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Darnella Frazier filmte den Tod von George Floyd: „Ein Teil meiner Kindheit wurde mir genommen“

  • Darnella Frazier war erst 17 Jahre alt, als sie filmte, wie ein Polizist George Floyd in Minneapolis ermordete.
  • Zum Jahrestag des Verbrechens schreibt sie ein langes Statement und erklärt, warum sie keine Heldin, aber trotzdem stolz auf sich sei.
  • Aber vor allem verliert sie einen nicht aus dem Blick: George Floyd.
Alina Stillahn
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Darnella Frazier war erst 17 Jahre alt, als sie sah, wie ein Polizist auf dem Schwarzen George Floyd kniete. Als sie hörte, wie der immer wieder sagte: „I can’t breathe“ – „Ich kann nicht atmen.“ Als sie das alles filmte und das Video hochlud. Sie war erst 17 Jahre alt, als sich das Video rasant verbreitete und der Tod George Floyds weltweit Proteste auslöste. Sie war eine Jugendliche, als der Satz „I can’t breathe“ zur Parole der Black-Lives-Matter-Bewegung wurde.

Ein Jahr nach dem Tod von George Floyd meldet sich die mittlerweile 18-Jährige mit einem Statement auf Facebook zu Wort. Darnella Frazier berichtet von ihrem Trauma infolge der Ereignisse, klagt Polizeigewalt an – und wendet sich schließlich direkt an den Menschen George Floyd.

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„Heute vor einem Jahr wurde ich Zeugin eines Mordes. Der Name des Opfers war George Floyd“, schreibt Darnella Frazier. Sie habe nicht gewusst, dass ihr Leben sich an diesem Tag ändern werde, doch das habe es. „Es hat mich verändert. Es hat verändert, wie ich das Leben sehe. Es hat mir klargemacht, wie gefährlich es ist, in Amerika schwarz zu sein. Wir sollten nicht auf Eierschalen um Polizisten laufen müssen, um diejenigen, die eigentlich dafür da sind, zu beschützen und zu dienen.“

Darnella Frazier berichtet von Panik und Angstzuständen

Mittlerweile sei sie 18 Jahre alt, doch an der Schwere des Traumas habe sie noch immer zu tragen. Es sei ein wenig einfacher geworden, aber sie sei nicht diejenige, die sie früher war. „Ein Teil meiner Jugend wurde mir genommen. Meiner neunjährigen Cousine, die dasselbe wie ich sehen musste, wurde ein Stück ihrer Kindheit genommen.“

Darnella Frazier berichtet auch, dass sie wochenlang nicht richtig schlafen konnte, ihr Haus verlassen musste, dass Reporter vor ihrer Tür standen – nur um nachts die Augen zu schließen und „einen Mann zu sehen, der braun wie ich ist, leblos auf dem Boden“. Sie schreibt von der Panik und den Angstzuständen, die sie hatte, wenn sie einen Polizeiwagen sah und nicht wusste, wem sie trauen könne, weil viele Menschen böse seien und schlechte Absichten hätten.

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„Sehr viele Menschen haben mich eine Heldin genannt“

„Sehr viele Menschen haben mich eine Heldin genannt, obwohl ich mich nicht als solche sehe. Ich war nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Hinter diesem Lächeln, hinter diesen Auszeichnungen, hinter der Öffentlichkeit bin ich ein Mädchen, das von etwas geheilt werden muss, an das ich jeden Tag erinnert werde. Jeder spricht über das Mädchen, das den Tod von George Floyd aufgenommen hat, aber es tatsächlich zu sein, ist eine andere Geschichte.“

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Ein Bild von George Floyd wird bei einem Protest in New York hochgehalten. © Quelle: imago images/Xinhua

Obwohl das Erlebnis nicht nur sie, sondern auch ihre Familie verändert habe und obwohl es eine traumatische, lebensverändernde Erfahrung gewesen sei, sei sie trotzdem stolz auf sich. „Wenn mein Video nicht gewesen wäre, hätte die Welt die Wahrheit nicht erfahren.“ Ihr Video habe George Floyd nicht gerettet, aber es habe seinen Mörder von der Straße entfernt.

In Minneapolis erinnert ein Bild an George Floyd. © Quelle: imago images/ZUMA Wire
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„Er war ein geliebter Mensch“

„Du kannst George Floyd so sehen, wie du es willst, trotz seiner Vergangenheit – haben wir nicht alle eine? Er war ein geliebter Mensch, jemandes Sohn, jemandes Vater, jemandes Bruder und jemandes Freund“, schreibt Frazier, die vor Kurzem auch im Prozess gegen den Polizisten, der George Floyd damals getötet hatte, aussagte. Derek Chauvin wurde im April schließlich in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen.

Polizisten sollten nicht entscheiden, ob jemand stirbt oder lebt, schreibt Frazier. Es sei an der Zeit, dass diese Polizisten zur Verantwortung gezogen würden. „Menschen zu ermorden und seine Macht dabei zu missbrauchen bedeutet nicht, seinen Job zu machen.“

„Immer in meinem Herzen“

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Zum Ende ihres Facebook-Posts wendet sich die 18-Jährige direkt an George Floyd. Sie könne gar nicht ausdrücken, wie sehr sie sich wünsche, dass die Dinge anders gekommen wären. „Aber ich möchte, dass du weißt, dass du immer in meinem Herzen bist. Ich werde mich immer an diesen Tag erinnern – deinetwegen. Möge deine Seele in Frieden ruhen. Mögest du auf den schönsten Rosen ruhen.“

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