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Dienstunfähiger Polizist heuert auf Aida-Kreuzfahrtschiff an und kassiert doppelt Gehalt

  • Ein Polizist aus Ostholstein schipperte jahrelang als Security Officer auf Aida-Schiffen durch die Welt.
  • Dabei galt der Beamte zu dieser Zeit als dienstunfähig und kassierte seine Besoldung weiter.
  • Jetzt stand er vor Gericht.
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Eutin. Ein dienstunfähig geschriebener Polizist hat über Jahre regelmäßig als Security Officer auf Aida-Kreuzfahrtschiffen gearbeitet und dafür 4250 Euro pro Monat kassiert. Weil er seinem eigentlichen Arbeitgeber, dem Land Schleswig-Holstein, nichts davon erzählt hatte, wurde der 42-Jährige wegen Betrugs ins sechs Fällen zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt, berichten die „Lüneburger Nachrichten“ (LN).

Im Jahr 2013 war der Angeklagte bei einem Zwischenfall im Dienst an der Schulter verletzt worden, ließ sich daraufhin krankschreiben und trat seinen Dienst auch nie mehr an – er sei dem Polizeialltag nicht mehr gewachsen, so der 42-Jährige. Ob er wirklich dienstfähig war oder nicht, das wurde vor Gericht nicht geklärt, diverse Arztbriefe sprechen aber dagegen. Unstrittig ist, dass der Mann in den Jahren, in denen er nicht als Polizist tätig war, knapp 125.000 Euro vom Land bezog.

Bereits Mitte 2013 bewarb sich der Angeklagte bei Aida Cruises. Das erste Jahr auf dem Kreuzfahrtschiff fiel in seine Elternzeit, angeklagt waren deshalb erst die Taten in den folgenden Jahren. Insgesamt war der Polizeibeamte 2015 und 2016 sechsmal auf den Schiffen im Einsatz. In diesen Zeiträumen kassierte er parallel vom Land Besoldung, die ihm nicht zustanden. Die Arbeit an Bord sei laut dem Ostholsteiner zudem „ein bisschen wie Urlaub machen“ gewesen.

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„Kurzum: Sie haben das Land beschissen“

Seinem Arbeitgeber erzählte er zwar grundsätzlich von einem Nebenjob, rückte dabei aber weit von der Wahrheit ab. In dem Schreiben sei die Rede davon, dass er Sicherheitskonzepte für verschiedene Reedereien erstellen wolle, höchstens acht Stunden die Woche für 450 Euro im Monat, berichten die „LN“. „Das war so nicht wahrheitsgemäß“, sagte die Richterin. „Kurzum: Sie haben das Land beschissen.“

Nach einigen Erklärungsversuchen räumte der Angeklagte ein, dass er die Nebentätigkeit nicht ordnungsgemäß angegeben hatte. Das Geständnis hielt die Richterin ihm ebenso wie die lange Verfahrensdauer zugute. Das Schöffengericht verurteilt den Ostholsteiner zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Die zu Unrecht erhaltenen 7835,40 Euro werden eingezogen. Außerdem muss der Mann 1000 Euro an die AWO zahlen.

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Aus dem Polizeidienst ist der Angeklagte inzwischen ausgeschieden, er hat im Sommer 2019 gekündigt.

RND/seb

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