Oktoberfestwirt Käfer zum RND: “Auch eine Wiesn light ist unrealistisch”

  • Großveranstaltungen aller Art sind wegen der Corona-Pandemie bis Ende August in Deutschland abgesagt.
  • Eine Entscheidung für das Oktoberfest 2020 in München soll in den kommenden beiden Wochen fallen.
  • Wiesn-Wirt und Großgastronom Michael Käfer sieht keine Chance - auch nicht für eine abgespeckte Version des Volksfestes.
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Es ist für viele die schönste Zeit im Jahr, auch für Michael Käfer. 16 Oktoberfesttage wären es normalerweise wieder im Herbst, an denen Touristen aus aller Welt die Münchener Theresienwiese bevölkern würden, an denen Wiesn-Wirt Michael Käfer Zehntausende Menschen in seiner Käfer-Schenke begrüßen würde. Doch wegen der Corona-Pandemie steht das Oktoberfest 2020 auf der Kippe. Eine klare Entscheidung steht noch aus. Bis zum 31. August hat die Bundesregierung schon einmal alle Großveranstaltung in Deutschland untersagt. Die diesjährige Wiesn würde am 19. September beginnen.

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Er könne sich aus jetziger Sicht “kaum vorstellen, dass eine solch große Veranstaltung überhaupt möglich ist zu dem Zeitpunkt”, betonte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) noch einmal am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. In den kommenden zwei Wochen wolle er sich mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beraten und eine Entscheidung treffen. “Wir sind beide sehr, sehr skeptisch”, sagte Söder. Jetzt diskutieren viele über eine abgespeckte Variante des größten Volksfestes der Welt.

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Auch wenn sich einige Wiesn-Wirte und selbst der Münchener Virologe Alexander Kekulé - unter strengen Vorkehrungen - eine Wiesn nur für Einheimische vorstellen können, glaubt Großgastronom Michael Käfer nicht daran: “Die Idee einer Wiesn light oder ähnliche Überlegungen sind natürlich reizvoll, aber bei näherem Hinsehen dann doch unrealistisch”, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Auf einem Volksfest Abstandsregelungen einzuhalten, sei illusorisch. In Restaurants mit einer überschaubaren Anzahl an Tischen gehe das, “aber in einem Bierzelt mit mehreren tausend Plätzen, Musik und Alkohol wird es nicht durchzusetzen sein”.

“Keine rechtliche Grundlage für eine nicht umkehrbare Absage”

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Ähnlich kritisch sieht das Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU). Das Oktoberfest ist aus seiner Sicht nur in der bekannten Form denkbar. An Spekulationen über Ausweichszenarien wolle er sich als Veranstalter nicht äußern, sagt Baumgärtner auf RND-Anfrage, “schon allein, weil der Organisationsaufwand ein gutes Jahr in Anspruch nimmt”. Er rechne mit einer Entscheidung vom Freistaat im Einvernehmen mit der Stadt, wenn feststeht, was die medizinischen Experten raten und welche gesundheitspolitischen und sicherheitsrechtlichen Vorgaben erlassen werden. Baumgärtner weist aber daruaf hin: “Für eine nicht umkehrbare Absage des Oktoberfests gibt es heute keine Rechtsgrundlage.”

Die Absage der Wiesn mit ihrem Wirtschaftswert von mehr als 1,5 Milliarden Euro würde nicht nur die Schausteller und Wirte treffen, sondern auch die Münchner Tourismuswirtschaft und deren gesamte Wertschöpfungskette, erklärt Wirtschaftsreferent Baumgärtner. Die wirtschaftlichen Folgen einer Absage trage jeder Unternehmer selbst, grundsätzlich stünden ihnen die Soforthilfen von Bund und Ländern zur Verfügung.

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Am Montag vor Ostern hatte Baumgärtner noch erklärt, dass die Wiesn weiter wie gewohnt geplant werde. Man wolle bis zum letztmöglichen Zeitpunkt die Lage beobachten, bevor eine nicht umkehrbare Entscheidung getroffen werde. “Das wird spätestens im Juni sein”, hieß es vom Wiesn-Chef dort.

Bis zu 20.000 Gäste normalerweise in der Käfer-Wiesn-Schänke

Die Käfer Wiesn-Schänke ist seit 47 Jahren eines der beliebtesten Ziele auf dem Oktoberfest, 15.000 bis 20.000 Gäste bewirtet Käfer nach eigenen Angaben dann pro Tag, darunter viel Prominenz aus Politik und Sport. Der Großgastronom plant aktuell zwar weiter, als würde alles stattfinden, aber nur “in sehr geringem Ausmaß”. Man könne jetzt nur die Entscheidung der Stadt München abwarten, sagt der 62-Jährige. Solange widmet sich der Eventcaterer Corona bedingt auch anderen Aufgaben - und bietet derzeit seine Dienste den Münchener Altenpflegeeinrichtungen an.

Ansturm auf das Oktoberfest: So voll war die Wiesn beim Eröffnungswochenende 2019. Jährlich besuchten bisher etwa sechs Millionen Menschen aus aller Welt das Volksfest. © Quelle: Getty Images

Sollte das Oktoberfest 2020 tatsächlich abgesagt werden, würde das ein großes finanzielles Loch in die Kassen von Gastronomie, Hotellerie und Unternehmer der gesamten Region reißen. Beziffern will Feinkosthändler Käfer seinen Umsatzverlust nicht, der sei aber natürlich “umso schmerzlicher, nachdem auch unser Partyservice und die Gastronomie gerade von den Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus betroffen sind". Kreativität sei für alle in diesen Zeiten gefragt.

Auch die Köpfe hinter der Wiesn denken in alle Richtungen - eine Wiesn nur für Münchener, eine doppelte Wiesn im nächsten Jahr - Käfer sieht auch das kritisch: Neben den logistischen Voraussetzungen wie Einlasskontrollen stelle sich auch die Frage, ob sich die hohen Kosten für Auf- und Abbau, Personal, Sicherheit etc. bei deutlich geringerem Besucheraufkommen überhaupt rechnen. Eine nachgeholte zusätzliche Wiesn im Frühjahr 2021 käme für ihn nicht in Frage. Zum einen, weil das Fest im Herbst eine einmalige Tradition habe, “zum anderen wäre das wegen der Auf- und Abbauzeit logistisch gar nicht zu machen”.

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Auf dem größten Volksfest der Welt werden normalerweise sechs Millionen Besucher aus aller Welt erwartet. 600 Polizisten und noch einmal so viele Rettungskräfte waren 2019 im Einsatz. Es gab 1400 Toi­letten (Sitzplätze) und rund tausend Meter Pissoirfläche (Stehplätze). Eine halbe Million Brathendln wurden im vergangenen Jahr verspeist, 7,5 Millionen Maß Bier getrunken.

Noch läuft der Countdown auf der offiziellen Wiesn-Website, so als gebe es keine Corona-Pandemie. So als würde der Wahnsinn wie gewohnt losgehen, zum 187. Mal, in 155 Tagen und ein paar Stunden.

RND


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