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„Es herrschte Panik und Chaos“: Ein Paar erlebte auf seiner Hochzeitsreise die Katastrophe

Passagiere warten an Bord der „Costa Concordia“ auf ihre Rettung.

Passagiere warten an Bord der „Costa Concordia“ auf ihre Rettung.

Giglio. Um 21.45 Uhr, als die „Costa Concordia“ den Felsen vor Giglio rammte, waren Guido Gluschitsch und seine Frau bereits in ihrer Kabine: Das Paar aus Österreich war auf seiner Hochzeitsreise. An diesem Abend fühlten sich beide etwas kränklich, gingen früh zu Bett. „Wir waren bereits am Einschlafen, als das Schiff plötzlich einen Ruck machte und der Aschenbecher vom Tisch fiel“, erinnert sich Gluschitsch. Kurz darauf gingen die Lichter aus, dann kam der Strom wieder und fiel erneut aus … Angst habe er nicht gehabt, sagt der ehemalige Segellehrer und heutige Journalist: „Ich dachte, was soll da schon sein bei einem solchen Riesenschiff, das sind ja Hochsicherheitstrakte.“

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Guido Gluschitsch.

Guido Gluschitsch.

Doch dann ertönte der Alarm und die Durchsage, dass das Schiff evakuiert werde. Alle Passagiere gingen aufs Deck, es war Nacht und die Luft war eisig. „Bei der Evakuierung herrschte das totale Chaos, viele Passagiere wurden von Panik ergriffen“, erzählt Gluschitsch. Die Crew sei überfordert gewesen; das erste Rettungsboot sei, weil es offenbar nicht korrekt aus der Sicherung genommen wurde, voll besetzt aus drei bis vier Metern Höhe abgestürzt und hart auf das Wasser geklatscht. „Die Leute haben geschrien.“

„Das ist die größte Schande überhaupt“

Je mehr sich die „Costa Concordia“ zur Seite neigte, desto hektischer wurde es an Bord. Gluschitsch half alten und gebrechlichen Passagieren, in die Rettungsboote zu klettern: „Viele schafften das nicht aus eigener Kraft. Man darf nicht vergessen, diese großen Kreuzfahrtschiffe sind auch eine Art schwimmende Seniorenheime.“ Die philippinischen Besatzungsmitglieder hätten beherzt geholfen, während sich ein großer Teil der italienischen Crewmitglieder wie ihr Kapitän Francesco Schettino längst aus dem Staub gemacht hätten.

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Zehnter Jahrestag: Die Tragödie der „Costa Concordia“

Am 13. Januar 2012 kollidiert die „Costa Concordia“ vor der Insel Giglio mit einem Felsen. 32 Menschen sterben, der Kapitän wurde bis heute nicht verurteilt.

Gluschitsch und seine Frau wurden angewiesen, sich in ein Rettungsboot zu setzen. Es war das vorletzte, das die „Costa Concordia“ verließ. „Auf der Fahrt zum Hafen sah ich, dass unsere Kabine bereits überflutet war, obwohl sie sich ziemlich weit oben befunden hatte. Erst da wurde mir so richtig bewusst, wie ernst die Situation tatsächlich war.“ Trotz allem sei er nicht traumatisiert in dem Sinne, „dass ich den Eindruck hatte, dem Tod von der Schippe gesprungen zu sein“, beschreibt Gluschitsch seine Gefühle. „Was wir aber schwer ertragen haben, das waren die Augenzeugenberichte und Dokumentationen, die nach der Havarie immer wieder gezeigt wurden.“

Ungebrochen ist sein Groll über das Verhalten von Kapitän Francesco Schettino, der als einer der Ersten das sinkende Schiff verlassen hatte. „Das ist für einen Seemann einfach das Allerletzte, das ist die größte Schande überhaupt.“ Großartig sei dagegen die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung gewesen: „Die Menschen auf Giglio sind mitten in der Nacht aufgestanden, um zu helfen, um die verängstigten und frierenden Passagiere bei sich aufzunehmen. Das hat bei mir einen großen Eindruck und Dankbarkeit hinterlassen“, sagt Gluschitsch.

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