Land der Corona-Ahnungslosen: Viele in Myanmar wissen nichts von der Pandemie

  • Alle Welt weiß Bescheid über Corona, Covid-19, soziale Distanz und Schutzmöglichkeiten.
  • Im äußersten Westen von Myanmar aber wurden Bezirke aus Angst der Regierung von Aung San Suu Kyi vor Aufruhr vom Internet abgeschnitten.
  • 800.000 Menschen wissen dort nichts über die Pandemie, Menschenrechtler warnen, dass hier wissentlich Leben aufs Spiel gesetzt würden.
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Corona und Covid-19 sind in weiten Teilen der Welt die Begriffe, die die Menschen 2020 so oft gehört haben wie keine sonst. Das Virus, das auf seinem verheerenden Zug um die Welt Millionen Infizierte und Zehntausende von Toten hinterlässt, prägt seit März die Welt und die Berichterstattung. Wochenlang gab es gefühlt keine einzige Zeitungsseite ohne Berichte über das Virus und das von ihm verursachte Krankheitsbild. Das Internet quoll über von Virusgeschichten und Infektionszahlen.

Im umkämpften äußersten Westen von Myanmar aber dürfte es derzeit Hunderttausende Menschen geben, die möglicherweise noch nie etwas von beidem gehört haben. Geschuldet ist dies einem lange währenden Internet-Shutdown, wie jüngst Menschenrechtsgruppen berichteten.

Im vorigen Juni hatte die Regierung von Myanmar, angeführt von Regierungschefin Aung San Suu Kyi, das Internet in neun Bezirken abgeschaltet. Man war besorgt, via Web könnten Zusammenstöße zwischen dem Militär von Myanmar und Aufständischen befeuert werden. Ein Bezirk ist inzwischen wieder online, aber acht andere mit einer Bevölkerung von rund 800.000 Menschen verharren nach wie vor im Informationsloch.

Myanmar: Amnesty International sieht Menschenleben bedroht

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Amnesty International und Human Rights Watch geben zu bedenken, dass damit ganz klar Menschenleben auf dem Spiel stehen – nicht nur, weil verhindert wird, dass Bewohner Menschenrechtsverstöße kundtun können, sondern weil so Hunderttausende nichts über öffentliche Gesundheitskampagnen in Zusammenhang mit der Pandemie erfahren.

“Durch den bewaffneten Konflikt zwischen dem Militär von Myanmar und der Arakanischen Armee im Teilstaat Rakhine inmitten der Pandemie ist es äußerst schwierig für Zivilisten, an die Informationen zu gelangen, die sie bräuchten, um gesund zu bleiben”, sagt Linda Lakhdir von Human Rights Watch.

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Bislang hat Myanmar laut CNN offiziell sechs Covid-19-Tote zu beklagen. 64.532 Personen wurden getestet, 292 Corona-Tests fielen positiv aus. Auch in zwei Townships im Norden von Rakhine, wo mehr als 100.000 Rohingya-Flüchtlinge in überfüllten Lagern leben, hatte es einige Fälle gegeben. Viele Rohingya sind dorthin vor den Säuberungsaktionen geflohen, die das Militär im Jahr 2018 durchführte. Die Vereinten Nationen haben aufgrund der Gräueltaten gegen die muslimischen Rohingya ein Tribunal gegen das Militär von Myanmar gefordert – wegen Völkermords.

“Ich muss die Sache mit der Pandemie ganz von vorn erzählen”

Die Regierung von Aung San Suu Kyi hatte nach Bekanntwerden der Ausbreitung des Coronavirus eine Vorbeugungskampagne unter dem Motto “Keiner wird zurückgelassen” ins Leben gerufen. Und dann blieben eben doch Bürger von Myanmar zurück. Parlamentsmitglied Htoot May, der den Arakanischen Bund für Demokratie im Oberhaus vertritt, sagte am Sonntag gegenüber CNN, dass die Menschen im Norden von Rakhine noch nie etwas von den Gesundheitshinweisen bezüglich des Corona-Virus mitbekommen hätten.

“Frage ich die Leute meines Wahlbezirks, ob sie über Covid-19 Bescheid wissen, muss ich die Sache mit der Pandemie ganz von vorn erzählen”, sagt Htoot May. “Ich muss ihnen erklären, was soziale Distanz bedeutet und wie man das mit der Handhygiene richtig macht.”

RND/big

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