Vorwurf der Volksverhetzung

Dragqueen-Lesung für Kinder: Münchener Pfarrer geht gegen AfD-Protestplakate vor

Wolfgang Rothe, katholischer Priester (r), nimmt 2022 an der Parade anlässlich des Christopher Street Day (CSD) in München teil.

Wolfgang Rothe, katholischer Priester (r), nimmt 2022 an der Parade anlässlich des Christopher Street Day (CSD) in München teil.

Die Stadtbibliothek Bogenhausen in München plant am Dienstag eine Lesung unter dem Titel „Wir lesen euch die Welt, wie sie euch gefällt“. Die Dragqueens Vicky Voyage und King Eric BigClit sowie die 13-jährige Jungautorin Julana Gleisenberg sollen die Veranstaltung für die ganze Familie gestalten. Sie richtet sich auch an Kinder ab vier Jahren.

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Die AfD ruft als Reaktion zu einer Protestkundgebung unmittelbar vor der Lesung auf – mit Plakaten, gegen die inzwischen Strafanzeige gestellt worden sei, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet. Auf den AfD-Tafeln ist ein geschminkter Mann im Hintergrund zu sehen, der nach einem im Vordergrund sitzenden Jungen greift. Unter dem Bild steht „Hände weg von unseren Kindern! – Genderpropaganda verbieten!“.

Mit diesem Plakat ruft die AfD zur Protestkundgebung gegen die Lesung auf. Ein Münchener Pfarrer hat dagegen Anzeige erstattet.

Mit diesem Plakat ruft die AfD zur Protestkundgebung gegen die Lesung auf. Ein Münchener Pfarrer hat dagegen Anzeige erstattet.

Für einen katholischen Pfarrer in München erfülle das Plakat klar den Straftatbestand der Volksverhetzung. Der Geistliche habe deshalb Anzeige erstattet, so die SZ. Seiner Meinung nach versuche die AfD, die „Grenzen des Sagbaren und Darstellbaren hinauszuschieben“. Dagegen wolle er mit allen Mitteln vorgehen, so Pfarrer Wolfgang Rothe. Genereller Kritik an der Veranstaltung wolle er jedoch laut SZ nicht entgegentreten.

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Auch der CSD München (Christopher Street Day) verurteilte die Plakate aufs Schärfste: „Schockiert, entsetzt und fassungslos“ habe man diese Wahrgenommen, erklärt die Organisation in einer Mitteilung auf ihrer Website.

„Bildsprache und Polemik des Plakats erinnern stark an die Propaganda der 30er Jahre. So etwas dürfen wir nie wieder zulassen“, erklärt Sprecher Tobias Oliveira Weismantel für die Organisation in dem Statement. Im gleichen Zug ruft CSD München dazu auf, sich der Demonstration von „München ist bunt“ anzuschließen, die ebenfalls am Dienstag vor der Lesung an der Münchener Stadtbibliothek stattfindet. Vor der Bibliothek treffen also AfD-Anhänger und Verfechter der Dragqueen-Lesung aufeinander. Laut SZ bereite sich die Polizei darauf vor.

Lesung löst heftige Debatten aus

Die Ankündigung der Lesung hat in den vergangenen Wochen für ausgiebige Diskussionen zwischen Gegnern und Befürwortern gesorgt. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger forderte ein Stopp der Veranstaltung. „Das ist Kindeswohlgefährdung und ein Fall fürs Jugendamt, keine Weltoffenheit wie es die Grünen verharmlosen“, sagte der bayerische Wirtschaftsminister.

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Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte sich kritisch geäußert und erklärt, er würde mit seinen Enkeln nicht hingehen. Der Rathauschef sagte aber auch: „Die Teilnahme an der Veranstaltung ist freiwillig und Eltern können selbst entscheiden, ob sie mit ihren Kindern hingehen möchten oder nicht.“ Er habe auch kein Problem mit Dragqueens, so der OB. Er stehe „auch weiterhin stabil an der Seite der gesamten queeren Szene“.

Zur Veranstaltung konnte man sich bis Ende Mai anmelden. Die Veranstaltung sei laut Stadtbibliothek schnell ausgebucht gewesen, berichtet die „SZ“. Sie findet unter Ausschluss der Presse statt.

RND/lin/dpa

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