Wegen Corona: Immer mehr Briten wollen ihre Vögel loswerden

  • Im Lockdown haben sich viele Briten ein Haustier zugelegt, das sie nun loswerden wollen.
  • Besonders geschwätzige Papageien stören im Homeoffice.
  • Teilweise werden die Tiere zur Adoption freigegeben– doch das ist gar nicht so einfach.
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Vielleicht hätte der gemeine Beobachter bereits bei der Erkenntnis stutzig werden können, dass es in Großbritannien eine Wohltätigkeitsorganisation namens Problem Parrots, also Problempapageien gibt. Es ist nicht die einzige, soll an dieser Stelle angemerkt werden. Doch wenn der Bedarf für Rat und Tat für schwierige gefiederte Haustiere schon in normalen Zeiten groß ist, wie sollte das erst in einer Pandemie wie der jetzigen werden? Tatsächlich wütet im Königreich nicht nur das Coronavirus. Es ist auch so etwas wie eine Papageienkrise ausgebrochen.

Papageien erfahren in der Corona-Zeit oft Ablehnung

Seit dem Lockdown nämlich geben Besitzer vermehrt ihre Smaragdsittiche, Inka-Kakadus und Blaukappen zur Adoption frei. Zu den Gründen gehört das Offensichtliche: Die Vögel mit dem farbenprächtigen Gefieder sind anhänglich, brauchen viel Beschäftigung – und halten vor allem nie den Mund. Vielmehr kreischen und quäken sie unaufhörlich, was nicht gerade hilfreich ist, wenn dieser Tage die meisten Menschen von ihrem Küchentisch aus oder im Heimbüro arbeiten. Nun erfahren sie vor allem Ablehnung.

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So suchten in den vergangenen sechs Monaten 70 Prozent mehr Papageien und Sittiche ein neues Heim als im selben Vorjahreszeitraum. Hinzu kommt, dass auch die Zahl der vermissten Vögel zugenommen hat, wie es in der Facebook-Gruppe “Lost Parrots & Birds Found” heißt. Einige wurden aus Versehen “verloren”, andere offenbar von frustrierten Haltern in die Freiheit entlassen.

Oft überleben die Tiere ihre Besitzer

“Es ist ein wenig problematisch, wenn man über Zoom zu telefonieren probiert oder eine Audiokonferenz hat und im Hintergrund ein Papagei quäkt”, wird Claire Longworth in britischen Medien zitiert. Sie arbeitet für Birdline, eine Charity, die nicht länger gewünschte Vögel rettet und ihnen ein neues Zuhause findet. Oder es zumindest versucht. Denn zum Geschrei kommt für die Helfer eine weitere Herausforderung bei der Weitervermittlung der Papageien: Nicht nur, dass sie in Gefangenschaft 70 Jahre und älter werden können und damit ihre Besitzer oft überleben.

Die Vögel haben auch etwas Divenhaftes. So entwickeln sie starke Bindungen zu ihren weiblichen oder männlichen Betreuern, je nachdem, wer sich um die Tiere in jungen Jahren gekümmert hat. Das Problem: Als Folge bevorzugen einige Haustiere Männer. Nur, Männer mögen nicht immer Papageien, wie es scheint. Als Neubesitzer der quäkenden Tiere bieten sich den Experten zufolge mehrheitlich Frauen und Familien an. Und dann?

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Alte sexistische Exemplare sind schwer zu vermitteln

Zu den besonders kritischen Problemfällen gehört der Gelbhaubenkakadu Ozzie. Er wurde bereits mehrmals zurückgegeben aufgrund “seines Frauenhasses”, wie es auf der Webseite der Organisation Problem Parrots heißt. Der “hübsche Bursche” sei berüchtigt dafür, Ladys zu attackieren. Ansonsten aber angeblich “ein Softie”. Laut Birdline hat der Mangel an Herren, die als Chefbezugspersonen die gefiederten Haustiere adoptieren, dazu geführt, dass nun deutlich mehr ältere Papageien auf dem britischen Markt sind, die eine ausgeprägte Geschlechtervorliebe für Männer mitbringen. Kurz gefasst: Alte, sexistische Exemplare sind selbst auf dem Vogelmarkt schwer zu vermitteln.

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