Crime Time: Von Abschieden und Neuanfängen

  • Meret Becker feiert ihren (Fast-)Abschied aus dem Berlin-„Tatort“ – nur noch einmal ist sie nach der neuesten Folge in der Reihe zu sehen.
  • Gleichzeitig bringt die ARD den „Flensburg-Krimi“, der zur neuen Reihe werden könnte und mit seinem diversen Ermittlerduo punkten soll.
  • In unserem Newsletter werfen wir einen Blick auf die neuesten Entwicklungen und den Krimistoff der nächsten zwei Wochen.
|
Anzeige
Anzeige

Liebe Leserinnen und Leser,

gucken Sie auch gern den Berliner „Tatort“? Dann müssen Sie sich bald auf eine Veränderung einstellen: Meret Becker hört als Kommissarin Nina Rubin auf. An diesem Sonntag ist sie ein vorletztes Mal in der Rolle an der Seite von Mark Waschke zu sehen - und einschalten lohnt sich. 2022 wird dann der letzte Krimi mit Becker gezeigt. Ersetzt wird die 52-Jährige durch Corinna Harfouch, die zuletzt unter anderem in der Serie „Deutschland 89″ zu sehen war.

Für den sonntäglichen „Tatort“-Gucker ist ein Hauptrollenwechsel immer eine Umstellung – aber auch der Neuzugang hat es nicht leicht, muss er sich doch einem kritischen Vergleich stellen: Ist er oder sie genau so gut wie der vorherige Ermittler oder die Ermittlerin? Der Zuschauer gewöhnt sich nun mal an „seine“ TV-Lieblinge. Manche von ihnen sind sogar länger im Amt als manch Zuschauer alt ist – wie etwa die Münchner Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), die beide seit 1991 vor der Kamera ermitteln, oder Ulrike Folkerts, die sogar schon seit 1989 die Rolle der Ermittlerin Lena Odenthal übernimmt.

Anzeige

Leichter fällt es manchmal, etwas Neuem eine Chance zu geben. So läuft am 25. November der Flensburg-Krimi „Der Tote am Strand“, der Teil einer beliebten ARD-Reihe werden könnte. Der Name passt nämlich schon mal in das Konzept der ARD. So gibt es bereits regelmäßig den Zürich-Krimi, den Barcelona-Krimi, den Usedom-Krimi und nun eben Flensburg-Krimi. Die Besetzung entspricht dem immer größer werdenden Anspruch an die Diversität: Das zentrale Duo besteht aus einer lesbischen Kommissarin (Katharina Schlothauer) und einem schwarzen Ermittler (Eugene Boateng).

Das Thema Vielfalt bekommt also so langsam mehr Aufmerksamkeit in der Branche. Manche Krimiproduktionen etwa wenden sogar den sogenannten Inclusion Rider an. Das ist eine spezielle Vertragsklausel, die zu mehr Diversität vor und hinter der Kamera verpflichtet und die es in den USA schon seit Längerem gibt. Auch beim „Tatort“ wird das nun umgesetzt: Der nächste Krimi mit Wotan Wilke Möhring in Hamburg etwa, der im Frühjahr 2022 ausgestrahlt werden soll, hatte sich verpflichtet, Stab und Cast möglichst vielfältig zu besetzen. So seien 17 Prozent der an diesem „Tatort“ beteiligten Menschen BIPoC, also Black, Indigenous und People of Color. 65 Prozent der Führungspositionen seien weiblich besetzt. Wir können uns also auf einen vielfältigen „Tatort“ freuen.

Und bis dahin gibt es natürlich auch genug Krimistoff, den wir für Sie zusammengetragen haben. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

Ihre Hannah Scheiwe

Anzeige

Augenzeugen

„Red Notice“: Die teuerste Netflix-Sause um Kleopatras Schatz

Anzeige
Noch nicht ziemlich beste Freunde: Die Widersacher Nolan Booth (Ryan Reynolds, rechts) und John Hartley (Dwayne Johnson) beim Ausbruchsversuch aus einem russischen Spezialgefängnis. © Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Drei juwelenbestückte Goldeier hat der römische Feldherr Marcus Antonius seiner geliebten Kleopatra geschenkt – so behauptet es die Actionkomödie „Red Notice“. Das dritte davon ist verschwunden. Also jagen Dwayne Johnson, Ryan Reynolds und Gal Gadot aus unterschiedlichen Motiven den verlorenen Schatz.

Mit turbulenten Stoffen kennt der Regisseur des Films, Rawson Marshall Thurber, sich aus, davon zeugt seine Komödie „Wir sind die Millers“ (2013) ebenso wie sein Katastrophenfilm „Skyscraper“ (2018). Nun gelingt ihm ein weiterer Film: „Der mit 200 Millionen Dollar Kosten teuerste Film des Streamingdienstes erweist sich als rasant choreografierte Sause“, findet RND-Redakteur Matthias Halbig. Und ist sich sicher: Hier wird noch eine Fortsetzung folgen.

„Red Notice“ ist seit dem gestrigen Freitag (12. November) bei Netflix streambar.

„Dopesick“: Michael Keaton in der Disney+-Serie über die Opioidkrise

Geschäft geht vor Leben: Mit der Lüge der Unbedenklichkeit machte ein Pharmaunternehmen Heerscharen von Amerikanern süchtig. Die Serie setzte sich damit auseinander, wie dieses Unternehmen in den Neunzigerjahren seine Kundschaft mit dem Schmerzmittel Oxycontin systematisch vergiftet hat. Und sich später in Prozessen dafür verantworten musste.

Anzeige

„Kultregisseur Barry Levinson („Rain Man“) und Autor Danny Strong erzählen eine bittere Geschichte von Gier und Gleichgültigkeit“, so unser Kritiker. „Die hochkarätig besetzte Serie erschüttert durch das Aufzeigen eines verächtlichen kapitalistischen Menschenbilds.“

„Dopesick“ ist seit dem 12. November bei Disney+ zu sehen.

„Tatort: Murot und das Prinzip Hoffnung“: ein Familienkrimi in den besten Kreisen

Ermittlungen wie ein Schachspiel: Felix Murot (Ulrich Tukur). © Quelle: HR/Bettina Müller

Es wäre kein Murot-„Tatort“, wäre es einfach ein klassischer Krimi: So ist auch der neueste Fall des hessischen Ermittlers ein schräger. Es gibt gleich drei Morde, alle per Genickschuss, doch irgendwie passen sie nicht zusammen. Da zwei der Opfer ausländischer Herkunft sind, kommen Erinnerungen an die NSU-Morde auf, doch der dritte Tote passt nicht so recht ins Bild. Er ist ein einst angesehener Frankfurter Philosophieprofessor und Millionär, den der Selbstmord seiner Frau aus der Bahn geworfen hat und der deshalb vor seinem Tod als Obdachloser unter Brücken gehaust hat.

Um letzteren drehen sich dann vorrangig die Ermittlungen. Murot, der den Professor aus seinem Studium kennt, stochert in der Familie herum. Alle drei Kinder, Therapeutin Inga (Karoline Eichhorn), der zynische Schauspieler Paul (Lars Eidinger) und Tochter Laura (Friederike Ott), benötigen dringend Geld – und der Tote hinterlässt ein Millionenvermögen. „Murots neuer Fall ist also ein richtiger Familienkrimi in den angeblich besten Kreisen mit einer überschaubaren Zahl an Verdächtigen und an Motiven“, resümiert unser Kritiker Ernst Corinth. Doch die seiner Meinung nach sonst vorzüglichen Schauspieler agierten in diesem Krimi oft merkwürdig hölzern – er hält den Film für zu gekünstelt arrangiert.

Anzeige

Der „Tatort: Murot und das Prinzip Hoffnung“ läuft am 21. November ab 20.15 Uhr in der ARD.

„Der Flensburg-Krimi“: Der Coole und die Kühle

Gibt es bald eine neue ARD-Krimireihe? Möglich wär’s, doch darüber entscheiden wohl die Zuschauerzahlen zu „Der Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand“. In dem Film setzt der Sender auf ein diverses Doppel: Eine lesbische Kommissarin ermittelt gemeinsam mit einem schwarzen Kollegen. Konkret: Eugene Boateng, in erster Linie durch (Tragi-)Komödien wie zuletzt „Werkstatthelden mit Herz“ bekannt, spielt den Kommissar Antoine Haller – cool und lässig; seine Vorgesetzte Svenja Rasmussen wird durch Katharina Schlothauer verkörpert, die sich eher kühl zeigt. Gemeinsam müssen sie herausfinden, was es mit einem toten Dänen, der am Strand gefunden wird, auf sich hat.

Unser Kritiker Tilmann P. Gangloff kann sich dabei offenbar gut auch eine Fortsetzung vorstellen: „Was zunächst nach Reißbrett klingt, entpuppt sich in der Umsetzung als reizvoll und unterhaltsam“, schreibt er und bezeichnet den Film als „gelungenen Auftakt“.

„Der Flensburg-Krimi“ läuft am 25. November ab 20.15 Uhr in der ARD.

„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“: Ein Kultfilm wird zur Serie

Serienmacherin Sara Goodman („Gossip Girl“, „Preacher“) erzählt den Teeniethriller „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ von 1997 neu. Wie schon damals ist etwas Schreckliches passiert und eine Teenieclique würde es am liebsten für immer unter den Teppich kehren. Doch sie werden auf grausige Weise an ihre Tat erinnert. Auch wenn brutale Mordszenen hier ausgespart werden, wie unser Kritiker Matthias Halbig verrät: „Man will trotz der Slasherstory keine Slasherserie sein, die Kamera blickt meist pietätvoll weg, wenn der Leichenstand erhöht wird“, schreibt er.

Doch seine Begeisterung für die Serie hält sich in Grenzen: „Andere Kultthriller des Kinos wie ‚Psycho‘ und ‚Das Schweigen der Lämmer‘ gaben mit dem Fokus auf die Vorgeschichte ihrer Killer bessere Serien ab“, findet er. „Man fragt sich bei ‚Ich weiß …‘ schon nach der halben Staffel, wozu eine solche Menge Episoden (acht!) an eine solch schmale Geschichte vergeben wurde.“

„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ ist bereits bei Amazon Prime streambar.

Neueste Ermittlungen

Sofia Vergara wird in „Griselda“ zur Drogenbaronin. © Quelle: Richard Shotwell/Invision/dpa

Netflix macht die Geschichte der Drogenbaronin „Griselda Blanco“, die in den 1970er- und 1980er-Jahren Rauschgiftschmuggel im großen Stil in den USA betrieb, zur Serie. Gespielt werden soll die Hauptrolle der „Kokain-Königin“ von Sofia Vergara, die bisher vor allem durch ihre Rolle der „Gloria“ in der erfolgreichen Sitcom „Modern Family“ bekannt ist.

Verhör

Ist jetzt in ihrem vorletzten „Tatort“-Fall zu sehen: Meret Becker. © Quelle: Soeren Stache/dpa

Seit 2015 ermittelt Meret Becker als Hauptkommissarin Nina Rubin im Berliner „Tatort“. Doch sie will aufhören, wie sie letztes Jahr ankündigte: Zu sehen ist sie jetzt in ihrem vorletzten Fall, dem „Tatort: Die Kalten und die Toten“. Der letzte Film, der dann nächstes Jahr gezeigt wird, ist auch schon in der Mache. Mit unserer Volontärin Inga Schönfeldt hat sie im Interview über die letzten Drehs gesprochen. „Es ist alles sehr aufregend, weil ich weiß, dass es das letzte Mal ist. Aber noch bin ich so in den Vorbereitungen verstrickt, dass ich noch gar nicht wehmütig werden konnte“, sagt sie da. Sie müsse erstmal noch ihren Text lernen. Was die Schauspielerin im Gespräch mit der Kollegin außerdem etwa über die Darstellung von Sexualität im deutschen Fernsehen und den Gebrauch von Schusswaffen am Set sagt, lesen Sie hier.

Kriminalstatistik

Seine Augen kennt fast jeder, sein ganzes Gesicht nur die wenigsten: Horst Lettenmayer ist der Mann aus dem „Tatort“-Vorspann. © Quelle: picture alliance / dpa

400 Mark erhielt Horst Lettenmayer einmalig für seinen Einsatz: Er ist der Mann, dem die Augen aus dem „Tatort“-Vorspann gehören. Und auch die Beine und Hände, die man kurz darauf sieht, sind seine. Die Aufnahme entstand 1970 auf einem Abschnitt des damaligen Flughafens München-Riem. Lettenmayer wirkte 1989 auch in einer Episode mit: Im Schimanski-„Tatort“ „Der Pott“ spielte er einen Gewerkschaftsboss, der ermordet wird. Wollen Sie mehr über den „Mann hinter den Augen“ wissen? RND-Redakteurin Hannah Scheiwe hat ihn im vergangenen Jahr zum „Tatort“-Jubiläum gesprochen – das ganze Interview gibt’s hier.

Abonnieren Sie auch:

Der Tag: Erhalten Sie jeden Morgen um 7 Uhr das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Hauptstadt-Radar: Der RND-Newsletter aus dem Regierungsviertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik im Superwahljahr. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

What’s up, America? Der wöchentliche USA-Newsletter liefert Hintergründe zu den Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur – immer dienstags.

Die Pandemie und wir: Die wichtigsten Nachrichten der Woche, Erkenntnisse der Wissenschaft und Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Das Stream-Team: Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix und Co. – jeden Monat neu.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen