Wenn das Leben zurückkehrt: In diesen Regionen liegt die Inzidenz jetzt bei 0

  • In insgesamt zehn Städten und Kreisen ist das Coronavirus besiegt – zumindest für den Moment.
  • Besonders vorbildlich zeigt sich der Norden mit mehreren Landkreisen, die eine Inzidenz von 0 aufweisen.
  • Problemkind bleibt die Stadt Schweinfurt in Unterfranken.
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Bayreuth/Flensburg/Jever. Es klingt zu schön, um wahr zu sein: In insgesamt elf deutschen Städten und Landkreisen ist das Coronavirus besiegt. Zumindest für den Moment. Von Nord bis Süd melden Regionen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 0, mit der auch weitere Lockerungen einhergehen. Dies gilt am heutigen Donnerstag, 17. Juni, für die folgenden Städte und Kreise:

  • Stadt Flensburg
  • Landkreis Helmstedt
  • Landkreis Lüchow-Dannenberg
  • Landkreis Ammerland
  • Landkreis Friesland
  • Landkreis Wesermarsch
  • Stadt Neustadt a.d. Weinstraße
  • Stadt Pirmasens
  • Landkreis Donnersbergkreis
  • Stadt Bayreuth
  • Stadt Straubing

Flensburg: Vom Corona-Hotspot zur Vorzeigestadt

In Flensburg spüre man deutlich, dass inzwischen so etwas wie Normalität zurückkehre, wie Stadtsprecher Clemens Teschendorf dem RND erzählt. Bis dahin sei es aber ein steiniger Weg gewesen. Noch vor einigen Monaten stand Flensburg nämlich am anderen Ende der Liste, die Stadt gehörte mit einer Inzidenz von 200 zeitweise zu den größten Corona-Hotspots des Landes.

Was genau die Ursache dafür war, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Vermutet werden jedoch mehrere private Silvesterfeiern. Als eine der ersten Städte kam Flensburg Anfang des Jahres auch mit der Virusvariante Alpha (Mutante B.1.1.7) in Kontakt, die – so vermutet Teschendorf – zunächst aus Dänemark den Weg in die Stadt fand. Innerhalb kürzester Zeit verschlechterte sich die Lage dramatisch.

Doch die Stadt reagierte. Mit Aufklärungskampagnen und zahlreichen Teststationen, noch bevor die Testverordnung des Bundes in Kraft trat. Aber auch harte Maßnahmen gehörten dazu: Zeitweise galten in Flensburg eine Ausgangssperre sowie harte Kontaktbeschränkungen. Anfang des Jahres durften Flensburger Bürgerinnen und Bürger nur noch eine weitere Person treffen. Sogar beim Einkaufen gab es Beschränkungen: Hier durfte nur noch eine Person aus einem Haushalt die Geschäfte betreten.

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Aufatmen an der Küste

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Die Maßnahmen zeigten Erfolge: Schon im Frühjahr lag die Inzidenz unter dem Landesdurchschnitt, inzwischen gilt Flensburg mit 0 neuen Infektionen als Vorzeigeregion. Damit das so bleibt, wolle man auch weiter Vorsicht walten lassen, sagt Teschendorf. Vor allem die Kontaktnachverfolgung und Quarantäneanweisungen bei möglichen neu gemeldeten Fällen seien weiterhin streng.

Ein ähnliches Bild wie in Flensburg zeigt sich an der niedersächsischen Nordseeküste, wenngleich diese nie so stark von Corona betroffen war. In Friesland liegt die Inzidenz ebenfalls bei 0, auch am heutigen Mittwoch wurde kein weiterer neuer Fall gemeldet, wie Landrat Sven Ambrosy auf RND-Anfrage mitteilt.

In Friesland habe man schon seit Monaten vergleichsweise niedrige und stabile Inzidenzen, sogar eine der niedrigsten Gesamtinzidenzen in Deutschland, sagt der Landrat. Der Grund: Strikte Regelungen, eine enge und auch frühe digitale Kontaktnachverfolgung, Impfungen sowie ein umfangreiches Testangebot. Allerdings spiele sicherlich auch das gute Wetter eine Rolle, vermutet Ambrosy.

Hoffnungen für den Tourismus

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„Wir haben an die Landesregierung bereits letzte Woche die Bitte gerichtet, dass es in der nun anstehenden Novelle der Corona-Landesverordnung weitere Lockerungen für Niedriginzidenzkommunen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 10 gibt“, erklärt Ambsory. Das solle insbesondere für Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich und das Tragen von Masken draußen gelten. Entsprechende Lockerungen seien bereits angekündigt worden.

„In Friesland werden wir die möglichen Lockerungen dann – wie auch bisher – schnellstens ermöglichen und umsetzen und dabei natürlich immer die aktuelle Inzidenz und Entwicklung im Blick behalten“, versichert der Landrat.

Diese Lockerungen seien auch für den Tourismus wichtig und „dringend nötig“, wie Ambrosy sagt – schließlich ist Friesland mit seinen vielen Ferienorten und der Insel Wangerooge eine Touristenregion. „Die Betriebe vor Ort sind vorbereitet, Hygienekonzepte werden umgesetzt und die Gäste können sich hier sicher und wohl fühlen. Mit über 20 Testzentren im Landkreis bieten wir zudem die erforderliche Infrastruktur für regelmäßige Tests.“

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Im Norden läuft es besser

Gleichzeitig richtet der Landrat aber auch einen Appell an die Gäste: „Wir bitten alle, weiterhin achtsam zu sein und die Hygieneregeln zu beachten. Wir bitten auch darum, sich auch dann, wenn die Testpflicht für Niedriginzidenzkommunen in verschiedenen Bereichen gelockert werden sollte, freiwillig regelmäßig testen zu lassen – zur eigenen und zur Sicherheit der Mitmenschen.“

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Generell steht der Norden bei den Corona-Zahlen ganz besonders gut da. Fünf der elf Städte mit Nuller-Inzidenzwerten befinden sich in Niedersachsen. Doch auch der Süden kann aufatmen.

In Bayreuth, ebenfalls eine der Städte mit Null-Inzidenz, fällt die Testpflicht für viele Bereiche des öffentlichen Lebens inzwischen weg. Auch auf den stark frequentierten öffentlichen Straßen und Plätzen der Innenstadt dürfen sich Bürger wieder ohne Maske bewegen. Das sei ein „großer Schritt in Richtung Normalität, die wir uns ja alle sehnlich wünschen“, sagt Stadtsprecher Joachim Oppold dem RND.

Lockerungen auch im Süden

Die Stadt prüfe derzeit, ob über den Weg von Ausnahmegenehmigungen etwa der Kulturszene in Bayreuth noch mehr Möglichkeiten in puncto Besucherzahlen eröffnet werden können. „Im Bereich des Sports ist die Stadt diesen Weg – in Abstimmung mit der Regierung von Oberfranken – bereits bei zwei Outdoorveranstaltungen gegangen“, so Oppold.

Klar sei aber auch: Die Situation bleibe fragil. „Wir haben in den vergangenen Wochen wiederholt erleben müssen, dass das Infektionsgeschehen in der Pandemie unberechenbar sein kann. Wir hatten auch schon Phasen, in denen wir in Sachen Corona-Infektionen überdurchschnittlich schlecht dastanden“, so der Stadtsprecher.

Alles in allem habe die Stadt in den vergangenen Monaten ihre Hausaufgaben aber gemacht und Vorgaben konsequent umgesetzt. „Die Bevölkerung ist diesen Weg mitgegangen und hat kräftig unterstützt. Das ist natürlich ganz entscheidend bei der Wirksamkeit der Maßnahmen.“

Problemkind Schweinfurt

An die Bevölkerung appelliert die Stadt daher auch, mit den wiedergewonnenen Freiheiten verantwortungsbewusst umzugehen. „Corona ist und bleibt unberechenbar. Deshalb gilt es unverändert, die Standards weiter zu beachten und zu pflegen, bei denen Abstand und Vorsicht ganz oben stehen“, so Oppold.

Nur etwa 100 Kilometer von Bayreuth entfernt, nämlich in Schweinfurt, zeigt sich, wie begründet die Befürchtungen sind. Die fränkische Stadt gilt derzeit als absoluter Corona-Hotspot, am Mittwoch stieg die Inzidenz im Vergleich zum Vortag (80) sogar noch einmal – und zwar auf einen Wert von 84.

Laut der Stadt Schweinfurt wurden insbesondere Familienzusammenkünfte als Corona-Herde ausgemacht. Die beiden betroffenen Familien würden in der Innenstadt wohnen und sich in Quarantäne befinden, teilte die Stadt Anfang der Woche mit. Eine Verbindung zwischen den Familien konnte nicht festgestellt werden. Ebenso wenig sei derzeit eine vorangegangene Feierlichkeit bekannt, die Auslöser der Infektionen hätte sein können.

Stadt und Landkreis versprechen Aufklärung

Der Schweinfurter Gewerbeverein hatte in dieser Woche gedroht, Strafanzeige gegen das Gesundheitsamt zu stellen, sollten die Inzidenzzahlen weiter steigen. Laut Gewerbeverein sei dafür die unzureichende Kontaktnachverfolgung des Gesundheitsamtes verantwortlich. Nun befürchtet der Verein erneute Geschäftsschließungen und Verluste für den Einzelhandel, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) und Landrat Florian Töpper (SPD) betonten gemeinsam mit dem Gesundheitsamt, alles daran zu setzen, um die Infektionskette zu unterbrechen und noch besser aufzuklären.

Einige Kreise noch über 35

In einigen Städten liegt die Inzidenz noch immer über dem Wert 35, etwa in Heilbronn in Baden-Württemberg. Dort liegt der Wert derzeit bei 46,6, die Corona-Regeln wurden zuletzt wieder verschärft. Auch in Eisenach in Thüringen liegt die Inzidenz bei 40,2. Auch hier müssen sich Bürgerinnen und Bürger wieder auf härtere Beschränkungen einstellen. In Mainz in Rheinland-Pflanz war die Inzidenz zuletzt auf 37,5 gestiegen.

In anderen Landkreisen, etwa dem Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen (35,2), ist der Inzidenzwert inzwischen spürbar im Sinkflug.

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