Vatertag in der Corona-Krise: Das ist an Himmelfahrt erlaubt, das ist verboten

  • Am Vatertag machen viele Männer und auch Frauen gern einen großen Gruppenausflug mit Bollerwagen und viel Alkohol.
  • Schon in den vergangenen Jahren hielten immer wieder Betrunkene Polizei und Rettungskräfte auf Trab – in Corona-Zeiten wird es für die Einsatzkräfte noch komplizierter.
  • Die Gewerkschaft der Polizei erwartet eine “zusätzliche Herausforderung”.
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Väter und andere Ausflügler müssen sich an Christi Himmelfahrt während der Corona-Pandemie auf Kontrollen und mitunter besondere Verbote einstellen. Die Regelungen sind dabei bundesweit nicht einheitlich, sondern je nach Bundesland unterschiedlich. Generell zählt jedoch: Die Kontaktbeschränkungen, die in den jeweiligen Bundesländern gelten, sind auch am Vatertag einzuhalten. Es gibt keine Lockerungen. Ausflüge in großen Gruppen sind also nicht möglich.

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Corona an Himmelfahrt – Keine Bollerwagen, kein Vatertag?
1:18 min
Donnerstag wird nicht nur Christi Himmelfahrt gefeiert, vielerorts knallen auch die Korken zum „Vatertag“.  © RND
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Alkoholausschankverbot im niedersächsischen Aurich wieder zurückgezogen

Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund hält besondere Verbote in diesem Jahr für ein geeignetes Mittel. “Gerade wenn man gewahr ist, dass es an einem Ort in den letzten Jahren ausgeufert ist, könnten sie in diesen besonderen Zeiten sinnvoll sein, damit Abstand gehalten wird”, sagte Sprecher Thorsten Bullerdiek. Angekündigt wurde so ein besonderes Verbot zuerst vom Landkreis Aurich in Ostfriesland, der am Montag schon wieder einen Rückzieher gemacht hat. Der Landkreis wollte am Donnerstag (21. Mai) verbieten, in den Außenbereichen von Gaststätten und Restaurants alkoholische Getränke auszuschenken oder zu verzehren - das ist nun aber doch erlaubt. Laut der Allgemeinverfügung ist aber der Außer-Haus-Verkauf von Alkohol verboten genauso wie Autodiscos und andere Autoveranstaltungen an dem Tag.

Die typischen Bollerwagentouren mit Teilnehmern aus mehr als zwei Hausständen können in Niedersachsen nach der landesweiten Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auch nicht wie üblich stattfinden. Danach muss in der Öffentlichkeit soweit möglich ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden, ausgenommen sind nur Personen aus dem eigenen oder einem weiteren Haushalt.

Im Kreis Stade kündigte die Polizei verstärkte Kontrollen an. Landrat Michael Roesberg (parteilos) erklärte: “Bollerwagentouren sollten in diesem Jahr nicht stattfinden!” Der Kreis verweist auf die aktuellen Vorschriften des Landes zur Einschränkung physischer Kontakte. Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit, die das Abstandsgebot von 1,5 Metern gefährden, seien untersagt. “Dies gilt insbesondere für Gruppenbildungen, Picknick oder Grillen im Freien.”

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Hannover hat per Allgemeinverfügung im Maschpark das Mitführen und die Benutzung von Glasbehältnissen wie Flaschen und Gläsern am Himmelfahrtstag verboten. Die Polizei Hannover will in Stadt und Umland deutliche Präsenz zeigen, vor allem an beliebten Treffpunkten. Auch die Polizeiinspektion Verden/Osterholz kündigte entsprechende Kontrollen an. Dabei werde man vor allem auch den Alkoholkonsum Minderjähriger im Blick haben. Im Landkreis Lüneburg sind Touren mit Kanu oder Floß auf der Ilmenau untersagt.

Details zu Regelungen in Hannover finden Sie hier bei der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung”.

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Bremen greift durch: Kein Bier auf Bollerwagen

In Bremen dürfen Gaststätten an Christi Himmelfahrt keinen Alkohol außer Haus verkaufen. Auch auf Bollerwagen oder Handkarren darf am Donnerstag, dem Vatertag, kein Alkohol in der Öffentlichkeit mitgeführt werden, wie Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Montag mit Blick auf eine Allgemeinverfügung für den 21. Mai ankündigte.

Kontrolle mit Augenmaß in Hamburg

Die Hamburger Polizei will an Vatertag mit Augenmaß auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus achten. „Wir in Hamburg kontrollieren da, wo wir glauben, dass Menschenansammlungen tatsächlich da sind“, sagte Polizeisprecher Holger Vehren am Dienstag. Als Beispiel nannte die Polizei vor allem die Ufer von Alster und Elbe sowie Naherholungsgebiete wie den Stadtpark. „Wenn das Wetter gut ist, werden wir deutlich präsenter sein“, betonte Vehren.

Wer erwischt wird, dem drohten Bußgelder ab 150 Euro. Laut Eindämmungsverordnung dürfen sich in der Hansestadt Gruppen bis zu zehn Personen aus zwei Haushalten treffen. Grillen und Picknicken sind nach der Verordnung ohnehin untersagt - Ausnahmen gelten nur für Wohnungslose.

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Virtuelle Reeperbahn-Tour am Vatertag

Väter, Männer und große Jungs müssen in diesem Jahr aber trotz der Corona-Pandemie nicht auf ihre Tour durch den Hamburger Kiez verzichten. Denn einige Geschäfte des berühmten Stadtteils St. Pauli wollen das Flair der Reeperbahn stattdessen mithilfe von Facebook in die Wohnzimmer bringen. An Christi Himmelfahrt, von 12 Uhr an, können die Besucher verschiedene kleine Läden auf und abseits der Reeperbahn live erkunden. Ob die Olivia Jones Bar, Weinladen, Taco-Restaurant, Barbershop, Craft-Beer-Shop, Atelier oder Schmidts Tivoli Theater - zu jeder vollen Stunde wird es einen etwa 30-minütigen Livestream aus dem jeweiligen Kiez-Geschäft geben.

Normale Kontaktbeschränkungen in Nordrhein-Westfalen

Besuche oder Treffen mit einem zweiten Haushalt - also einer weiteren Familie, einem Paar, einer WG oder Einzelperson außerhalb des eigenen Haushalts - sind in NRW wieder erlaubt, so auch am Vatertag. Allerdings gelten noch bis Anfang Juni weiterhin die Kontaktbeschränkungen: Mehr Leute darf man nach den Vorgaben nicht treffen. Touren mit Bollerwagen, Alkohol und der ganzen Clique sind also ausgeschlossen. So appellierte der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) in einer Videobotschaft: „Liebe Väter, Vatertag kann man nicht so feiern wie sonst. Das ist aber, glaube ich, jedem klar. Aber ich hoffe, dass wir nächstes Jahr wieder zu unserem Recht kommen.“

Bollerwagentour mit Einschränkungen in Bayern

Der Bollerwagen darf in Bayern auch am diesjährigen Vatertag rausgeholt werden - jedoch mit Einschränkungen. „Große Gruppenausflüge kann es dieses Jahr nicht geben“, erklärte ein Polizeisprecher am Montag in München. Erlaubt seien auch an Christi Himmelfahrt nur Treffen mit Menschen aus maximal einem weiteren Haushalt. „Wir werden auf jeden Fall kontrollieren, ob die Abstände eingehalten werden und dass es nicht zu Massenansammlungen kommt“, so der Sprecher weiter.

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Die beliebten Ausflüge mit dem Bollerwagen müssen am Donnerstag daher in etwas kleinerer Form stattfinden. Wer sich am Vatertag lieber gemütlich auf ein kaltes Getränk treffen möchte, kann das seit Montag wieder im Biergarten machen. Auch hier gilt: Man darf sich nur mit Personen aus höchstens einem weiteren Haushalt treffen.

Auch Ausflüge in die Berge oder an Seen sind unter diesen Voraussetzungen erlaubt, solange die Abstandsregeln zu anderen Menschen eingehalten werden, wie eine Polizeisprecherin in Augsburg sagte.

Berliner Polizei kontrolliert auch an Himmelfahrt Corona-Verordnung

Die Berliner Polizei will die Corona-Verordnung auch an Himmelfahrt an diesem Donnerstag kontrollieren und durchsetzen. Ausflugslokale, Parks und Badeseen würden im Rahmen der üblichen Streife überprüft, sagte Sprecher Michael Gassen am Dienstag. Am Vatertag komme erschwerend hinzu, „dass der ein oder andere lockerer wird“ und es mit den Abstandsregeln womöglich nicht mehr so genau nimmt. Laut Gassen werden aber vorab keine Verbote für bestimmte Plätze oder Orte aufgestellt - dafür gebe es keine Grundlage. In Berlin müssen Menschen grundsätzlich einen Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander einhalten, es sei denn, sie leben zusammen.

Mecklenburg-Vorpommern setzt auf Vernunft der Bürger

Feiernde Gruppen sind auch in Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor nicht erlaubt. Die Mitglieder zweier Haushalte dürfen sich inzwischen in der Öffentlichkeit treffen, für Feiern gilt dies allerdings nicht. Diese seien nach wie vor nur in der Kernfamilie möglich. „Es gilt nach wie vor das Kontaktverbot. Es soll verhindert werden, dass Kontakte ständig wechseln oder Fremde miteinander in Kontakt kommen“, so Mathias Diederich (CDU), stellvertretender Landrat von Nordwestmecklenburg, zur “Ostsee-Zeitung” (OZ). Ausflüge sind also nur im Kreis des eigenen und eines weiteren Hausstandes erlaubt.

Eine Sonderregelung zum Alkoholausschank ist aber nicht geplant. "Wir sind froh, dass es schrittweise im Gastrobereich wieder vorwärts geht. Wir setzen auf die Vernunft der Bürger“, sagt Gunnar Bauer, Sprecher des Wirtschafts- und Gesundheitsministeriums in Schwerin, der OZ.

Weitere Details zu Regelungen in Mecklenburg-Vorpommern an Vatertag finden Sie hier und hier bei der “Ostzee-Zeitung”.

Timmendorf legt Maßnahmenkatalog vor

Für Timmendorf in Schleswig-Holstein hat der Bürgermeister Robert Wagner (parteilos) der Stadt einen Maßnahmenkatalog für Himmelfahrt und Pfingsten vorgelegt, der unter anderem vorsieht, dass keine Radfahrer auf den Strandpromenaden erlaubt sind und der Timmendorfer Platz am Vatertag für Fahrzeuge gesperrt wird genauso wie alle Strandzugänge. Mehr dazu gibt es bei den “Lübecker Nachrichten”. Tagestouristen dürfen zu Christi Himmelfahrt und dem darauf folgenden Wochenende sowie an Pfingsten nicht auf Schleswig-Holsteins Nordseeinseln und die meisten Halligen. Auch für St. Peter-Ording gilt an beiden Wochenenden ein Betretungsverbot. Am Montag hat sich die Landesregierung mit den Landräten von Nordfriesland und Ostholstein sowie den Bürgermeistern beraten.

Polizei richtet sich auf arbeitsintensiven Vatertag ein

Für die Polizei in Deutschland könnte Himmelfahrt dieses Jahr besonders herausfordernd werden. “Das ist ein Tag, der an sich schon immer sehr arbeitsintensiv ist, und das wird in den Pandemie noch mal eine zusätzliche Herausforderung sein”, sagt Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auch in den Jahren zuvor habe es am Vatertag vermehrt Polizeieinsätze gegeben, weil “Alkohol enthemmt und zum Teil auch zu Gewalt führt”. So werde die Polizei auch dieses Jahr wieder an “neuralgischen Punkten wie Parks oder Badeseen” vermehrt präsent sein.

“Die Menschen wollen auch in dieser Zeit raus und feiern”, sagt Radek über die Corona-Krise. Die Polizei müsse also zusätzlich darauf achten, dass die Kontaktbeschränkungen eingehalten werden. “Wer die Auflagen einhält, hat auch keine Konflikte mit der Polizei”, sagt er. Auch angemeldete und genehmigte Versammlungen würden von der Polizei geschützt. Radek erwartet aber für diesen arbeitsfreien Tag auch wieder unangemeldete “Hygiene-Demos”, wie es sie bereits an den vergangenen Wochenende in verschiedenen Städten gab. “Das muss man mit im Kalkül haben, dass die Versammlungsfreiheit auch wieder missbraucht wird”, sagt er.

RND/hsc/dpa

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