Dortmunder Ordnungsamt verteilt Hunderte Knöllchen an Obdachlose

Finanzielle Strafen für Obdachlose: Die Stadt Dortmund sorgt mit ihrem Konzept gegen Wohnungslose für Aufsehen. Wer unter freiem Nachthimmel übernachtet, wird zur Kasse gebeten. Ohne Ausnahme.

Anzeige
Anzeige

Hannover. Die Stadt Dortmund bittet Obdachlose zur Kasse: Wer in Dortmund im Freien übernachtet, muss mit einer Verwarnung durch das Ordnungsamt rechnen. In der Amtssprache heißt das „Lagern und Campieren“ und wird mit 20 Euro bestraft.

Laut "WDR" kam es allein in diesem Jahr zu 464 Maßnahmen gegen Obdachlose. Davon wurde 265 Mal ein Verwarngeld eingefordert, also ein Knöllchen ausgestellt. Kann der Verwarnte nicht zahlen, wird ein Bußgeld in Höhe von 48 Euro erhoben. Kann auch das nicht bezahlt werden, droht Ersatzhaft.

Scharfe Kritik am Vorgehen der Stadt kommt vom Dortmunder Straßenmagazin "Bodo". "Wir haben es hier mit sehr drakonischen Strafen zu tun, die große Angst unter den Betroffenen auslöst", sagt ein "Bodo"-Sprecher auf Nachfrage der "WAZ". Wohnungslose können nicht verstehen, warum sie aufgrund ihrer Situation bestraft, so das Magazin weiter.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Stadt Dortmund verteidigt Vorgehen

Ordnungsamtchefin, Beate Siekmann, stellt klar, dass ihre Mitarbeiter keinerlei Jagd auf Obdachlose machen. Die Stadt handle auf Beschwerden der Anwohner. Besonders rund um das Dortmunder U, auch U-Turm genannt, hätte sich die Situation in den letzten Monaten verschärft.

Laut dem Straßenmagazin „Bodo“ leben in Dortmund rund 400-500 Menschen auf der Straße – die Dunkelziffer soll höher sein. Demgegenüber stehen 266 Schlafplätze für Wohnungslose. Davon seien allerdings nur 122 richtige Notschlafstellen.

Siekmanm sagt dem „WDR“, dass Obdachlose zunächst einen Platzverweis bekommen. Treffe man sie erneut an, wird ein Knöllchen fällig.

Von RND/ka

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen