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Die Angst vor der Dürre: US-Landwirten droht massive Wasserknappheit

  • Im Klamath-Becken in den US-Staaten Oregon und Kalifornien bahnt sich eine bedrohliche Dürre an.
  • Riesige Flächen Ackerland sowie Stammes- und Naturreservate könnten demnächst auf dem Trockenen sitzen.
  • Die Wasserversorgung aus einem wichtigen Stausee wurde erstmals in seiner Geschichte gestoppt.
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Portland. Entlang der Grenze zwischen den US-Staaten Oregon und Kalifornien droht massive Wasserknappheit: In dieser Woche stoppte die US-Wasserwirtschaftsbehörde die Versorgung von Farmern und Viehzüchtern aus einem wichtigen Stausee. Auch für die Lachspopulation flussabwärts und die Naturreservate, die jedes Jahr Millionen Zugvögel beherbergen, soll kein Wasser mehr fließen.

Hier im Klamath-Becken begann die US-Regierung vor mehr als 100 Jahren, ein Netz von flachen Seen und Sümpfen trockenzulegen, natürliche Flussläufe umzuleiten und Hunderte Meilen Be- und Entwässerungskanäle zu bauen, um im Rahmen des Klamath Reclamation Projects Ackerland zu schaffen. In Dürreperioden konkurrieren die Landwirte nun mit gefährdeten Arten und indigenen Stämmen um das Wasser.

Die Wasserversorgung aus dem Iron Gate Stausee wurde gestoppt. © Quelle: AP Photo/Gillian Flaccus
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In der schlimmsten Wasserkrise seit Generationen betonte die Wasserwirtschaftsbehörde, in dieser Anbausaison werde kein Wasser in den Hauptkanal des riesigen Klamath Reclamation Projects geleitet, der den Großteil des Bewässerungssystems speist – ein Novum in der 114-jährigen Geschichte. Im April hatte die Behörde bereits eine drastische Verringerung der Wassermengen angekündigt – nun hat die zunehmende Dürre zur Folge, dass das Wasser komplett abgestellt wird.

Nach Berichten von Bundesbehörden herrscht in der gesamten Region extreme oder außergewöhnliche Dürre, und Klamath County in Oregon erlebt sein trockenstes Jahr seit 1894. „Die diesjährige Trockenheit bringt beispiellose Probleme für die Gemeinden im Klamath-Becken“, sagt Camille Calimlim vom Klamath Reclamation Project. Die Entscheidung sei „von historischer Tragweite“. Nun arbeite man mit Wassernutzern, indigenen Stämmen und anderen Partnern zusammen, „um dieses schwierige Jahr zu überstehen und langfristige Lösungen für das Becken zu entwickeln“.

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Präsident des Klamath Irrigation District: „Schlimmer kann es nicht kommen“

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Der Kanal leitet Wasser des Klamath River vom Upper Klamath Lake nördlich der Grenze zwischen Oregon und Kalifornien zu den gut 52.000 Hektar Ackerland, wo seit Generationen Heu, Alfalfa und Kartoffeln angebaut und Vieh gezüchtet wird.

Nur ein einziger Bewässerungsbezirk innerhalb des 80.940 Hektar großen Projekts werde in dieser Vegetationsperiode Wasser aus dem Klamath River-System erhalten, und auch das nur sehr begrenzt, teilte der Verband der Wassernutzer, Klamath Water Users Association, mit. Auch Landwirte, die auf Wasser von einem anderen Fluss angewiesen sind, würden nur eingeschränkt versorgt. „Schlimmer kann es nicht kommen“, klagt Ty Kliewer, Präsident des Klamath Irrigation District. „Die Auswirkungen auf unsere landwirtschaftlichen Familienbetriebe und diese ländlichen Gemeinden werden enorm sein.“

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Zudem teilte die Behörde mit, sie werde dieses Jahr auch keine sogenannten Spülströme aus dem Stausee am Upper Klamath Lake freigeben, um den Wasserpegel flussabwärts im unteren Klamath River zu erhöhen. Der Fluss gilt als Lebensraum der Silberlachse, die auf der Liste der gefährdeten Arten stehen. In Jahren mit höherem Wasserstand sorgen die Wassereinleitungen für eine gute Durchmischung und kühle Wassertemperaturen im Klamath River, was den empfindlichen Silberlachsen zu Gute kommt. Die Lachse sind zentraler Bestandteil der Ernährung und Kultur der Yurok, des größten staatlich anerkannten Stamms in Kalifornien.

Fischsterben im Klamath River

Die Yurok machen für das Verenden von Junglachsen durch eine bakterielle Krankheit neben der Dürre früheres Missmanagement des Flusses durch die Bundesbehörde verantwortlich. Fischereiexperten der Yurok fanden 70 Prozent der Junglachse im unteren Klamath River bereits tot in den Reusen und 97 Prozent mit Bakterienbefall.„Im Moment ist der Klamath River im Yurok-Reservat voll von toten und verendenden Fischen“, sagt ein Vertreter des Stammes, Frankie Myers. „Diese Krankheit wird die meisten Baby-Lachse im Klamath töten, was den Fischbestand für viele Jahre beeinträchtigen wird. Für Lachs-Leute ist ein Sterben der Jungfische das absolut schlimmste Szenario.“

Viele Fische verenden durch die Wasserknappheit. © Quelle: AP Photo/Joe Cavaretta

Auch die Wassernutzer reagierten entsetzt auf die Nachricht, dass kein Wasser in den Kanal geleitet werden solle. „Der schlimmste Tag in der Geschichte des Klamath-Projektes“ überschrieb der Newsletter des Verbandes die Hiobsbotschaft. Einige Farmer berichteten bereits von Staubstürmen mit Sichtbehinderung von rund 90 Metern, viele befürchten ein Versiegen ihrer Brunnen.

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Die demokratischen Gouverneure Kate Brown aus Oregon und Gavin Newsom aus Kalifornien riefen für das Gebiet den Notstand aus, und die Wasserwirtschaftsbehörde stellte 15 Millionen Dollar (12,3 Millionen Euro) Soforthilfen für die Landwirte bereit. Weitere zehn Millionen Dollar will das US-Landwirtschaftsministerium zur Verfügung stellen.

Bereits 2001 wurde den Landwirten während einer schweren Dürre fast der Wasserhahn zugedreht – es war das erste Mal, dass die Interessen der Farmer hinter denen der Umweltschützer und Indigenen zurückstehen mussten. Die Krise machte die ländliche Region zu einem politischen Brennpunkt und die Republikaner nahmen dies zum Anlass, das Gesetz zum Schutz bedrohter Tierarten anzufechten. Bei einer Protestaktion schöpften damals 15.000 Menschen Wasser aus dem Klamath River und gaben es in Eimern von Hand zu Hand weiter in einen ausgetrockneten Bewässerungskanal.

Das Klamath Reclamation Project, dessen Farmland damals in einer Lotterie an Veteranen des Zweiten Weltkriegs verlost wurde, verhalf der Region zu landwirtschaftlichem Wohlstand. Gleichzeitig veränderte das riesige Bewässerungsprojekt ein komplexes System aus Wasserläufen, das sich Hunderte Meilen vom Süden Oregons bis in den Norden Kaliforniens erstreckt.

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Die Dürre hat weitere Auswirkungen: Die Landwirte werden diesen Sommer kein Wasser in die sechs nationalen Naturreservate spülen, die zusammen den Klamath National Wildlife Refuge Complex bilden. Die auch als Everglades des Westens bekannten Schutzgebiete beherbergen bis zu 80 Prozent der Zugvögel auf dem Pacific Flyway, einer wichtigen Nord-Süd-Route der Vögel. Zudem überwintern hier große Kolonien von Weißkopfseeadlern.

RND/AP

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