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Die Bordelle sind im Lockdown – doch so geht die Prostitution trotzdem weiter

  • Seit nunmehr einem Jahr haben diverse Corona-Schutzverordnungen den Rotlichtbetrieben in Frankfurt einen Riegel vorgeschoben.
  • Prostitution gibt es trotzdem – auf dem Straßenstrich. Die Situation ist für die Frauen nun gefährlicher.
  • Sie hoffen auf die Öffnung der Häuser.
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Frankfurt/Main. Es ist noch nicht lange dunkel, doch auf der Kaiserstraße nahe des Frankfurter Hauptbahnhofs stehen sie schon und warten. Junge Frauen, meist in engen Leggings und hohen Stiefeln, kurzen Jacken und abschätzenden Blicken, die vor Drogeriemärkten, geschlossenen Pornokinos oder Restaurants, die nur noch zum Mitnehmen verkaufen, auf Kundschaft warten. Als vor nunmehr einem Jahr der erste Lockdown vieles in Deutschland zum Stillstand brachte, sind auch die Bordelle und andere Rotlichtbetriebe geschlossen worden. Viele Betroffene, die im vergangenen Jahr noch auf eine Öffnung im Herbst gehofft hatten, befinden sich mittlerweile in einer zunehmend prekären Lage, berichten Beratungsstellen. Käuflichen Sex gibt es dennoch – nur hat er sich auf den neu entstandenen Straßenstrich verlagert.

Eigentlich ist die Prostitution auf den Straßen des Bahnhofsviertels gleich doppelt verboten – einmal wegen der Corona-Verordnung, zum anderen, weil es im Bahnhofsviertel zwar viele einschlägige Häuser gibt, auf der Straße aber kein Kontakt angebahnt werden darf – hier gilt die Sperrgebietsverordnung. Nur wenige Frauen gehen deshalb aktiv auf mögliche Freier zu oder sprechen vorbeigehende Männer direkt an. Trotzdem ist die Lage offensichtlich.

Männer warten neben den Frauen, aber keine spricht von Zuhältern

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Auch Mara Dörrer, angehende Sozialarbeiterin und Mitarbeiterin der Frauenrechtsorganisation FIM, ist an diesem Abend wie auch sonst zweimal wöchentlich bei den Frauen des Straßenstrichs, stellt Beratungsangebote vor und wechselt ein paar Worte mit ihnen, um etwas über ihre aktuelle Lage zu erfahren. „Viele berichten, dass der Druck groß ist“, sagt sie. Da seien der finanzielle Druck, die Sorge, in eine Polizeikontrolle zu geraten, aber auch der psychische Druck, auch aus den Herkunftsländern. Dort unterstützen viele der Frauen ihre Familien. Die meisten der Frauen, mit denen Dörrer zu tun hat, stammen aus Rumänien oder Bulgarien.

Fast neben jedem der kleinen Grüppchen oder jeder einzeln an eine Wand gelehnten Frau stehen Männer, die mit dem Handy spielen und die Lage checken. Unterhalten sich die Frauen ihrer Meinung nach zu lange mit der Sozialarbeiterin, geht ihnen das sichtlich gegen den Strich. „Es stört die Männer, wenn die Frauen mit uns reden, statt zu arbeiten“, sagt Dörrer. Zeit, die die Frauen nicht mit der Suche nach Freiern verbringen, ist Geld, das nicht den Weg zu ihnen findet. „Keine der Frauen spricht von Zuhältern“, so Dörrer. „Die sagen, das ist mein Freund, mein Bekannter oder so.“

Zuhälter sollen „Kooperationen“ mit Hotels vor Ort haben

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Einige Straßenzüge weiter wirkt die Umgebung der Prostituierten noch desolater. „Öffnet die Bordelle!“ steht in großen Lettern auf einem Transparent, das an der Fassade eines Laufhauses steht. Einige Ecken weiter stehen zwei junge Bulgarinnen, eine nippt an einem Energiedrink, neben der anderen liegt eine leere Chipstüte. In Sichtweite wird gedealt, Süchtige torkeln über die Straße. Eine Frau hat dennoch einen Kunden gefunden und verschwindet mit ihm in einem der Hotels, die eigentlich nur noch für berufsbedingt Reisende öffnen dürfen.

Teilweise seien durchaus Strukturen entstanden, die für die Frauen von Vorteil sind, sagt Encarni Ramirez, die stellvertretende Geschäftsführerin von FIM. „In den Laufhäusern mussten die Frauen eine Tagesmiete von etwa 150 Euro zahlen, jetzt haben sie ‚Kooperationen‘ mit Hotels vor Ort. Nach dem, was wir mitkriegen, zahlen Freier wohl die Hotelkosten mit, so dass Frauen im Vergleich zu früher bis zu 150 Euro am Tag einsparen.“ Es gebe Frauen, die ganz gut verdienen und andere, die sehr wenig bis gar nichts verdienen.

Mehr Prostituierte sollen schwanger geworden sein

Gleichzeitig gebe es mehr Fälle von Frauen, die schwanger geworden seien, sagt Ramirez. „Dies deutet darauf hin, dass mehr Druck auf die Frauen ausgeübt wird und die Arbeitsbedingungen insbesondere in Bezug auf die Art der sexuellen Dienstleistungen in Zeiten der Corona-Pandemie besonders prekär sind und die Frauen auf ihre Selbstbestimmung bei der Arbeit verzichten.“ Auch gebe es mehr Berichte über sexuell übertragbare Infektionen – ebenfalls ein Hinweis, dass die Frauen öfter ohne Kondom arbeiten als früher.

Petra Weigand von der Beratungsstelle „Tamara“ spricht von Klagen, dass auch Gewalt und Übergriffe zugenommen haben. „Ich finde es wichtig, darüber nachzudenken, wie die Häuser geöffnet werden können. Es ist immer ein gefährliches Arbeiten auf der Straße, mit oder ohne Corona“, sagt sie.

„Ich kriege ALG 2, aber es reicht einfach nicht“

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Darauf hofft auch eine südamerikanische Prostituierte, die anonym bleiben will und vor wenigen Tagen mit Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle „Dona Carmen“ lautstark für die Öffnung der Bordelle demonstriert hat. „Ich kriege ALG 2 (Arbeitslosengeld II), aber es reicht einfach nicht. Ich kann mir gerade meine Miete und ein bisschen Essen leisten, sonst nichts, nada“, schimpft sie. „Ich brauche endlich wieder Arbeit.“

„Die Lobby für die Frauen in dem Bereich ist nicht sehr groß“, befürchtet allerdings Weigand. Viele Bordellbetreiber hätten Hygienekonzepte entwickelt. „Aber die Behörden haben sich eher nicht die Mühe gemacht, sich damit auseinander zu setzen. Ich sehe noch kein Licht am Ende des Tunnels.“

RND/dpa

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