Der Fall Maddie und die lange Suche nach der Wahrheit

  • Maddie McCanns Verschwinden aus einer Ferienanlage in Portugal ist bis heute ungeklärt.
  • Nun gibt es erstmals nach 13 Jahren eine heiße Spur.
  • Tatverdächtig ist ein Deutscher, der dort schon 2005 ein ähnliches Verbrechen beging.
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Wiesbaden. Der Moment, in dem sich das Leben des britischen Ärzteehepaars Kate und Jerry McCann für immer veränderte, war eigentlich paradiesisch. “Es war so ein ruhiger, friedlicher Ort”, sagt Kate McCann in der ZDF-Sendung “Aktenzeichen XY” an diesem Mittwoch.

“Niemand hätte sich vorstellen können, dass dort etwas passiert.” Was am Abend des 3. Mai 2007 in der schicken Ferienanlage in Praia da Luz an der portugiesischen Algarve genau geschah, ist bei heute ungeklärt. Die dreijährige Madeleine, genannt Maddie, verschwand spurlos, ihr Bild ging um die Welt, ihre Leiche wurde nie gefunden. Jetzt, 13 Jahre später, dürfen ihre Eltern doch noch auf Aufklärung hoffen.

Doch die Hoffnung darauf, dass ihre Tochter, die heute 17 Jahre alt wäre, noch lebt, wurde der Familie gleich genommen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen einen 43 Jahre alten Deutschen wegen Mordverdachts. “Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist”, sagt Staatsanwalt Hans Christian Wolters bei einer Pressekonferenz am Tag nach der Ausstrahlung von “Aktenzeichen XY”.

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Verdächtiger ist mehrfach vorbestraft

Es ist nicht das erste Mal, dass die Eltern in der Sendung zu ungeklärten Verbrechen zu Gast sind – all die Jahre waren sie präsent, reisten durch Europa, saßen in Talkshows, gaben Interviews, veröffentlichten ein Buch, baten gar den Papst um Hilfe. Aber es ist das erste Mal, dass es eine Spur gibt, eindeutige Indizien, einen Mordverdächtigen.

Und was für einen. Der 43 Jahre alte Deutsche, der derzeit in Kiel wegen anderer Delikte in Haft sitzt, scheint perfekt auf das Profil im Fall “Maddie” zu passen: Er ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft. Er lebte im Zeitraum ihres Verschwindens an der portugiesischen Algarve in einem Haus nahe dem Ferienort Praia da Luz. Und: Er beging genau dort schon einmal eine Sexualstraftat, die ein ähnliches Muster aufweist.

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Anderthalb Jahre vor dem Verschwinden der dreijährigen Madeleine McCann war in Praia da Luz eine 72 Jahre alte Amerikanerin in ihrem Haus brutal vergewaltigt und beraubt worden, der Täter war damals über eine Terrassentür in die Ferienwohnung eingedrungen. Auch Maddie schlief in einer Ferienwohnung im Erdgeschoss, die Terrassentür hatten ihre Eltern in der Nacht ihres Verschwindens nicht verschlossen.

Deutscher Sexualstraftäter unter Mordverdacht

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Noch fehlt der endgültige Beweis

Von dem Vergewaltiger der Seniorin fehlte lange jede Spur, bis sich ein Zeuge Jahre später bei der Polizei meldete: Er habe 2006 eine Videokamera aus dem Haus des Tatverdächtigen in Praia da Luz gestohlen. Auf den Aufnahmen sei eine ältere gefesselte Frau zu sehen gewesen, wie sie von einem maskierten Mann gepeitscht und vergewaltigt wurde. Andere Videos zeigten eine junge Frau, die von dem Bekannten offensichtlich ebenfalls missbraucht worden sei.

Die Aussagen führten die Ermittler zu Christian B., dem heute 43-Jährigen, der im Dezember 2019 dann in Braunschweig, seinem letzten in Deutschland gemeldeten Wohnort, vor Gericht kam. Der Zeuge hatte die Aufnahmen längst vernichtet. Als Beweis aber diente ein Körperhaar auf dem Bett der 72-Jährigen in ihrer Ferienwohnung – es konnte B. zugeordnet werden.

Ein solcher Beweis aber fehlt den Ermittlern im Fall Maddie noch. Alles, was sie haben, sind Indizien. Wegen der andauernden Ermittlungen geben die Behörden keinerlei Details heraus. Nur so viel: Sie bitten um Hinweise zu einer portugiesischen Handynummer, mit der der Täter am Tatabend kontaktiert wurde, sowie zu einem gelb-weißen Wohnmobil VW T3 Westfalia und einem braunroten Jaguar XJR 6, die B. beide damals in Portugal nutzte.

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Wohnungswechsel und Straftaten

Gemeldet war der Jaguar den Ermittlern zufolge zuletzt in Augsburg – dort hatte der Verdächtige vorübergehend gelebt. Überhaupt ist B.s Biografie von Wohnortswechseln und Straftaten durchzogen. Geboren in Würzburg, wuchs B. in einem Heim auf, machte seinen Hauptschulabschluss und begann eine Lehre zum Kfz-Mechaniker. Um sich der Vollstreckung einer Jugendstrafe zu entziehen, brach er die Ausbildung ab und wanderte mit seiner damaligen Freundin an die Algarve aus. Richtig fasste er nie Fuß, hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, beging auch dort Einbrüche und Diebstähle und kam zwischendurch immer mal wieder zurück nach Deutschland.

All das geht aus dem Urteil im Fall der Vergewaltigung der Seniorin hervor, das allerdings noch nicht rechtskräftig ist. Wegen diverser Vergehen, zwischenzeitlicher Ausreisen aus Deutschland und nicht durchgesetzter Geld-, Haft- oder Bewährungsstrafen ist B. seit geraumer Zeit hinter Gittern. Erst 2017 ist er wegen Besitzes von Kinderpornografie und sexuellen Missbrauchs eines Kindes vom Landgericht Braunschweig verurteilt worden.

Seine Rolle im Fall des Verschwindens von Maddie muss nun ermittelt werden. Es wäre alles, was ihre Eltern wollten: die Wahrheit zu finden.

RND

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