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Impfung im Auto: Warum immer mehr Städte auf Drive-in-Aktionen setzen

  • Scheibe runter, Arm raus, weiterfahren: Mehrere deutsche Städte haben in den vergangenen Wochen Massenimpfungen am Drive-in-Schalter durchgeführt.
  • Den Organisatorinnen und Organisatoren erleichtert das Konzept die Arbeit.
  • Doch was, wenn man gar kein Auto hat?
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Beckum. Die einen haben schon einen, die anderen warten noch sehnsüchtig auf einen Impftermin. Um die hohe Nachfrage zu decken, werden immer mehr Städte kreativ. Der aktuellste Trend: Massenimpfungen im Drive-in-Schalter. Wer sich impfen lassen möchte, fährt einfach mit dem Auto vor und macht die Scheibe runter − fertig.

In Beckum im Münsterland (NRW) stieß eine solche Aktion am Wochenende auf hohes Interesse. Insgesamt 750 Menschen erhielten im Drive-in den Einmalimpfstoff von Johnson & Johnson. Lange Autoschlangen bildeten sich vor der Einfahrt des Impfgeländes, organisiert wurde die Aktion von sieben Arztpraxen aus Beckum und Ahlen.

Insgesamt vier Impfstraßen wurden in Beckum aufgebaut, nach der Spritze mussten die Geimpften zur Beobachtung noch eine Viertelstunde im Wagen sitzen bleiben. DRK-Sanitäter halfen vor Ort. Impfen lassen konnte sich jeder, der sich vorab über ein Onlineportal registriert hatte und – so zumindest die Bitte der Organisatorinnen und Organisatoren − ein Auto dabei hatte.

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Der Knackpunkt: das Auto

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Doch was tun, wenn man gar kein Fahrzeug hat? Das sei hier „hier im ländlichen Raum“ kein Problem gewesen, versichert einer der Organisatoren, der Arzt Karsten Kühne, auf RND-Anfrage. In der Region habe praktisch jeder ein Auto − und wenn nicht, finde er jemanden, der ihn fährt. In zwei Fällen habe man am Wochenende aber auch Impfwillige durchgelassen, die mit dem Roller angereist seien, erklärt Kühne.

Wichtig sei nur, dass man nach der Impfung seinen eigenen „Warteplatz“ habe, nämlich das eigene Fahrzeug. So seien Abstandsregeln gewahrt worden und die Impfungen konnten zügig durchgeführt werden. Im Drei-Minuten-Takt habe man Impfwillige durch den Drive-in-Schalter geschleust.

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Für die Aktion habe man sich entschieden, weil die Arztpraxen bei den vielen Impfanfragen kaum noch hinterherkämen, erklärt Kühne. Teilweise seien die Praxen telefonisch kaum noch zu erreichen, weil so viele Menschen nach einem Termin fragten. So habe man Impfwilligen die Chance geben wollen, sich auch am Wochenende unkompliziert impfen zu lassen. Weitere Aktionen dieser Art seien erst mal nicht geplant: Ein Knackpunkt sei weiterhin die Impfstoffversorgung.

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Lösungen auch für Nicht-Autofahrer

Auch im Landkreis Hildesheim in Niedersachsen gab es bereits zwei Impfaktionen am Drive-in-Schalter, Gespräche für weitere laufen bereits. Hintergrund der Aktionen war frei gewordener zusätzlicher Impfstoff, der von einem anderen Landkreis umverteilt worden war, wie eine Sprecherin des Landkreises auf RND-Anfrage erklärt. Aufgerufen waren im April Personen ab 70 Jahren, beim zweiten Termin im Mai auch Personen ab 60 Jahren.

Auch in Hildesheim sei die Bedingung, mit dem Auto anzureisen, für Impfwillige kein Problem gewesen. „Viele Personen wurden auch von Angehörigen zur Impfung gefahren. Für die Impfung mit einem anderen Fahrzeug oder zu Fuß gab es beim Landkreis keine Anfragen. Sofern dies gewünscht worden wäre, hätten wir eine praktikable Lösung gefunden“, versichert die Sprecherin.

Die Methode der Drive-in-Impfungen habe man genutzt, um in kurzer Zeit zusätzlich viele Menschen mit Impfstoff zu versorgen. Regulär stünden auch die Impfzentren weiter für Impfungen offen − auch für Nicht-Autofahrer.

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Aktionen auch in Rheinland-Pflanz und Nordrhein-Westfalen

Auch in Speyer in Rheinland-Pfalz konnten sich Autofahrer im Mai direkt im Fahrzeug impfen lassen. Eine weitere Aktion ist am Sonntag, 20. Juni, geplant. Dann sollen zwischen 2500 und 3500 Dosen des Vakzins von Johnson & Johnson verimpft werden.

Ob bei dieser Aktion auch Nicht-Autofahrer zugelassen sind, war auf RND-Anfrage zunächst nicht zu erfahren. Organisiert wird der Drive-in von einem Arzt und einem Geschäftsmann, die Stadt Speyer ist nicht zuständig und habe auch keinen Impfstoff für derartige Aktionen, wie eine Sprecherin erklärt.

In Meerbusch in Nordrhein-Westfalen wurden Anfang des Monats fast 3000 Menschen bei einer Drive-in-Aktion geimpft. Die Aktion sei ein „voller Erfolg“ gewesen, so die Organisatorinnen und Organisatoren gegenüber der dpa. Alle Beteiligten würden die Aktion gern wiederholen. „Die Logistik ist da, die IT auch. Sobald wir Impfstoff bekommen können, impfen wir gern weiter.“ Auch Menschen, die nicht in Meerbusch wohnen, könnten dann vielleicht berücksichtigt werden.

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