprävention beim hessischen Landeskriminalamt.

Unbeteiligte Dritte können gefährdet werden

Unter Driften versteht man - angelehnt an eine Bezeichnung aus dem Motorsport - das Herumschleudern mit dem Auto, wobei die Hinterachse ausbricht. Fälle seien ganzjährig zu beobachten. Driften sei aber leichter, wenn der Untergrund unbefestigt oder verschneit und vereist sei, sagt Mosbacher. Für die Manöver würden auch Supermarktparkplätze genutzt oder ein Kreisverkehr. „Wer immer meint, das tun zu müssen, sollte auch bedenken, dass er nicht nur sich gefährdet, sondern auch unbeteiligte Dritte.“

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Die Gefahr beim Driften ist, dass das Fahrzeug unkontrollierbar ausbricht, wie der Experte erläutert. „Dann ist alles möglich: Das Auto kann sich überschlagen, in den Graben rutschen oder in den Gegenverkehr geraten.“ Genau Zahlen zu Zwischenfällen oder Crashs gibt es demnach nicht, da der Begriff in der Statistik nicht eigens aufgeführt wird. Fest stehe aber: „Es gibt die Vorfälle, und die Zahlen steigen, was wir bei Kontrollen feststellen.“

In den vergangenen Monaten fielen allein in Hessen mehrfach Drifter auf: Anfang Januar etwa nutzten Unbekannte die schneebedeckte Start- und Landebahn des Segelflugplatzes in Gedern im Wetteraukreis für ihre Fahrmanöver - das Gelände wurde durch tiefe Spurrillen verwüstet. Wenige Tage zuvor hatte die Polizei auf dem Plateau am Hohen Meißner ein Treffen von Autodriftern mit 40 Wagen aufgelöst. Im vergangenen Sommer knallte ein 18-Jähriger auf einem Schulhof in Gießen beim nächtlichen Üben mit seinem Wagen gegen eine Sitzbank.

Im benachbarten Thüringen gab es anders als in Hessen bereits einen tödlichen Unfall: Vor wenigen Wochen starb ein vierjähriges Mädchen in Gera, während es mit seinen Eltern einen Rodelausflug gemacht hatte. Nach damaligen Polizeiangaben wurde das Kind eingeklemmt, als ein Mann beim Driften auf der Schneefläche die Kontrolle über seinen Wagen verlor und gegen einen Transporter prallte.

„Winterliche Fahrbahnen verleiten dazu, das Driften auszuprobieren“, sagt ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino. Im realen Straßenverkehr sei bewusst herbeigeführtes Driften aber fahrlässig und gefährlich. „Man sollte nicht darauf vertrauen, Gefahren beherrschen zu können, sondern sollte sie grundsätzlich vermeiden.“

Von „Leichtsinn“ spricht denn auch Polizei-Experte Mosbacher - und mitunter von „Auswüchsen“ der PS-begeisterten Szene. Nicht jeder, der an seinem Auto bastele und es tune, sei ein Drifter, betont er. „Aber Drifter kommen oftmals aus der Tuning-Szene“. Längst seien nicht nur junge Leute dabei. „Nach unseren Erkenntnissen ist auch das gesetztere Alter von 30, 40 vertreten. Und es sind meistens Männer.“

Wer im öffentlichen Straßenraum absichtlich driftet, für den kann es je nach Verkehrsregelverstoß und Ausgang des Manövers unterschiedliche Folgen haben. Bußgelder sind möglich, der Verlust des Führerscheins oder Geld- bis hin zu Haftstrafen, wenn Straftatbestände erfüllt sind.

„Die Straße ist kein rechtsfreier Raum“

Die Polizei setzt zum einen auf Kontrollen. „Wir versuchen über den Kontrolldruck und die dann von uns zur Anzeige gebrachten Delikte das Signal zu geben: Lasst die Finger davon, es wird verfolgt. Die Straße ist kein rechtsfreier Raum.“ Zudem anderen wolle man sensibilisieren, auf die Gefahren aufmerksam machen und auch deutlich machen: Wenn schon driften, dann auf Rennstrecken oder ausgewiesenen Arealen.

Ein solches Gelände - einen Verkehrsübungsplatz - hat die nordhessische Stadt Bad Arolsen im vergangenen Herbst zur Verfügung gestellt. Das Angebot richte sich ausschließlich an die lokale Drifter-Szene, betont Bürgermeister Jürgen van der Horst (parteilos). Gleichzeitig gebe es mehr Kontrollen in der Innenstadt. Zuvor hatte es dem Politiker zufolge unter anderem Probleme gegeben, weil ein Parkplatz im Stadtzentrum von jungen Leuten mit übermotorisierten Autos für Fahrübungen genutzt worden war. Das sei ein Lärmproblem gewesen. Die Lösung: „Wir wollten nicht nur mit Verboten arbeiten, sondern auch mit Angeboten.“ Das Angebot sei angenommen worden, pausiere derzeit aber wegen der Corona-Lage und des Wetters, sagt van der Horst.

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„Driften hat im öffentlichen Straßenraum nichts zu suchen“, heißt es vom Deutschen Motor Sport Bund. Das gezielte Überwinden des Rollwiderstandes der Reifen führt zu Fahrzuständen, die für die meisten Autofahrer jenseits der Beherrschbarkeit liegen, wie Präsidiumsmitglied Hans-Gerd Ennser sagt. „Wir können als Motorsportler nur eindringlich warnen: Unkontrolliertes Herumschleudern mit ausbrechendem Heck hat nichts mit Fahrzeugbeherrschung zu tun, sondern ist im Straßenverkehr gefährlicher Unfug.“

Nicht umsonst sei Driften als eigenständiger Wettbewerb im Motorsport definiert, der auf ausgewiesenen und geeigneten Arealen wie Rennstrecken oder Fahrsicherheitsanlagen durchgeführt werde. „Wer sich also im Auto einmal der ganzen Faszination der Fahrphysik nähern möchte, ist etwa bei einem entsprechenden Kursangebot genau richtig aufgehoben.“

RND/dpa

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