Dammbruch in Brasilien: TÜV-Mitarbeiter wegen Mordes angeklagt

  • Vor einem Jahr kamen bei einem Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brumadinho 270 Menschen ums Leben.
  • Zuvor hatten TÜV-Prüfer noch die Sicherheit des Rückhaltebeckens bestätigt.
  • Wegen Mordes sollen sie sich nun vor Gericht verantworten.
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Belo Horizonte. Mehr als ein Jahr nach dem verheerenden Dammbruch im brasilianischen Brumadinho will die Staatsanwaltschaft den Bergbaukonzern Vale und die Tochterfirma des deutschen Prüfunternehmens TÜV Süd zur Verantwortung ziehen. Die brasilianische Justiz nahm am Freitag die Anklage gegen die beiden Firmen und 16 ihrer Mitarbeiter an. Unter den Angeklagten ist unter anderem der frühere Präsident von Vale, Fabio Schvartsman.

Die Staatsanwaltschaft München nahm ihrerseits Ermittlungen gegen den TÜV Süd und einen seiner Manager in Deutschland auf. Im vergangenen Jahr hatten fünf Hinterbliebene der Opfer von Brumadinho Strafanzeige gegen einen deutschen Beschuldigten und einen Rechtsanwalt sowie eine Ordnungswidrigkeitsanzeige gegen den TÜV Süd gestellt.

Der Damm an der Mine Córrego do Feijão war am 25. Januar 2019 gebrochen. Eine Schlammlawine rollte über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen nahe der Ortschaft Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais hinweg und begrub Menschen, Häuser und Tiere unter sich. 270 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Das brasilianische Tochterunternehmen des deutschen TÜV Süd hatte kurz vor dem Dammbruch die Rückhaltebecken geprüft und für sicher befunden.

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Sicherheitszertifikat trotz schlechten Zustands der Anlage ausgestellt

Nach Einschätzung der Ermittler hatten Vale und TÜV Süd zusammengearbeitet, um die wahre Sicherheitslage an dem Damm zu verschleiern. TÜV Süd habe Vale dabei geholfen, sein Image als sicheres Bergbauunternehmen zu pflegen, um seine Reputation und seinen Marktwert nicht zu gefährden, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Minas Gerais.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die TÜV-Prüfer das gewünschte Sicherheitszertifikat ausstellten, obwohl ihnen der schlechte Zustand der Anlage und das Risiko bewusst waren. Ein zuständiger Prüfer hatte in Vernehmungen erklärt, sich von Vertretern des Minenbetreibers Vale unter Druck gesetzt gefühlt zu haben.

Die Mitarbeiter von Vale und TÜV Süd müssen sich nun wegen Mordes in 270 Fällen verantworten. Sie hätten durch ihre Tat die Allgemeinheit gefährdet und den Tod einer unbestimmten Zahl von Personen in Kauf genommen, hieß es in der Begründung des Tatvorwurfs. Zudem hätten die Opfer keine Chance gehabt, sich in Sicherheit zu bringen. Die beiden Unternehmen müssen sich zudem wegen Verbrechen gegen die Flora und Fauna sowie wegen Umweltverschmutzung verantworten.

RND/dpa

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