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Crime Time: Tatort Mallorca – Wenn Krimis auf der Lieblingsinsel der Deutschen spielen

  • Sommer, Sonne, Strand: Viele Deutsche starten gerade in die Urlaubssaison.
  • Zum Glück müssen wir auf Krimis trotzdem nicht verzichten.
  • Eine Serie spielt sogar auf Mallorca – wir haben im neuen Crime-Time-Newsletter die aktuellen Thriller unter die Lupe genommen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

womöglich lesen Sie die neueste Ausgabe unseres Newsletters gerade am Pool, am Strand oder in einer Hängematte – so mitten in der Hauptreisezeit der Deutschen. Auch in diesem Jahr zieht es wieder Tausende – sofern es die Inzidenz zulässt – auf die bei uns wohl beliebteste Insel: Mallorca.

Wer seinen Urlaub in diesem Jahr allerdings zu Hause verbringt, kann sich Mallorca zumindest auf den heimischen Fernseher holen: ZDF neo bringt nämlich neue Folgen der britischen Krimiserie „Mallorca Files“. Darin geht es tatsächlich weniger um Ballermann, Bier und Feiern – sondern um Entführungen, sexuelle Nötigung und ermordete Prominente. Das klingt brutaler, als es ist: Die Serie verzichtet auf extreme Gewaltszenen, setzt dabei mehr auf Familientauglichkeit. Auch wenn sie es zu späterer Sendezeit eigentlich nicht müsste.

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Ursprünglich hatten die Macher sich für die Serie um den deutschen Kommissar Max Winter und seine britische Kollegin Miranda Blake zehn neue Folgen ausgedacht, abgedreht wurden allerdings nur sechs: Die Corona-Pandemie machte dem Filmteam einen Strich durch die Rechnung.

Doch keine Sorge, auch Nicht-Mallorca-Fans kommen in diesem Newsletter auf ihre Kosten. Wir haben natürlich wie gewohnt noch weitere aktuelle Krimis aus dem Bereich Streaming und TV unter die Lupe genommen.

Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

Ihre Lena Obschinsky

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Augenzeugen

„Dyatlow-Pass – Tod im Schnee“: Mystery statt Wissenschaft

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Wer in Russland nach den Vorgängen am Djatlow-Pass im Winter 1959 fragt, bekommt schaurige Geschichten zu hören, manche ganz in der Nähe von Verschwörungstheorien, manche schon wieder plausibler. Denn lange war nicht klar, was der Gruppe Studierenden widerfahren ist, die während einer Expedition in den russischen Bergen unterwegs war. Suchtrupps fanden die Leichen der Studierenden – und konnten das schreckliche Bild, das sich ihnen bot, nicht erklären.

Bei einigen der neun Toten fehlte die Kleidung, bei anderen die Augen und Zungen. Schädel waren gebrochen. Und das alles ohne Kampfspuren. Der russische Drehbuchautor Ilya Kulikov hat sich den Fall nun noch einmal vorgenommen, um den Geschehnissen eine übernatürliche Erklärung zu verpassen. Während neueste wissenschaftliche Erkenntnisse eine Lawine an dem eigentlich flachen Hang verantwortlich machen, wird die Wandergruppe in der Serie vor ihrem Aufbruch vor einem Geist des Berges gewarnt, an dem auch keine Vögel fliegen.

In den acht Folgen hält sich die Serie nicht allzu lange mit wissenschaftlichen Erkenntnissen oder historischen Fakten auf. Doch ist es das auch nicht, was die Serie auszeichnet. „Der russische Winter schafft eine eindringliche, unwirtlich-unwirkliche Atmosphäre“, schreibt RND-Redakteur Matthias Halbig. Mysteriös bleibt die Geschichte – und deswegen lohnt sich das Einschalten, selbst im Hochsommer.

„Dyatlow-Pass – Tod im Schnee“ ist bereits im Fox Channel bei Sky Ticket zu sehen.

ZDF-Thriller „Außer Kontrolle – Halt nicht an!“: Blanker Horror mit Logiklücken

Alles beginnt mit einer Autofahrt der Vorzeige-Mittelschicht­familie um Vater Hans. Weil er, seine Frau und die beiden Töchter verspätet sind und Hans’ Mutter, die sie besuchen wollen, schon drängelt, drückt der Familienpapa ordentlich aufs Gas und fährt ohne Rücksicht auf Verluste. Da wird auch mal rechts überholt. Doch Hans hat sich den falschen Gegner ausgesucht – und aus dem verspäteten Besuch bei der Mutter wird im ZDF-Film „Außer Kontrolle – Halt nicht an!“ plötzlich der blanke Horror.

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Denn: Ein anderer Autofahrer, mit dem Hans aneinandergerät, entpuppt sich als sadistischer Killer. Die Geschichte nimmt ihren gruseligen Lauf. Ein Fest für Freunde des Horrors könnte man denken – doch um es zu genießen, muss man über Logiklücken hinwegsehen, findet RND-Kritiker Ernst Corinth. „Unterhaltsam ist das Ganze, allerdings ohne Sinn und Verstand“, so sein Fazit.

„Außer Kontrolle – Halt nicht an!“ läuft am 12. Juli ab 22.15 Uhr im ZDF.

Queen Latifah auf Verbrecherjagd: „The Equalizer“ ist jetzt eine Frau

Aus dem früheren CIA-Agenten Robert McCall wird Robyn McCall: Der dritte Equalizer in der Film- und Fernsehgeschichte ist jetzt nach dem mittlerweile verstorbenen Briten Edward Woodward und Schauspielstar Denzel Washington eine Frau, und zwar Queen Latifah („Scream“, „Star“). Und auch die Verbrecher haben sich geändert: Sie sind keine klassischen Krimi­tunichtgute mehr, sondern gut vernetzte Organisationen, geheim­bündlerische Netze oder – wie in der Auftaktfolge – ein Mann mit dem Kontostand von Dagobert Duck.

Aus Robert McCall wird Robyn McCall – gespielt von Powerfrau Queen Latifah. © Quelle: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Dabei ist die neue Ausgabe von McCall in dieser Serie privat keine ganz so einsame Wölfin wie ihre Vorgänger. Sie hat eine Tochter namens Delilah (Laya DeLeon Hayes), einen Teenager, der ordentlich aufs Dramapedal tritt und bei dessen Erziehung Robyns Tante Vi (Lorraine Toussaint) mithilft. „Die Powerfrau Latifah schafft es, eine von Albträumen über missglückte CIA-Einsätze geplagte, in sich zurückgezogene Person zu spielen, die entsprechend bei ihren Einsätzen so unterschätzt wird wie weiland Inspektor Columbo“, berichtet RND-Kritiker Matthias Halbig. Und findet: „Für eine moderne Robyn Hood, die den Entrechteten beisteht, und ihre Dreiviertel­stünder haben wir zuweilen etwas Zeit übrig, erst recht für Latifah, die bis 2009 unzweifelhaft beste Rapqueen von allen.“

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„The Equalizer“ ist ab dem 12. Juli auf Sky streambar.

Von wegen Romantik: „Paris Police 1900“ setzt auf Gewalt und Verschwörungen

Oh, schönes Paris, romantische Stadt der Liebe. In der neuen Sky-Serie „Paris Police 1900″ ist von Romantik und Liebe aber wenig zu spüren. In der Belle Époque müssen die Ermittler der französischen Polizei, deren forensische Arbeit noch in den Kinderschuhen steckt, zwei Frauenmorde aufklären. Im Laufe der Ermittlungen stoßen sie auf glühende Antisemiten, gewalttätige Nationalisten und Verschwörungen. „Ein Zeiten- und Sittengemälde in acht Episoden wird von Comicszenarist Fabien Nury und den Drehbuchautoren ausgebreitet, ein Drama, das als Kern einen Thriller birgt“, schreibt unser Kritiker.

Bei Menschen in bitterer Armut und beim hohen Adel versuchen die Polizisten, Antworten zu finden – und doch stoßen sie nur auf Geheimnisse, wohin sie blicken. „Beeindruckend ist ‚Paris Police 1900‘ in der Dramatisierung von Geschichte“, schreibt Halbig. Denn die Serie arbeitet den gesellschaftlich akzeptierten Antisemitismus im Paris von 1900 auf. Doch verrennt sich „Paris Police 1900“ im Laufe der acht Folgen mit den ambitionierten Zielen – das Finale dröhnt aber wieder wie ein Glockenschlag.

„Paris Police 1900“ ist ab dem 14. Juli bei Sky zu sehen.

„Professor T.“: Mit Ben Miller als Krimikauz

Es gibt schon eine belgische, deutsche und französische Version der Krimis um Professor T. – und nun auch eine britische. Den kauzigen Uni­professor für Kriminal­forensik namens Jasper Tempest spielt darin Ben Miller, bekannt aus dem Netflix-Hit „Bridgerton“. Als eine Polizistin ihn um Beistand in einem Vergewaltigungs­fall bittet, muss er sich außerhalb seiner akademischen Gefilde mit Gewalttaten auseinandersetzen.

Kauzig wie in den anderssprachigen Vorlagen: Professor T., hier gespielt von Ben Miller. © Quelle: Die Verwendung ist nur bei redaktioneller Berichterstattung im Rahmen einer Programmankündigung ab 2 Monate vor der ersten Auss

„Es sind die kauzigen Charaktere, an denen wir Serienmaniacs seit jeher besonders hängen“, ist sich RND-Redakteur Matthias Halbig sicher – und zählt etwa „Knitter­inspektor Columbo“, den „zwangs­neurotischen Privat­detektiv Monk“ und Dr. House auf. Kein Wunder also, dass er findet, dass die storymäßig eher konventionelle Serie „einigen Witz“ zu bieten hat, und sich darüber freut, „dass es Figuren wie Jasper gibt, die eher gediegene Kriminalfilme der ‚Barnaby‘-Kategorie zu etwas Besonderem machen“. Eine klare Seh­empfehlung.

„Professor T.“ ist ab dem 18. Juli bei Sky abrufbar.

„Verbrechen von nebenan“: True-Crime-Podcast als TV-Serie

Philipp Fleiters ist True-Crime-Experte. In seinem Podcast „Verbrechen von nebenan“ widmet er sich Verbrechen, die in ganz normalen Häusern, in ganz normalen Nachbarschaften passieren. Nun wechselt der Moderator aber vom Mikro zur Kamera – seinen Podcast gibt es ab dem 19. Juli als fünfteilige TV-Serie bei Sky.

Und tut der Medienwechsel dem Format gut? Nicht so wirklich, findet unser Autor Jan Freitag. Denn obwohl Fleiters über komplexe Fälle spricht, sich geeignete Fachleute mit informativen Beiträgen gesucht hat, schafft er es nicht, das visuelle Medium zu seinem Vorteil zu nutzen. So ist es auch bei der Arbeit von Sebastian Lörscher. Er ist ein Illustrator, der das Gesagte nochmals auf einer Glaswand illustriert. Das bringt nicht unbedingt eine neue Ebene hinein. „So klug die Einordnungen seiner Experten zu Biografie, Psyche, Umfeld der Täter auch sind, so überflüssig ist die optische Untermalung“, schreibt RND-Autor Jan Freitag.

„Verbrechen von nebenan“ gibt es ab dem 19. Juli bei Sky.

Zweite Staffel „The Mallorca Files“: leichte Krimi­unterhaltung von der Urlaubsinsel

Die Lieblings­insel der Deutschen hat auch eine düstere Seite: Das zumindest beweist die zweite Staffel der britischen Serie „The Mallorca Files“. Die beiden deutsch-englischen Ermittler sind in drei neuen Doppel­folgen bei ZDF neo und in der ZDF-Mediathek zu sehen. Auch wenn die Macher eher auf seichte Spannung setzen, empfiehlt unser Autor Ernst Corinth die „Gute-Laune-Krimis“ als „Stimmungsaufheller in gerade nicht so schönen Zeiten“.

„The Mallorca Files“ läuft an drei Donnerstag­abenden (22. und 29. Juli sowie 5. August) auf ZDF neo und ist ab dem 22. Juli auch in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Neueste Ermittlungen

Sein letzter James-Bond-Film lässt corona­bedingt auf sich warten. Doch Daniel Craig jagt auch in anderen Formaten gern mal als lässiger Ermittler Kriminellen hinterher. So steht er gerade in Griechenland für die Fortsetzung des Streifens „Knives Out“ vor der Kamera. Wie in einem Agatha-Christie-Film musste er sich im ersten Streifen durch kluge Befragungen dem Mörder nähern. Vor einem ähnlichen Fall steht Craig als Detektiv Benoit Blanc auch in seinem zweiten Film. Hier heißt das Opfer Christopher Plummer und die Liste der Verdächtigen ist lang.

Verhör

Das deutsche Fernsehen ist voll mit Krimis, unter anderem „Tatort“ und „Polizeiruf“ laufen mit Bestquoten seit 50 Jahren, und auch Streamingformate stillen immer wieder den Hunger nach neuen, spannenden Stoffen. Aber warum funktionieren Krimis eigentlich so gut, auch wenn sie so oft nach demselben Schema ablaufen? Unsere RND-Redakteurin Hannah Scheiwe hat den Medienforscher und „Tatort“-Experten Dennis Gräf von der Uni Passau dazu befragt. Er erklärt das übliche und gleichzeitig beliebte Muster: „Jedes Kriminarrativ hat eine Ordnung, die durch eine Tat in Instabilität gerät. Dann ist es Aufgabe des Detektions­prozesses, diese Störung wieder aufzuheben, sodass am Ende des Films eine neue Ordnung dasteht.“ Dabei unterscheiden sich die deutschen Krimis aber vor allem in einer Sache von denen anderer Länder wie Großbritannien und Österreich, wie er weiter im Interview verrät.

Am Tatort

Beim „Tatort“ ist das Anzahl der Toten im Laufe der Jahre angestiegen. Der Blick auf die Leiche wird also häufiger – hier von Gerichtsmedizinerin Dr. Kroll (Anja Antonowicz, links), Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Kommissarin Mila Sahin (Almila Bagracik) in einem Kieler Fall. © Quelle: Christine Schroeder/NDR/ARD/dpa

Klar, der „Tatort“ ist ein Produkt der Fantasie. Die Ermittlerinnen und Ermittler sind nicht echt, die Polizeireviere meist auch nicht. Und die Fälle sowieso nicht. Doch wie weit liegen Fiktion und Realität eigentlich auseinander? Das hat sich unser Daten­journalist Johannes Christ mal angesehen und Kriminal­statistiken mit Zahlen aus der Krimiserie verglichen. Wussten Sie zum Beispiel, dass in Deutschland immer weniger Menschen Opfer von Tötungsdelikten werden, während beim „Tatort“ im Laufe der Jahre die Anzahl der Toten gestiegen ist? Diese und weitere überraschende Erkenntnisse lesen Sie in der „Tatort“-Datenanalyse.

Kriminalstatistik

Dackeldouble gesucht: 1975 veranstaltete der Bayerische Rundfunk ein Dackelcasting, nachdem Oswald, der Hund des Münchner „Tatort“-Ermittlers Melchior Veigl, gestorben war. Über 200 Hundebesitzer und -be­sitzerinnen meldeten sich auf die Annonce, 80 Dackel wurden zu einem „Scheinwerfer­test“ eingeladen. Doch einen Nachfolger gab es dann doch nicht. Melchior Veigls Dackel wurde in den Filmen aus dem Präsidium verbannt – und der Herr Kommissar blieb fortan dackellos.

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