Auch dank “Aktenzeichen XY” – Mehr Gewissheit war nie

  • Plötzlich ist Bewegung im Fall Maddie McCann. Das seit 13 Jahren vermisste Mädchen schien schon aus den Augen der Öffentlichkeit verschwunden.
  • Jetzt bringt die ZDF-Sendung “Aktenzeichen XY” neuen Schwung in die Ermittlungen.
  • Und genau so war das auch gedacht.
|
Anzeige
Anzeige

13 Jahre ist es her, dass Madeleine Beth McCann, kurz Maddie, aus dem Ocean Club, einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz, verschwand. 13 Jahre quälende Ungewissheit, die geprägt waren von unzähligen und zumeist sinnlosen Verdächtigungen und Verschwörungstheorien. Denn eine belastbare Spur, die das Schicksal des britischen Mädchens mit dem auffällig dunklen Strich im rechten Auge hätte klären können, gab es nie. Bis Mittwoch. Um 20.15 Uhr trat Aktenzeichen-XY-Moderator Rudi Cerne vor die Kameras und präsentierte nicht nur eine neue konkrete Spur, sondern dazu auch noch einen ziemlich Verdächtigen. Und die berechtigte Annahme, dass Maddie einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist. Mehr Gewissheit war nie. Und 5,22 Millionen Fernsehzuschauer sind live dabei.

Braucht es also eine leicht piefig daherkommende ZDF-Sendung, um eines der rätselhaftesten Verbrechen der vergangenen Jahre aufzuklären? Offenbar. Denn auf die Spur des Verdächtigen kamen die Ermittler nach eigenen Angaben ebenfalls durch einen Hinweis zum Fall während einer Aktenzeichen-Sendung im Oktober 2013.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Nicht ohne Grund ist die Öffentlichkeitsfahndung ein durch die Strafprozessordnung geregeltes Fahndungsmittel. Massenmedien sind hier nicht mehr als das Mittel zum Zweck der Verbrechensbekämpfung. So beschrieb auch schon Eduard Zimmermann 1967 zum Start von “Aktenzeichen XY” sein neues Format: “Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen – das, meine Damen und Herren, ist der Sinn unserer neuen Sendereihe.” Kritiker werfen “Aktenzeichen XY” seitdem vor, nicht mehr als ein verlängerter Arm der Ermittlungsbehörden zu sein, der mit Laiendarstellern und günstig daherkommenden Requisiten für Panik in den deutschen Wohnzimmern sorgt. Ein gebührenfinanzierter Aufruf zum Denunziantentum. Dagegen sprechen allerdings eine Erfolgsquote von 40,4 Prozent (Stand 2017) aufgeklärter Fälle und mehr als 2319 festgenommene Täter.

Auch nach dem Zeugenaufruf im Fall Maddie gibt es immer mehr Hinweise, die darauf hindeuten, dass die Ermittler dieses Mal auf der richtigen Spur sein könnten. Ehemalige Nachbarn melden sich, die den Verdächtigen als “aggressiv” beschreiben. Behörden stechen Informationen an die Öffentlichkeit durch. Von Kinderpornografie ist die Rede. Mittendrin Maddies Eltern, die erstmals wieder hoffen können. Hoffen, dass der aktuelle Ermittlungsansatz das Rätsel um ihre Tochter endlich klären könnte. Selbst wenn es bei diesem Funken Hoffnung bleibt. Der Versuch hat sich gelohnt.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen