Coronavirus in China: Ein ganzes Land im Ausnahmezustand

  • Die Lage in China spitzt sich weiter zu.
  • Der Ausbruch des Coronavirus hält weiter an, das öffentliche Leben kommt zum Erliegen.
  • Und auch für die Wirtschaft hat der Ausnahmezustand enorme Folgen.
Fabian Kretschmer
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Hongkong. Am Sonntag trat Ma Xiaowei, Leiter der nationalen Gesundheitskommission, gleich mit zwei Hiobsbotschaften vor die internationale Presse in Peking: Zum einen würde die Übertragungsfähigkeit des mysteriösen Coronavirus derzeit weiter ansteigen. Und im Gegensatz zu SARS sei der neuartige Erreger aus Wuhan auch während der Inkubationszeit ansteckend. Dies macht eine Eindämmung ungleich schwerer, schließlich dauert es bis zu zwei Wochen, dass unwissentlich Infizierte erste Symptome der Lungenkrankheit zeigen. Die Anzahl an Infizierten könnte also weiter steigern, fügte der Leiter der chinesische Gesundheitsexperte an.

Dabei hat sich allein übers Wochenende die Verbreitung des Coronavirus erneut vervielfacht: Mit Stand vom Sonntag haben die Behörden knapp 2000 Infizierte bestätigt, 56 Tote und mehrere hundert Patienten in kritischem Zustand.

Die jüngsten Erkenntnisse der Gesundheitskommission erklären die radikalen Eindämmungsmaßnahmen der chinesischen Zentralregierung. Allein am Sonntag wurden über ein Dutzend solcher erlassen: So hat Peking etwa den Start des kommenden Sommersemesters für sämtliche Schulen und Universitäten auf unbestimmte Zeit verschoben. Die südchinesische Provinz Guangdong hat eine Atemschutzmasken-Pflicht für all seine Bürger im öffentlichen Raum eingeführt.

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Öffentliches Leben kommt zum Erliegen

Sämtliche Gruppenreisen von Ausländern ins Land wurden gestoppt, auch Chinesen dürfen keine Pauschalreisen mehr buchen – sowohl im In- als auch Ausland. Die Zentralregierung hat zudem den Handel von Wildtieren verboten, schließlich soll der Erreger auf einem Markt für exotische Tiere in Wuhan stammen.

Dort ist das öffentliche Leben praktisch zum Erliegen gekommen. Die 11-Millionen-Metropole hat am Sonntag nun auch sämtlichen Autoverkehr auf den Straßen verboten. Das US-Konsulat in Wuhan hat unterdessen die Evakuierung seiner Angestellten sowie einer begrenzten Anzahl an Zivilisten für Dienstag angekündigt. Auch die japanische, russische und französische Regierung plant eine Evakuierung seiner Staatsbürger aus der sechstgrößten Stadt des Landes.

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Zahl der Virus-Toten in China steigt
1:00 min
Trotz drastischer Gegenmaßnahmen nach dem Ausbruch der neuen Lungenkrankheit in China gibt es immer mehr Todesfälle in der Volksrepublik.  © Fabian Kretschmer/dpa

Die Lage der medizinischen Versorgung vor Ort ist prekär. Das belegen Videos, die auf den sozialen Netzwerken kursieren. Darauf zu sehen sind überfüllte Notaufnahmen, in denen Krankenschwestern verzweifelte Menschen nach Hause schicken müssen. In einem von Patienten gefilmten Video schreit ein Arzt in ein Telefon-Headset: „Feuern Sie mich einfach!“

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15 Mediziner haben sich angesteckt

Laut offiziellen Angaben haben sich mindestens 15 Mediziner in Wuhan mit dem Coronavirus angesteckt, ein Arzt ist bereits verstorben. Die Dunkelziffer liege jedoch viel höher, erzählte ein Arzt der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“. Demnach seien die Spitalangestellten ursprünglich nicht darüber informiert worden, dass sich das Virus auch über menschlichen Kontakt verbreiten könne. Zudem fehlten weiterhin Schutzausrüstung und Testkits.

Wirtschaftlich wird die Epidemie wohl schwerwiegende Folgen haben für China. Über ein Dutzend Städte in der Hubei-Provinz wurden abgeschottet und lahmgelegt. Zudem werden die Konsumausgaben während der chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten, die am Samstag begonnen haben, wohl massiv einbrechen.

2019 gaben die Chinesen in dieser Zeit umgerechnet 149 Milliarden Dollar aus. Das wird die angeschlagene Wirtschaft weiter schwächen. Derzeit wächst diese nur mit 6,1 Prozent, so langsam wie seit 30 Jahren nicht mehr. In einer ersten Einschätzung geht der Analysedienst Economist Intelligence Unit von einem Einbruch des Wachstums von bis zu einem Prozentpunkt aus.

Petitionen gegen „chinesische Staatsbürger“

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Auch im asiatischen Ausland reagieren die Leute hysterisch. In Südkorea ruft etwa eine Petition auf der Präsidenten-Website dazu auf, „chinesische Staatsbürger aus unserem Land zu verbannen“. Nach vier Tagen hat die Initiative bereits über 285 tausend Unterschriften gesammelt – obwohl zwei der insgesamt drei Infizierten in Südkorea auch südkoreanische Staatsbürger sind.

In Honkong fordern ebenfalls immer mehr Bürger von ihrer Lokalregierung, die Grenzen zum chinesischen Festland zu schließen. „Vor wenigen Wochen noch haben wir Hongkonger darüber geredet, welche Masken uns am besten vor dem Tränengas der Polizisten schützt. Heute diskutieren wir noch immer über Masken, aber welche, die uns vor dem Coronavirus aus China schützen können“, schreibt Demokratieaktivist Joshua Wong auf seinem Twitter-Account.

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