• Startseite
  • Panorama
  • Sturmtief Bernd fegt über Deutschland: Hochwassergefahr im Südwesten steigt

Sturmtief Bernd: Sturzflut reißt Person mit sich, Hochwassergefahr in Baden-Württemberg steigt

  • In einigen Teilen Deutschlands, darunter Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, soll es zu Unwettern kommen.
  • Das Sturmtief Bernd hat in Oberfranken bereits für geflutete Keller gesorgt – im Landkreis Hof wurde der Katastrophenfall ausgerufen.
  • Auch in Baden-Württemberg steigt die Hochwassergefahr, weil die Gewässer anschwellen.
Anzeige
Anzeige

Stuttgart. Das Sturmtief Bernd zieht über Deutschland: In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland soll es zu Unwettern kommen. Am Dienstag sorgte das Sturmtief in Oberfranken bereits für überflutete Straßen und geflutete Keller. Einige Straßen im Landkreis Hof hätten gesperrt werden müssen, sagte ein Sprecher der Polizei in Bayreuth. Auf der Autobahn 72 bei Hof sei der Verkehr durch auf der Straße stehendes Wasser behindert worden.

Im Landkreis Hof wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Wie das Bayerische Rote Kreuz am späten Dienstagabend weiter mitteilte, war auch der Notruf 112 wegen der Vielzahl der Anrufenden in Einzelfällen nicht sofort erreichbar. Die rettungsdienstliche Versorgung sei jedoch sichergestellt, auch wenn die Einsätze der Feuerwehr priorisiert werden müssten und Wartezeiten anfallen könnten.

Video
Heftiger Regen in Deutschland - Feuerwehren im Dauereinsatz
0:53 min
Tief „Bernd“ und Starkregengebiete ziehen über Deutschland. In manchen Regionen laufen Keller voll, ein bayerischer Landkreis ruft den Katastrophenfall aus.  © dpa
Anzeige

Die Polizeiinspektion Hof bestätigte den Eintritt des Katastrophenfalls. Es sei aber zunächst bei vollgelaufenen Kellern und überfluteten Straßen geblieben, berichtete ein Beamter. So sei die Bundesstraße 173 bei Köditz komplett gesperrt worden, „weil rechts und links das Wasser sturzbachartig vorbeigelaufen ist, da wurde die Straße unterspült“. In der Gemeinde nahe Hof drohe auch ein Baukran umzustürzen, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk seien vor Ort. Zu den besonders stark getroffenen Gemeinden gehörte den Angaben zufolge die Stadt Selbitz. Die Feuerwehren seien im Dauereinsatz, um Wasser aus Kellern zu pumpen und Sandsäcke zu beschaffen. Einige Bewohner und Bewohnerinnen hätten ihre Häuser zeitweise verlassen müssen. Von Verletzten war der Polizei zunächst nichts bekannt.

1 von 47
1 von 47
Nordrhein-Westfalen, Erftstadt: Ein Foto, das die Bezirksregierung Köln am Freitag über Twitter verbreitete, zeigt Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem.  @ Quelle: Rhein-Erft-Kreis/dpa

Umgestürzte Bäume in Mannheim

Heftige Regenfälle haben auch in Mannheim und Umgebung teilweise für umgestürzte Bäume und überflutete Straßen gesorgt. In den Mannheimer Stadtteilen Lindenhof und Wallstadt seien infolge des Unwetters am Dienstag Bäume auf geparkte Fahrzeuge gefallen und hätten diese beschädigt, wie die Polizei mitteilte. Verletzt worden sei jedoch niemand.

Anzeige
Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".

Mehrere Straßen seien überflutet worden und mussten teilweise gesperrt werden. Vereinzelt wurden Autos durch eingedrungenes Wasser beschädigt und mussten abgeschleppt werden. Auch in Hockenheim mussten zwei Autos geborgen werden, deren Fahrer erfolglos versucht hatten, eine Straße mit starker Wasseransammlung zu durchfahren. In Heidelberg sorgte Wasser auf den Straßen für kurzzeitige Verkehrsbehinderungen.

Anzeige

Sturzflut reißt Person mit sich

Eine Sturzflut hat bei einem Unwetter im sächsischen Jöhstadt (Erzgebirgskreis) am Dienstag eine Person mit sich gerissen. Die Feuerwehr, die noch am späten Abend im Ortsteil Steinbach im Einsatz war, suchte zunächst ohne Erfolg nach der Person, wie die Polizei mitteilte.

Der Mann wird weiterhin vermisst. Die Feuerwehr habe die Suchaktion in der Nacht zum Mittwoch vorerst abgebrochen, teilte die Polizei mit. Nach den Angaben vom Mittwochmorgen hatten Anwohnerinnen und Anwohner im Ortsteil Steinbach am Dienstagabend versucht, ihre Grundstücke gegen einen über die Ufer getretenen Fluss zu sichern. Einer der Anwohner wurde dabei von einer Sturzflut mitgerissen. Alle Rettungsversuche durch die Nachbarn schlugen fehl. Nähere Informationen lagen zunächst nicht vor.

Hochwasser in Baden-Württemberg möglich

In Baden-Württemberg könnte es wegen des Starkregens ebenfalls zu Hochwasser kommen. Der Deutsche Wetterdienst rechnet bis Samstag vor allem im Westen und Süden des Landes mit teilweise kräftigem Dauerregen. Das lässt auch Flüsse und Gewässer anschwellen.

Bis zum Freitag können die Wasserstände weiter deutlich steigen, teilte die Hochwasservorhersage Baden-Württemberg am Dienstag mit. Erhöhte Vorsicht ist vor allem im Süden des Landes geboten. Mit den heftigsten Anstiegen wird in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag gerechnet. Die Pegelstände an Hoch- und Oberrhein waren bereits am Dienstag auf hohem Niveau. Bis Samstag erwartet die Hochwasservorhersagezentrale dort und am Bodensee einen markanten Anstieg des Wasserstandes.

Anzeige

Starke Regenfälle haben bereits in der Nacht zum Dienstag das Gartenschaugelände in Eppingen (Kreis Heilbronn) geflutet. Es liegt direkt am Fluss Elsenz. Deshalb sei es auch auf Hochwasser ausgerichtet, teilte eine Sprecherin der Stadt mit. Grund zur Sorge bestehe nicht. Die Gartenschau soll dort im kommenden Jahr stattfinden. In Freiburg mussten Radler wegen des Hochwassers Umwege machen. Die Stadt sperrte den Uferradweg am Fluss Dreisam.

Tief Bernd: Bäume stürzen um

Das für die Nacht auf Dienstag angekündigte Unwettertief Bernd über Teilen Baden-Württembergs ist nach Erkenntnissen der Polizei glimpflich verlaufen. In einigen Regionen habe es zwar stark geregnet. Größere Schäden gab es jedoch nicht, wie Polizeipräsidien im Land berichteten. Nur vereinzelt seien Bäume umgestürzt und Straßen überschwemmt worden, etwa in der Region um Pforzheim.

Für Dienstag warnten die Meteorologinnen und Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes vor weiteren Unwettern mit heftigem Starkregen, teilweise auch Blitz und Donner. Infolge des Dauerregens sind unter anderem Hochwasser an Bächen und kleineren Flüssen sowie Überflutungen von Straßen möglich. In der Nacht zum Mittwoch soll das Gewitterrisiko abnehmen, bevor erneut ergiebiger Dauerregen einsetzt.

Indes dürfen sich Försterinnen und Förster und Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen freuen: „Der Wald kann im Moment jeden Tropfen Regenwasser gebrauchen“, sagte Forstkammer-Geschäftsführer Jerg Hilt am Dienstag. „Wir sind heilfroh, dass wir nicht das vierte Trockenjahr in Folge haben.“ Nach dem jüngsten Waldzustandsbericht des Agrarministeriums gelten 46 Prozent der Waldfläche als deutlich geschädigt – auch bedingt durch Hitze und Dürre. Nach Angaben der Forstkammer wirkt das extreme Trockenjahr 2018 noch nach, weil es 2019 und 2020 zu wenig Niederschläge gab. „Der Wald hat ein langes Gedächtnis“, sagte Hilt der Deutschen Presse-Agentur.

Video
Richtiges Verhalten bei Unwetter
0:59 min
Wie bringt man sich bei Sturm und Gewitter in Sicherheit?  © RND
Anzeige

In Teilen Südniedersachsens kann es zu unwetterartigen Gewittern und zu Starkregen kommen. Dies gilt vor allem für den Göttinger Raum über das Harzumfeld bis nach Wolfsburg, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstagabend in seinem Warnlagebericht mitteilte. Es könnten dabei bis zu 40 Liter Regen je Quadratmeter in kurzer Zeit fallen. Auch schwere Sturmböen und Hagel seien möglich. Ein Tief über den mittleren Teilen Deutschlands lenke sehr warme und feuchte Luft nach Niedersachsen und Bremen.

NRW auch von Tief Bernd betroffen

Auch weite Teile Nordrhein-Westfalens werden am Mittwoch wegen des Sturmtiefs Bernd voraussichtlich von heftigem Dauerregen heimgesucht. Betroffen ist vor allem der Süden, aber auch Ruhrgebiet, Sauer- und Siegerland sowie das südliche Münsterland. Der Deutsche Wetterdienst hat entsprechende amtliche Warnungen veröffentlicht. Für einige Kreise im Südwesten gilt sogar die höchste Warnstufe.

Vor allem ab Mittwochnachmittag erwarten die Meteorologinnen und Meteorologen kräftige Gewitter, bei denen es innerhalb weniger Stunden 20, 40 oder auch 70 Liter pro Quadratmeter regnen kann. Hagel mit Korngrößen um zwei Zentimeter sowie Sturmböen sind ebenfalls nicht ausgeschlossen. Zum Vergleich: Zwischen 1961 und 1990 fielen in Nordrhein-Westfalen im gesamten Juli im Schnitt 82 Liter Regen pro Quadratmeter. Bis Donnerstagmorgen sind immer wieder starke Regenfälle möglich, dazwischen gibt es nur kurze Regenpausen. Zwischen Dienstagvormittag und Donnerstagmorgen halten die Meteorologinnen und Meteorologen 80, regional auch bis zu 130 Liter Regen für möglich. Punktuell seien auch 200 Liter denkbar, hieß es in einer Mitteilung. „Der Schwerpunkt liegt wahrscheinlich in einem Bereich von der Mitte bis in den Südwesten von NRW“, hieß es. Der DWD betonte am Dienstagnachmittag, dass es noch größere Modellunsicherheiten gebe.

Die amtliche Unwetterwarnung der höchsten Warnstufe gilt für die Kreise Euskirchen, Aachen, Düren, Bonn, den Rhein-Erft-Kreis sowie für Teile Kölns und des Rhein-Sieg-Kreises. In den Regierungsbezirken Münster und Detmold waren hingegen nur Teile der südlichen Kreise von Warnungen betroffen.

Überschwemmte Straßen und vollgelaufene Keller in Hagen

Heftige Regenfälle haben in Hagen zu überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern geführt. Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums am frühen Mittwochmorgen mitteilte, gingen über Nacht Hunderte Notrufe bei der Feuerwehr ein. „Die Leute sind verzweifelt“, sagte der Sprecher in Hinblick auf die Vielzahl an vollgelaufenen Kellern in der Stadt. Außerdem seien aufgrund der überspülten Straßen stellenweise Fahrzeuge ins Rutschen gekommen. Verletzte Personen waren nicht bekannt.

Von Hängen wurden zudem Schlammmassen auf Straßen gespült, viele Ortsteile waren daher nicht befahrbar. Wegen Gerölls auf den Straßen können einige Ortsteile selbst von Einsatzfahrzeugen der Polizei und Feuerwehr nicht befahren werden, wie der Sprecher weiter mitteilte.

Aufgrund des Starkregens ist die Feuerwehr in Düsseldorf zu rund 330 Einsätzen ausgerückt. In der Nacht zum Mittwoch seien Keller vollgelaufen und Straßen überschwemmt worden, teilte die Feuerwehr mit. Laut Feuerwehr ist auch die Tiefgarage des Rheinmetall-Konzerns betroffen. Dort stehe das Wasser bei 40 Zentimenter.

Starkregen in Rheinland-Pfalz und im Saarland

Das Tiefdruckgebiet Bernd bringt auch unwetterartigen Starkregen nach Rheinland-Pfalz und ins Saarland. Am Dienstag kann es über mehrere Stunden regnen, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mitteilte. Lokal können demnach bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Die Höchstwerte liegen zwischen 22 Grad im Nordosten und 17 Grad in der Eifel.

In der Nacht zum Mittwoch regnet es zeitweise im Norden. Im Süden lässt der Regen teilweise nach bei Tiefsttemperaturen von zwölf bis 16 Grad. Am Mittwoch regnet es dann gebietsweise unwetterartig über mehrere Stunden. Bevorzugt in der Nordhälfte kann es kräftig gewittern. In Gewitternähe kann es auch stürmisch werden. Der Deutsche Wetterdienst warnt lokal vor extremen Unwettern. Die Nachmittagstemperaturen liegen bei 17 bis 22 Grad.

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen