Crime Time: Von schillernden Schurken und matten Ermittlern

  • Wahre Krimifans wissen: Erst ein guter Schurke ermöglicht es dem Kommissar, zum Helden zu werden.
  • Doch wird er dann auch immer ein strahlender sein?
  • Im Oktober begegnen wir gleich mehreren Ermittlern, die ihren moralischen Kompass zu verlieren scheinen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

für viele von Ihnen gehört der „Tatort“ am Sonntagabend sicherlich zu einem liebgewonnen Ritual. Besonders wegen der Verlässlichkeit, die er in unsere immer schnelllebigere Fernsehwelt bringt: Konstant immer sonntags, immer 90 Minuten lang, meist eine positive Auflösung am Ende. Auch die Kommissare sind uns oft seit Jahren vertraut. Wussten Sie zum Beispiel, dass Klaus J. Behrend als Kommissar Max Ballauf im Kölner „Tatort“ in 22 Jahren 95 Krimis gedreht hat? Dicht gefolgt von Miroslav Nemec als Münchner Ermittler Ivo Batic, der es in 22 Jahren auf stolze 89 Folgen brachte. Und die Frau, die laut „IMDB“ am meisten im „Tatort“ zu sehen war? Das ist Ulrike Folkerts – sie hat als Ermittlerin Lena Odenthal für 75 Folgen seit 1989 vor der Kamera gestanden.

In den Nebenrollen gibt es ebenfalls Schauspielerinnen und Schauspieler, die immer wieder in der Krimireihe auftauchen. Oft fällt das gar nicht so auf, weil zwischen den einzelnen Filmen viel Zeit liegt – oder weil die Akteure gar nicht in der gleichen Rolle wiederkehren. Oder hätten Sie zum Beispiel auf dem Schirm gehabt, dass Florian Bartholomäi schon 13-mal im „Tatort“ dabei war? Zuletzt 2020 im Dortmund-Krimi, wo er als langjähriger Widersacher Kommissar Fabers erschossen wird.

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Am kommenden Wochenende gibt es nun einen Kiel-Krimi, den man mit dem neuesten Film getrost als Trilogie bezeichnen kann – treibt Schauspieler Lars Eidinger in „Borowski und der gute Mann“ doch zum dritten Mal als Bösewicht Kai Korthals sein Unwesen. Kein anderer Mörder ist im „Tatort“ bisher gleich zweimal zurückgekommen. 2012 spielte Eidinger die Rolle das erste Mal in „Borowski und der stille Gast“ und wurde dort nach zwei Morden von Kommissar Klaus Borowski zwar gestellt – konnte dann aber fliehen. Im zweiten Teil „Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ 2015 kehrt Korthals zurück und entführt ausgerechnet Borowskis Geliebte Frieda. Aus einer normalen Ermittlung wird also plötzlich ein sehr persönlicher Fall.

Und in Teil drei? Da sitzt Frauenmörder Korthals nun endlich nach seiner Festnahme in der forensischen Klinik und schafft es dennoch erneut, zu fliehen – und wohl auch zu töten.

Wenn Sie nicht erst beim dritten Teil des Krimis am Wochenende einsteigen wollen, haben wir darüber hinaus natürlich wie gehabt auch noch weitere Tipps für Sie.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Einschalten!

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Ihre Lena Obschinsky

Augenzeugen

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„Tatort: Borowski und der gute Mensch“ : dritter Akt der Korthals-Trilogie

Nach bereits zwei Folgen mit Borowski und seinem neuen Lieblingsfeind, dem Psychopathen Kai Korthals, lag die Messlatte für den neuen Film „Tatort: Borowski und der gute Mensch“ hoch. Der Killer Korthals (Lars Eidinger) saß eigentlich fest hinter Schloss und Riegel – und bricht aber nach einem Chaos in der Theater-AG der Psychiatrie aus. „Es beginnt ein psychologisch aufgeladenes Katz-und-Maus-Spiel, das Borowski an seine Grenzen führt“, heißt es in unserer Kritik.

„Tatort: Borowski und der gute Mensch“ ist am Sonntag, 3. Oktober, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

Charlottes (Hannelore Hoger, l.) lässt nicht locker und spricht mit Rechtsanwalt Johansen (Morten Sasse Suurballe) über die Entführung ihrer Tochter Mara (Nora Hoger). Diese schaut zu. © Quelle: Marion von Der Mehden/ZDF/dpa

„Zurück ans Meer“: im Bann der Vergangenheit

Die Tochter von Buchhändlerin Charlotte (Hannelore Hoger) leidet unter einem schweren Kindheitstrauma. Vor 22 Jahren wurde Mara (Nina Hoger) bei einem Dänemark-Urlaub entführt. Als die beiden an der Ostsee versuchen, diese schwere Zeit hinter sich zu bringen, kommt es zu einer folgenschweren Zufallsbegegnung: Charlotte meint bei einem erfolgreichen Bauunternehmer die Stimme des Entführers wiederzuerkennen. Stark sind die beiden Hauptdarstellerinnen, unterhaltsam und eindrucksvoll die Geschichte. „So entwickelt sich zwar kein spannender Krimi, aber ein umso aufregenderes Mutter-Tochter-Drama“, schreibt unser Kritiker Ernst Corinth.

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„Zurück ans Meer“ läuft am 4. Oktober um 20.15 Uhr im ZDF.

„Box 21″: aus den Fängen eines Menschenhändlerrings

Die schwedische Kriminalserie „Box 21″ steigt tief hinein in das frauenverachtende und lukrative Geschäft der Zwangsprostitution. Der Rumänin Lidia wird ein gut bezahlter Job in der Gastronomie in Schweden angeboten – doch schon auf dem Weg dorthin entpuppt sich ihr neuer Freund als Zuhälter eines Frauenhändlerrings. Lidia will sich doch nicht ihrem Schicksal fügen – und plant ihre Flucht. Deutlich steht der Sechsteiler in der Tradition der Nordic-Noir-Krimis, die in düsterer Tonlage die vermeintliche Sozialharmonie skandinavischer Gesellschaften auf den Prüfstand bringen. Auf mehreren Erzählebenen – das Schicksal von Lidia, die Gewissensbisse eines Auftragskillers, die komplizierte Ermittlungsarbeit eines Polizisten – durchleuchtet „Box 21″ die vielen Verflechtungen des Menschenhändlerrings. Dabei entwickelt die Serie durch den multiperspektivischen Plot eine dynamische Sogwirkung, findet unser Autor Martin Schwickert.

Die Serie „Box 21″ ist ab dem 8. Oktober bei ZDF neo zu sehen.

Neues dynamisches Krimiduo: Rechtsmedizinerin Theresa Wolff (Nina Gummich) und Kriminalhauptkommissar Robert Brückner (Thorsten Merten) in der neuen ZDF-Reihe „Theresa Wolff“. © Quelle: ZDF und Steffen Junghans

„Theresa Wolff – Home Sweet Home“: vielversprechender Serienauftakt

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„Theresa Wolff“ heißt die neue Krimireihe im ZDF, die der Sender einmal im Jahr zeigen wird. Im Mittelpunkt steht die gleichnamige Rechtsmedizinerin, gespielt von Nina Gummich. Gleich am ersten Arbeitstag landet auch die erste Leiche auf ihrem Seziertisch: eine leitende Ärztin der Uniklinik Jena. Wolff ist dabei aber nicht die Sorte Rechtsmedizinerin, die sich nur in ihr Labor zurückzieht. Sie ermittelt auch auf eigene Faust – und das muss der zuständige Kriminalhauptkommissar Robert Brückner (Thorsten Merten) erst einmal akzeptieren. Der Auftakt der neuen Reihe, die einmal im Jahr im Samstagabendslot gezeigt wird, verspricht viel Gutes. Die beiden werden schnell zu einem dynamischen Team – „ und bilden so eine gute Grundlage für weitere hoffentlich genauso unterhaltsame Fälle aus Jena“, schreibt Ernst Corinth.

„Theresa Wolff – Home Sweet Home“ zeigt das ZDF am Samstag, 9. Oktober, um 20.15 Uhr

Neueste Ermittlungen

Eigentlich ist die dreimonatige „Tatort“-Sommerpause schon längst vorbei – doch so richtig viele neue Filme gibt es nun erst nach der Bundestagswahl. Die vier neuen Krimis zur besten Sendezeit im ARD-Programm kommen im Oktober aus Kiel, Dresden, Mainz und Frankfurt. Welche Fälle ist dann zu lösen gilt, können Sie hier nachlesen.

Lars Eidinger lernt durch jede neue Rolle eine unbekannte Seite an sich selbst kennen – gerade durch Böswichte, wie er im Interview erzählt. © Quelle: Getty Images,

Verhör

Lars Eidinger gilt als einer der profiliertesten Theater- und Filmschauspieler Deutschlands. Zum dritten Mal ist er nun in der Rolle des Schurken Kai Korthals im Kieler Borowski-„Tatort“ zu sehen. Dabei wurde dem 45-Jährigen zu Beginn seiner Karriere gar nicht zugetraut, dass er mal Bösewichte wirklich überzeugend spielen könnte. Was der Grund für diese Fehleinschätzung war, erzählt er im Interview mit Martin Weber.

Kriminalstatistik

Die Sommerpause gehört inzwischen zum gewohnten „Tatort“-Ritual. Im Juli und August – oder noch länger – gibt es keine neuen Filme aus der Reihe. Doch so alt ist dieses Ritual gar nicht. Erst 2005 wurde es eingeführt -– vor 16 Jahren.

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