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Getränkemarkt in Sachsen-Anhalt verkauft Nazi-Bier – Staatsschutz ermittelt

  • Ein neuer Nazi-Skandal im Osten sorgt für Entsetzen.
  • Ein Getränkemarkt in Sachsen-Anhalt verkauft „Deutsches Reichsbräu“.
  • Es wird beworben mit altdeutscher Schrift und Sprachcodes von Neonazis. Der Staatsschutz ermittelt.
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Bad Bibra. Ein Bild, das in einem Getränkemarkt in Sachsen-Anhalt aufgenommen wurde, sorgt derzeit für große Entrüstung in den sozialen Netzwerken. Götz Ulrich, Landrat des Burgenlandkreises, kommentiert das Foto auf Facebook mit dem Satz: “Ich schäme mich so sehr.” Auch Fußballstar Hans Sarpei äußerte sich und schrieb: “Die Geschichte wiederholt sich.” Inzwischen ermittelt der Staatsschutz.

Wie die “Mitteldeutsche Zeitung” (MZ) berichtet, hatte der Getränkemarkt in Bad Bibra ein Bier mit dem Namen “Deutsches Reichsbräu” verkauft. Doch nicht nur das: Das Getränk wurde in dem Markt auch noch entsprechend beworben. Auf dem Bild ist ein Aushang vor den Getränkekisten zu sehen. In altdeutscher Schrift ist dort etwa zu lesen: “Kasten: 18,88 Euro” – ein Zahlencode der Neonazi-Szene. Auf dem Etikett des Bieres prangt ein Reichsadler.

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Ein bekannter Neonazi steckt hinter dem Bier

“Während gerade in Yad Vashem in Israel der deutsche Bundespräsident zum 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz spricht, findet in meinem Heimatort Bad Bibra der Verkauf von Bier mit dem Namen ‘Deutsches Reichsbräu’ in einem Getränkemarkt statt”, schreibt Ulrich auf Facebook. “Das Schlimmste aber ist: Das Bier fand reißenden Absatz und ist ausverkauft!”

Laut Flaschenaufdruck stammt das Bier von einem ehemaligen NPD-Politiker aus Thüringen, der laut “MZ” als fest verwurzelt in der Neonazi-Szene gilt. Er betreibt eine Gaststätte, die als Treffpunkt für Neonazis gilt, und organisiert Rechtsrockkonzerte, wie etwa das in Themar.

Unternehmen äußert sich

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In den sozialen Netzwerken äußert sich unter anderem Fußballer Hans Sarpei zu dem Foto. “Das wird man ja wohl noch brauen dürfen???? Nein, sollte man nicht! 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. Deutschland in den 20er-Jahren. Die Geschichte wiederholt sich, wenn wir uns nicht klar und deutlich von Nazis distanzieren. Überall”, schreibt er.

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Die Polizei ermittele in dem Fall wegen des Verdachts auf Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen, bestätigte eine Polizeisprecherin am Freitag. Die Polizei sei durch zwei Anzeigen Anfang der Woche auf das Bier aufmerksam geworden. Die Ermittlungen hat der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz übernommen.

Die Polizei in Thüringen hatte zuvor auf Twitter angemerkt, bei dem Bier und den verwendeten Symbolen handele es sich um keine Straftat. “Weder der sogenannte Reichsadler noch das Eiserne Kreuz sind verbotene Symbole. Anders sähe es in Verbindung mit dem Hakenkreuz aus”, schrieben die Beamten.

Getränkemarkt verliert Franchisevertrag

Doch wie konnte das Nazi-Bier überhaupt in den Handel gelangen? Der Konzern Getränke-Quelle, zu dem das Geschäft in Bad Bibra gehört, sagte zunächst gegenüber der “Volksstimme”, er habe keinen Einfluss auf das Sortiment des Getränkemarktes. “Wir beliefern lediglich”, heißt es. Am Freitagnachmittag teilte der Franchisegeber dann mit, die Zusammenarbeit mit dem Eigentümer des Geschäfts am Freitagmorgen aufgekündigt zu haben. “Das ist unglaublich, wir haben sofort reagiert”, sagte der Geschäftsführer des Getränkegroßhandels WVG, Thomas Scharf, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Er habe am Freitagmorgen von dem Bier erfahren und dem Eigentümer des Ladens in Bad Bibra direkt im Anschluss mitgeteilt, dass er die Zusammenarbeit beendet. “Wir distanzieren uns natürlich entschieden von dieser Sache.”

Der Verkäufer des Biers betrieb demnach ein eigenständiges Geschäft, nutzte dafür aber die WVG-Marke Getränke Quelle. Der Eigentümer habe die Hoheit über sein Sortiment, der Getränkegroßhandel habe erst durch die Bilder in sozialen Medien und zahlreiche Beschwerden von dem Bier erfahren. Am Montag sollen die Schilder der Marke vom Markt entfernt werden. “Wir haben hier Mitarbeiter aus acht Nationen, wir sind ein Beispiel für gelungene Integration”, betonte Scharf.

Nicht der erste Fall dieser Art

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In den vergangenen Wochen hatte es im Osten immer wieder Vorfälle dieser Art gegeben. In Mecklenburg-Vorpommern hatten Nazi-Motive an einem Lkw-Führerhaus für Entsetzen gesorgt. In Sachsen hatte ein Busfahrer den Zettel “Deutscher Fahrer” an seinem Bus aufgehängt. Und nur wenige Kilometer entfernt hatte ein Geschäft mit einem Zettel explizit “deutschen Familien” ein frohes Weihnachtsfest gewünscht.

RND/msc/dpa

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