Doppelmord an Kindern: Familienvater schweigt vor Gericht

  • Ein Besuch bei ihrem Vater endet tödlich für zwei Trennungskinder - auch deren Mutter habe er versucht, zu töten.
  • Der Verteidiger des Mannes erklärt, sein Mandant befinde sich "in einem ausgesprochen krisenhaften psychischen Zustand".
  • Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass der Vater entschlossen war, seine Familie zu töten.
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Leo und Maja, fünfeinhalb und zweieinhalb Jahre alt, hatten laut Anklage keine Chance. Ihr Vater habe sie "aus niederen Beweggründen, heimtückisch und grausam getötet", sagte Staatsanwalt Till von Borries zum Auftakt des Prozesses gegen einen 55-Jährigen am Dienstag im Landgericht Dresden. Der Franzose ist wegen Mordes in zwei Fällen, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt, zudem wegen Drogenschmuggels und Beihilfe zum Drogenhandel aus einem anderen Verfahren. Der gelernte Koch äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht zu den Vorwürfen.

"Er wollte an ihr Rache nehmen"

In Erwartung einer hohen Freiheitsstrafe habe der 55-Jährige beschlossen, seine Familie zu töten, aus verletzter Eitelkeit und Besitzanspruch, sagte Borries. Er habe die Trennung von seiner Frau nicht verwinden können, die ihm aus seiner Sicht Sohn und Tochter entzogen habe. "Er wollte an ihr Rache nehmen." Die Kinder waren am 9. Mai 2019 im Zuge der Umgangsregelung beim Vater im Dresdner Szeneviertel Neustadt zu Besuch.

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"Zwischen 18.15 Uhr und 18.55 Uhr erwürgte er sie nacheinander oder abwechselnd mit den Händen", möglicherweise auch mit Textilien wie Decke oder Kleidung sowie unbekanntem Werkzeug wie einer Kette oder Kordel, sagte Borries. "Damit sie sterben, sprühte er den Bewusstlosen schnell härtenden Bauschaum in die Mundhöhle." Leo und Maja hätten keine Möglichkeit gehabt, sich zu wehren, um Hilfe zu schreien oder zu fliehen.

"Heute wirst du sterben"

Laut Anklage hat der Mann die leblosen Kinder dann im Schlafzimmer im Bett zugedeckt, den Raum abgedunkelt und auf deren Mutter gewartet. Er lockte die Senegalesin ins Haus und schlug ihr mit einem Gegenstand auf den Hinterkopf, sagte Borries. Als sie flüchten wollte, traktierte er sie mit den Fäusten und würgte sie bis zur Bewusstlosigkeit. "Dabei sagte er mehrmals: "Heute wirst Du sterben"." Erst als Passanten eingreifen wollten, ließ er von der 26-Jährigen ab.

"Die Geschädigte hatte Todesangst, Schwellungen am Schädel und lebensbedrohliche Atemnot", sagte Borries. Anwohner hatten die Polizei alarmiert, für Maja aber kam jede Hilfe zu spät und der lebensgefährlich verletzte Leo starb in der Nacht. Die Mutter der Kinder kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Der geflüchtete Mann wurde in der Nähe festgenommen und ist seitdem in Untersuchungshaft. Nach einer Fahrt als Drogenkurier mit einem Kilogramm Crystal Meth im Auto Anfang 2019 war er nur unter Auflagen auf freiem Fuß.

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"Ausgesprochen krisenhafte psychischer Zustand des Mandanten"

Sein Mandant war "in einem ausgesprochen krisenhaften psychischen Zustand", erklärte Verteidiger Andreas Boine in einem Antrag auf Ablehnung des vom Gericht bestellten Gutachters wegen Voreingenommenheit. Mitte 2018 sei dem Beschuldigten eine psychiatrische Erkrankung attestiert und er wiederholt psychologisch behandelt worden, auch mit Antidepressiva. Ihm hätten vor allem die familiengerichtlichen Verhandlungen zugesetzt. Der Angeklagte, der mit Kapuze vermummt im Saal erschien, machte weder dazu noch zur Person Angaben.

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RND/dpa

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