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Crime Time: Niels Högel wird zum True-Crime-Fall – echte Verbrechen werden von Sendern aufgerollt

  • Immer mehr reale Kriminalfälle werden von Sendern und Streaming-Diensten für True-Crime-Formate aufgegriffen.
  • So ist es nun auch mit der Mordserie des norddeutschen Todespflegers Niels Högel geschehen.
  • In unserem neuen Crime-Time-Newsletter werfen wir einen Blick darauf – und auf weitere (auch fiktive) Krimiangebote der nächsten zwei Wochen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

erinnern Sie sich noch an folgenden Kriminalfall? Der damals 38-jährige Niels Högel wurde am 28. Februar 2015 vom Landgericht Oldenburg zu lebenslanger Haft verurteilt. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor, Anfang der 2000er-Jahre, hatte der Intensivpfleger mindestens 87 Patienten und Patientinnen zweier Kliniken in Norddeutschland getötet. Eine Mordserie, die selbst im globalen Vergleich einzigartig in ihrem Ausmaß ist. Warum ich das jetzt erzähle? Weil der Fall des über die deutschen Grenzen hinweg bekannten Krankenhausmörders nun zum Stoff einer neuen Sky-Doku wird.

„Schwarzer Schatten“ (Start am 5. August) reiht sich ein in den aktuellen Boom von True-Crime-Formaten: Das Sky-Original sucht nach Hintergründen dieser unbegreiflichen Taten, die über die offensichtliche Geltungssucht des Pflegers hinausgehen. Dafür besucht das Regietrio um Showrunnerin Liz Wieskerkstrauch Zeugen oder Experten wie den Psychiatriechefarzt Prof. Karl H. Beine (70) aus Hamm, der sein halbes Leben lang schon Serienmorde an Hospitälern erforscht. Die Köpfe hinter der Doku erkunden aber vor allem auch die Begleitumstände eines überforderten Gesundheitssystems, in dem wirtschaftliche Interessen zusehends die Oberhand über medizinische gewinnen.

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Wie im Fall von „Schwarzer Schatten“ mit der Geschichte um den Todespfleger Högel beschäftigen sich aktuell die verschiedensten Sender und Streaming-Dienste in neuen True-Crime-Formaten mit bekannten, mysteriösen oder unterschätzten Kriminalfällen. So startet etwa ebenfalls in den nächsten zwei Wochen, bei Sky Crime, die Dokuserie „Outcry“, die den Kriminalfall des 2020 wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilten Highschool-Footballstars Greg Kelley neu aufrollt.

Sollte Ihnen das alles zu viel reales Verbrechen sein, seien Sie beruhigt: Wir können Ihnen in diesem Newsletter auch mehrere neue Krimiserien und -filme empfehlen, die vollkommen fiktiv sind. Viel Spaß also beim Lesen und Reinschauen!

Ihre Hannah Scheiwe

Augenzeugen

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Peter Thorwarths Hijacker-Blutbad „Blood Red Sky“ bei Netflix

Vampirin Nadja (Peri Baumeister) sorgt sich bei dem Flugzeugterror um ihren Sohn. © Quelle: Courtesy/Netflix
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Seit einem Zwischenfall in einer einsamen Waldruine ist die junge, alleinerziehende Mutter Nadja eine Vampirin. Doch dank Blutdurstsuppressoren hat sie das im Griff und kann es verheimlichen. Das ändert sich, als ihr Sohn an Bord eines Flugzeugs von Terroristen bedroht wird, und sie ihre gefährlichen Superkräfte nutzt, um ihn und die anderen Passagierinnen und Passagiere zu schützen. Es folgt der Kampf des guten Monsters, der Vampirin Nadja, gegen die bösen Menschen, die Terroristen.

„Das ist interessant, wiewohl nicht generell neu“, befindet RND-Autor Matthias Halbig, der sich etwa auf Stephen Kings verfilmte Kurzgeschichte „Der Nachtflieger“ beruft, in der es ebenfalls um Flugzeuge und Vampire geht. Erstmals aber sei in diesem von „Die Welle“-Autor Peter Thorwarth erzählten Netflix-Film der Vampir an Bord eines Jets ein Held – oder in diesem Fall eine Heldin. Dabei lasse sich „der übersinnlich angereicherten deutsch-englischen Hijacker-Action, die durch Kurzauftritte von internationalen Stars wie Graham McTavish („Outlander“) und Dominic Purcell („Prison Break“) weltweit vermarktbar wird, für einige Zeit mit einigem Interesse“ folgen. „Der Kampf der untoten Frau gegen die Todbringer ist souverän und temporeich inszeniert“, so unser Rezensent. Doch dann folgten logische Fehler und Geschmacklosigkeiten, die ihn enttäuschen.

„Blood Red Sky“ ist bereits bei Netflix streambar.

Disney+ zeigt die Serienversion der Krimikomödie „Scott und Huutsch“

Kennt noch wer die Tom-Hanks-Krimikomödie „Scott & Huutsch“ aus dem Jahr 1989? Die wird jetzt wiederbelebt: Als neue Disney+-Serie (ab 21. Juli) mit Josh Peck als Sohn des Filmhelden, der von seinem verstorbenen Vater einen Nachfahren der sabbernden Bordeaux-Dogge geerbt hat. Beide gehen gemeinsam auf Verbrecherjagd.

Dreamteam auf Verbrecherjagd: Josh Peck als Filmheld mit einem Nachfahren der sabbernden Bordeaux-Dogge aus der Originalgeschichte. © Quelle: disney+
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„Lustiger großer Hund geht immer“, findet RND-Redakteur Matthias Halbig, der sich die Neuverfilmung vorab angesehen hat. Sein Fazit: „Die Action ist dezent, die Krimispannung mittelprächtig, die Sprache ist maximal zart-derb, gestorben wird selbst nach Stürzen aus großen Höhen nicht.“ Disney verstehe sich immer noch auf sein einstiges Kerngeschäft – „die gute, alte harmlos-heitere Familienunterhaltung“.

„Scott und Huutsch“ ist bereits bei Disney+ streambar.

Dokuserie „Outcry“ zum Kriminalfall Greg Kelley

2020 wird der Highschool-Footballstar Greg Kelley beschuldigt und verurteilt, einen vierjährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Immer wieder wird in der Dokuserie „Outcry“, die den Fall erneut aufrollt, eine spezielle Szene gezeigt: Ein vierjähriger Junge erzählt ganz nebenbei bei einer Befragung, dass Greg ihm zweimal seinen „pee-pee“ in den Mund gesteckt hat. Die Aussage wird zum Hauptbeweis in dem Prozess.

Unter der Regie von Pat Kondelis‘ dokumentiert die Serie die ungewöhnliche Reaktion der Öffentlichkeit auf diesen Prozess, zeigt Originalaufnahmen von Befragungen und zahlreiche Gespräche, die Kondelis mit Kritikern und Befürwortern des Urteils geführt hat. Dabei werden Fehler der Behörden offengelegt, was laut RND-Kritiker Ernst Corinth dazu führt, dass die Sympathie der meisten Zuschauer wohl schnell dem verurteilten Greg Kelley gehört. „Dabei geraten allerdings die Opfer der Tat völlig in den Hintergrund“, so seine Meinung.

„Outcry – Die Suche nach der Wahrheit“ ist ab dem 26. Juli bei Sky Crime zu sehen.

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Dritte Staffel von „How to Sell Drugs Online (Fast)“: Ein rauschendes Finale

Drogendealer aus dem Kinderzimmer: die Schüler Moritz (Maximilian Mundt) und Kumpel Lenni (Danilo Kamperidis). © Quelle: -/Netflix/dpa

Fans erwarten diese Veröffentlichung sehnlichst: Ab dem 27. Juli läuft endlich die dritte und (voraussichtlich) letzte Staffel der Netflix-Erfolgsserie „How to Sell Drugs Online (Fast)“. Wir erinnern uns: Weil er der abtrünnigen Sandkastenliebe zeigen wollte, wie cool er ist, baute der lockige Nerd Moritz mit seinem Kumpel Lenny (Danilo Kamperidis) zu Anfang der Serie einen florierenden Onlinedrogenhandel auf, in dem die beiden Extasy im Wert von mehr als einer Million Euro vertickten. Die Grundgeschichte mit dem Drogenshop im Kinderzimmer basiert auf realen Ereignissen – das mit dem Liebeskummer wurde frei dazu erfunden.

Im Finale nun steht Moritz bei der holländischen Lieferfirma, in der er ein schickes CEO-Büro bezogen hat, unter Druck. Und auch die Ermittlungen des ehrgeizigen Polizisten (Florentin Will) machen bedrohliche Fortschritte. Aber Niederlagen setzen auch neue Energien frei und so kommt es zu einem „rauschenden Finale während des Abiballs, wo versehentlicher Drogenkonsum, rachsüchtige Lieferanten und polizeiliche Sondereinsatzkommandos für maximales Chaos sorgen“, so RND-Rezensent Martin Schwickert, der die Serie bereits vorab schauen konnte. Und er betont dabei auch, dass einige der geliebten Nebenfiguren zum Finale noch mal in neuer Form auflaufen. Übrigens: Mit der dritten Staffel ist der Erzählbogen abgeschlossen. Aber als Dankeschön an die Fans zaubert Netflix am 5. August noch mit „Shiny Flakes“ eine Doku über den echten Kinderzimmer-CEO Maximilian Schmidt aus dem Hut.

Die dritte Staffel „How to Sell Drugs Online (Fast)“ startet am 27. Juli bei Netflix.

Leben nach dem Terror: dänische Serie „Wenn die Stille einkehrt“ bei Arte

Ein Anschlag auf ein Restaurant in Kopenhagen ändert alles. 19 Menschen sterben, viele weitere sind betroffen. Die dänische Serie „Wenn die Stille einkehrt“ setzt bei dieser fiktiven, aber deswegen nicht weniger eindrücklichen Geschichte schon Tage vor dem Terroranschlag ein. Sie zeigt das Leben acht betroffener Protagonisten vor und nach dem Massaker. Etwa das von Justizministerin Elisabeth Hoffmann, deren Lebenspartnerin bei dem Anschlag stirbt und die – zuvor vehemente Verfechterin einer liberalen Flüchtlingspolitik – nach der Tat plötzlich durchsetzen will, dass der verdächtige Jamal, ein weiterer Protagonist und Sohn libanesischer Einwanderer, gefoltert wird, um ihn zu einer Aussage zu nötigen.

Die Serie erzählt diese Geschichte ebenso aufwühlend wie vielschichtig, wie RND-Kritikerin Cornelia Wystrichowski findet. Und natürlich wecke die Serie, die im Gegensatz zu vielen handelsüblichen Krimis die Opfer in den Vordergrund stelle, Erinnerungen an die islamistischen Terroranschläge der vergangenen Jahre, etwa das Attentat auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz oder die verheerende Anschlagserie von Paris 2015. „Die Serie gibt den Schicksalen der Opfer Raum, stellt die persönlichen Geschichten dabei aber in einen größeren Zusammenhang: Das Themenfeld Migration, Integrationspolitik und Fremdenfeindlichkeit zieht sich als roter Faden durch die Serie“, findet die Kollegin.

„Wenn die Stille einkehrt“ läuft am Donnerstag, 29. Juli, ab 22 Uhr bei Arte.

Elyas M‘Barek brilliert als junger Anwalt in „Der Fall Collini“

Elyas M‘Barek macht als Strafverteidiger Caspar Leinen erst einmal alles falsch. Er schmeißt die Robe über, wenn sie fehl am Platz ist. Er kennt das Mordopfer persönlich und soll nun den Mörder als Pflichtverteidiger vertreten. Doch es ist sein erster Fall. Und Leinen lernt schnell. So erkennt er, dass dieser Fall etwas mit einem alten Justizskandal zu tun hat und ermittelt auf eigene Faust.

Der Film, der auf dem gleichnamigen Buch von Ferdinand von Schirach basiert, kam 2019 ins Kino. Am 2. August feiert er TV-Premiere im Ersten. „Wie in allen verfilmten Werken des juristischen Schriftstellers geht es um eine moralische Größenordnung, die weit über diesen speziellen Fall hinausweist“, schreibt unser Autor Tilmann P. Gangloff. Lichtsetzung und Musik führen dazu zu Bildern von hoher Intensität. Und seiner Meinung nach lohnt sich das Einschalten: „Die darstellerischen Leistungen sind ohnehin ausnahmslos sehenswert.“

„Der Fall Collini“ läuft am 2. August um 20.15 Uhr im Ersten.

Sky-Doku „Schwarzer Schatten“ sucht nach Motiven des Krankenhausmörders Niels Högel

Den Todespfleger Niels Högel kennt wohl jeder in Deutschland. Er tötete Anfang der Nullerjahre mindestens 87 Patientinnen und Patienten in zwei verschiedenen Krankenhäusern. 2015 wurde er dann in mehreren Prozessen zu lebenslanger Haft verurteilt. Nun, wiederum sechs Jahre später, macht Sky daraus eine Doku und geht darin Motiven und Hintergründen der Mordserie auf die Spur.

„Während Boulevardmedien mit der Dämonisierung des Täters seinerzeit voll ausgelastet waren, kümmert sich ‚Schwarzer Schatten‘ mehr um soziokulturelle Faktoren hinter den Untaten“, berichtet RND-Rezensent Jan Freitag über das Format. Stringent fügen sich demnach die O-Töne von Beteiligten und Experten zum „Porträt einer Gesellschaft, die selbst das Grundlegendste dem Profit unterordnet: unser Wohlergehen“.

„Schwarzer Schatten“ ist ab dem 5. August bei Sky abrufbar.

Neueste Ermittlungen

Spiel des Jahres 2021: In „MicroMacro: Crime City“ müssen die Spielerinnen und Spieler Dutzende Mord- und Todesfälle aufklären. © Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Krimistoff gibt‘s nicht nur für den Bildschirm: Gerade wurde das Kriminalspiel „MicroMacro: Crime City“ zum Spiel des Jahres 2021 gekürt. Bei dem Wimmelbildspiel müssen auf einem großen, schwarz-weißen Stadtplan mit Hilfe von Karten gemeinsam 16 Kriminalfälle gelöst werden. Die Jury würdigte, es herrsche „knisternde Spannung im Raum. Alle Augen huschen über den Stadtplan, um ihm neue Informationen über die Verbrechen zu entlocken.“ Das Spiel biete „unvergessliche Momente“.

Verhör

So leicht gibt dieser Anwalt nicht auf: Elyas M’Barek als Caspar Leinen in „Der Fall Collini“.

Er kann mehr als Komödie: Im Politthriller „Der Fall Collini“, der am 2. August seine Fernsehpremiere hat (siehe oben), ist Elyas M‘Barek der Anwalt Caspar Leinen, der sich in seinem ersten Fall für Gerechtigkeit einsetzt und dabei so einige Hürden zu überwinden hat. Im Interview mit RND-Redakteur Stefan Stosch zum Kinostart des Films 2019 sprach der Schauspielstar aber nicht nur über die Geschichte nach der Romanvorlage von Ferdinand von Schirach, sondern auch über seinen eigenen Umgang mit Ungerechtigkeit – die er seinen Angaben zufolge „nicht ausstehen“ kann. „Tatsächlich wollte ich als Kind mal Anwalt werden. Wir können uns glücklich schätzen, in diesem so gut funktionierenden Rechtsstaat zu leben. Jeder gilt als unschuldig, solange er nicht verurteilt wurde. So geht es leider nicht in allen Staaten zu“, so seine Meinung.

Am Tatort

In Deutschland kennt jeder und jede den „Tatort“, zumindest vom Namen her. Die Krimiserie ist Kult, seit mehr als 50 Jahren gibt es sie. Doch wie sieht es eigentlich im Ausland aus? Haben etwa die USA, Großbritannien oder die Niederlande ihr eigenes „Tatort“-Pendant, das wöchentlich Millionen Menschen vor den Fernseher lockt? Das hat sich RND-Volontär Tim Herholz mal angesehen. So viel lässt sich verraten: An die Laufdauer vom „Tatort“ kommt keines der Krimiformate anderer Länder heran. Aber mit dem amerikanischen „CSI“, dem britischen „Poirot“ oder dem niederländischen „Flikken Maastricht“ haben auch andere Länder Kultserien, die landesweit bekannt sind.

Kriminalstatistik

Den „Tatort“ gibt‘s übrigens nicht nur als Filmreihe. Im Jahr 2008 war das Geburtsjahr der „Radio-Tatorte“ – die Krimis der ARD als Hörspiel. Zuletzt ist sogar ein interaktives Hörspiel der Reihe erschienen, bei dem Zuhörerinnen und Zuhörer über Sprachbefehle den Fall mit zahlreichen Handlungssträngen und Entscheidungsmöglichkeiten lösen können. Es geht dabei um Terror im Umfeld des Oktoberfestes, Hauptfigur in der Geschichte ist der Münchner Kriminalkommissar Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer).

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