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Amerikanerin liegt im Sterben – und spricht darüber zu Alexa

  • Die 66-jährige LouAnn Ragen aus Michigan erkrankte schwer an Covid-19.
  • In ihren letzten Tagen sprach sie mit der Amazon-Assistentin Alexa über ihre Schmerzen.
  • In Ragens Pflegeheim wurden 31 Patienten und fünf Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert.
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Lou AnnRagen war eine von 31 Bewohnern und fünf Mitarbeitern des Metron-of-Cedar-Springs-Pflegeheims im US-Bundesstaat Michigan, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Die Infektion wurde vor einigen Wochen bei ihr festgestellt, wie der zu CNN gehörende Sender Wood-TV berichtete.

Die Diabetikerin, die bereits vor zehn Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte, und seither in Pflege lebt, bekam schließlich so schwere Symptome der Lungenkrankheit Covid-19, dass sie am vergangenen Samstag in die Notaufnahme des örtlichen Hospitals eingeliefert wurde. Blutdruck und Sauerstoffgehalt im Blut waren gefallen, kurz darauf ist sie gestorben, wie ihre Schwester Penny dem Sender erzählte.

“Der Schmerz ist Stufe 10 – bitte, hilf mir!”

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Ein paar Tage nach dem Tod ihrer Schwester öffnete Penny die Alexa-App auf LouAnns iPad. Und fand rund 40 Aufnahmen, die mit ihrem eigenen iPad verlinkt waren, auf denen LouAnn mit der virtuellen Amazon-Assistentin über ihre Schmerzen sprach. Sätze wie “Ich stehe unter Schmerzen. Ich muss einen Weg finden, sie zu lindern” oder “Was kann ich bloß tun, damit diese Schmerzen aufhören?” waren zu hören. Penny erinnert sich an einen ähnlichen Anruf, der sie erreichte. “Sie rief mich um vier Uhr in der Frühe an und sagte 'Penny, dieser Schmerz ist Stufe 10, er ist eine 10 – bitte, hilf mir!‘”

“Wir waren traurig, als wir diese Nachricht hörten”, sagte ein Amazon-Sprecher am heutigen Freitag gegenüber CNN. Heutzutage könnten Kunden Alexa bitten, Familienmitglieder oder Freunde anzurufen oder Dienste wie “Ask my Buddy” einrichten, der jemanden in deinem persönlichen Umfeld dahingehend alarmiert, dass er bei einem vorbeischaut.“ Ob die Schwestern Alarme bei Alexa eingerichtet hatten, ist laut CNN nicht bekannt.

Das Heim beteuert, alles richtig gemacht zu haben

Ragens Heimleiter Paul Pruitt versicherte, die Insassin habe “hervorragende Fürsorge” bekommen. Als die Symptome sich rasch verschlimmerten, sei sie umgehend ins Krankenhaus verbracht worden. Details über ihre körperliche oder seelische Verfassung dürfe er nicht preisgeben. Ihre Schwester Penny erzählte CNN, dass LouAnn schon zu Beginn der Woche, an deren Ende sie eingeliefert wurde, Atemprobleme gehabt habe. Das Heim habe ihr gesagt, trotz der Infektion habe sie keine erhöhte Temperatur aufgewiesen.

Sobald die Hausarrestregeln aufgehoben würden, plant Penny, ihre Schwester einäschern zu lassen und einen Erinnerungsgottesdienst in der Camp-Lake-Baptistenkirche abhalten zu lassen.

Bewohner von Alten- und Pflegeheimen gehören zu den Hochrisikogruppen der Corona-Pandemie. Aus vielen Ländern werden hier verheerende Infektionsketten gemeldet, auch in Deutschland starben viele Heiminsassen, etwa in Pflegeheimen in Würzburg, Oldenburg, Wolfsburg und Schweinfurt.

RND/big

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