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Die Blumensaison beginnt – mit Corona-Einbußen und Lieferschwierigkeiten

  • Nach wochenlangem Corona-Lockdown wagen auch die Gärtnereien, Gartencenter und der Blumenfacheinzelhandel einen Neustart.
  • Doch die Krise hat Spuren hinterlassen.
  • Neben wirtschaftlichen Einbußen und Lieferschwierigkeiten steht aktuell das Vernichten von Blumen und Pflanzen teilweise auf der Tagesordnung.
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Hannover. Die Vorbereitungen auf die diesjährige Blumensaison laufen nach wochenlangem Corona-Lockdown auf Hochtouren. Denn am 1. März, zeitgleich mit den Friseuren, öffnen in vielen Bundesländern, zum Beispiel in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Bayern, die Gartencenter und Gärtnereien – nicht überall in Deutschland hatten die Betreiber das Glück, vor diesem Termin schon öffnen zu können.

Ein Ungleichgewicht, das Konfliktpotenzial birgt. So erklärte etwa der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf (CDU), es wäre nicht verhältnismäßig, wenn die Gärtnereien in dem Bundesland „seit Monaten Hunderttausende gehegte Blumen und Pflanzen“ vernichteten, während sie in anderen Ländern geöffnet seien.

In weiten Teilen Deutschlands wurden Blumen im Lockdown vernichtet

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Es sind nur wenige Handgriffe, die die Arbeit von Monaten zunichtemachen: Anpacken, Austopfen und ein Wurf auf den Abfallhaufen. In weiten Teilen Deutschlands mussten die Gartencenter und Gärtnereien ihre Ware aufgeben. „Zum einen sind das Lebewesen, um die es da geht“, sagt Lars Dehne, Inhaber eines Gartenbaubetriebs im ostfriesischen Wiesmoor. „Zum anderen wird da einfach Geld weggeschmissen.“ Rund 10.000 verkaufsfertige Pflanzen habe sein Betrieb allein im Januar entsorgen müssen, der Umsatzrückgang liege für das auf Topfpflanzen spezialisierte Unternehmen bei 90 Prozent.

Der Wirtschaftsverband Gartenbau Norddeutschland (WVG-Nord) sieht die Lage ähnlich, beziffert den Ertragsausfall mit 100.000 bis 300.000 Euro pro Betrieb allerdings nicht ganz so hoch. In durchschnittlichen Produktionsbetrieben betrage das Anbauvolumen der Frühjahreskulturen zwischen 6000 und 12.000 Quadratmeter und mache in normalen Jahren etwa 30 Prozent des jährlichen Gewinns aus. Und eigentlich seien die Anbauer gerade auf diesen Gewinn angewiesen, da diese Einnahmen die Produktion für die Hauptsaison finanzieren, teilt der Verband mit.

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Blumen verblühen, Platz fehlt: Blumen-Händler stehen vor Herausforderungen

„Das war im letzten Frühjahr der Fall und auch jetzt, von Ende Dezember bis Ende Februar“, sagt Andrea Kirchhoff vom Verband des Deutschen Blumen-Groß-Importhandels (BGI) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die Gärtnereien können die Pflanzen nicht stehen lassen und später verkaufen, zum einen, weil sie verblühen, und zum anderen, weil auf den Flächen, auf denen beispielsweise Weihnachtssterne und Frühlingsblüher stehen, Platz für die Sommerbeetware geschaffen werden muss.“

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Um nicht vor dieser Herausforderung stehen zu müssen, hat manch ein Großhändler den Betrieb im Corona-Lockdown runtergefahren. Das vermeidet zwar das Vernichten der Ware, bedeutet aber auch weniger Verkauf. „Wir haben in der Theorie kaum Pflanzen tatsächlich vernichtet, in der Praxis aber bis zu 70 Prozent weniger produziert“, sagt Jack Reijnders, Geschäftsführer des Jan Reijnders Blumengroßhandels in Bad Bentheim dem RND.

Bundesländer geben mit Lockerungen Anlass zur Hoffnung

Immerhin: Für die Pflanzen, die jetzt verkaufsfertig in den Gartencentern und Gärtnereien bereitstehen, gibt es dem Fachverband Deutscher Floristen (FDF) nach noch Hoffnung, wenn auch die Bundesländer, die eine Öffnung zum 1. März planen – also Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt –, die Lockerungen durchsetzen. In Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen gab es entsprechende Änderungen der Beschränkungen bereits vor Valentinstag.

„Da die Situation in der grünen Branche derzeit dynamisch ist, scheint es so, als ob die Vielzahl der Frühjahrsblüher jetzt doch den Weg über den Fachhandel hin zu den Blumenenthusiasten und Pflanzenfreunden finden“, sagt Sprecherin Nicola Fink dem RND.

Sind Lieferungen von Pflanzen aus dem Ausland 2021 eingeschränkt?

Nach monatelangen wirtschaftlichen Einbußen erschwert die Corona-Pandemie nun auch den Neustart der Branche. Wegen eingeschränkter Frachtkapazitäten, also weniger Flugverkehr und hohen Kosten von vorhandenem Frachtraum, sei die Lieferung „exotischer“ Produkte aus Übersee eingeschränkt, sagt Kirchhoff. „Das Angebot, zum Beispiel von Rosen aus Kenia und Lateinamerika, ist geringer und teurer geworden.“ Darüber hinaus habe das gravierende sozioökonomische Folgen in den Produktionsländern.

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Zudem – und daran ist nicht die Corona-Krise schuld – verzögere sich die Lieferung der frühlingsblühenden Schnittblumen wie Tulpen und Narzissen. Grund sei der Kälteeinbruch im Januar und Februar. „Die Liefermengen insgesamt sind aber nicht eingeschränkt“, so die BGI-Sprecherin.

Corona-Lockdown lässt Onlinehandel aufblühen

Auf Blumen verzichtet haben die Menschen hierzulande wegen des Lockdowns offenbar nicht: Der Onlinehandel, auch per Click-and-Collect, hat den Experten nach zugenommen. „Das war zuletzt am Valentinstag im Bereich der Schnittblumen-Geschenksträuße zu verzeichnen“, so Kirchhoff.

Dass die Floristen im Land der Nachfrage auch online nachkommen, zeigt, dass sie sich den aktuellen Bedingungen anpassen. „In der Tat haben viele ihre Webshops in der Krise intensiv ausgebaut und bieten ihre blumigen Kreationen auch online an“, bestätigt Fink. Zudem gebe es bei Fleurop die Möglichkeit, bundesweit blumige Grüße zu bestellen und zu versenden. Auch dieses Angebot erfreue sich im Lockdown großer Beliebtheit. Trotzdem spricht sich die FDF-Sprecherin für einen Kauf im Gartencenter, der Gärtnerei oder beim Floristen aus: „Schließlich erlebt man die Natur am besten mit allen Sinnen.“

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Dem stimmt auch Kirchhoff zu. Trotzdem hält sie es für denkbar, dass der Onlinehandel vorerst zunimmt. Grund dafür seien positive Bestellerfahrungen während der Pandemie.

Fachhandel befürchtet Wettbewerbsverzerrung durch die Corona-Pandemie

In Bundesländern, in denen Gartencenter, Fachmärkte und der Blumenfacheinzelhandel geschlossen haben, gibt es aktuell nur wenig Möglichkeiten, an Pflanzen und Blumen zu kommen. Auch die Wochenmärkte sind vielerorts verboten. Neben dem Online-Shopping bietet sich jedoch die Möglichkeit, den Lebensmittelhändler des Vertrauens aufzusuchen. Denn wer vor der Pandemie bereits Blumen im Sortiment hatte, darf sie auch im Lockdown verkaufen. „Der Fachhandel befürchtet, dass sich durch diese Wettbewerbsverzerrung das Einkaufsverhalten auch langfristig verändern könnte“, sagt Kirchhoff. Der BGI befürchtet durch die Krise sogar eine „Umwälzung der Handelsstrukturen, die den mittelständischen Unternehmen enorm schadet“.

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