• Startseite
  • Panorama
  • Corona-Hotspot Ischgl: Vier Klagen gegen Republik Österreich eingereicht

Corona-Hotspot Ischgl: Vier Klagen gegen Republik Österreich eingereicht

  • Zu Beginn der Corona-Pandemie ist der österreichische Skiort Ischgl zu einem der ersten Corona-Hotspots geworden.
  • Etliche Urlauber haben sich dort mit dem Coronavirus infiziert, einige seien an den Folgen der Erkrankung gestorben.
  • Ein Verbraucherschutzverein hat nun vier erste Musterklagen gegen die Republik Österreich eingereicht.
Anzeige
Anzeige

Wien. Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich im Skiort Ischgl mit dem Coronavirus infiziert haben, klagen gegen die Republik Österreich und das Land Tirol. Am Mittwoch hat ein österreichischer Verbraucherschutzverein beim Landgericht Wien die ersten Muster-Klagen eingereicht. Es geht um Schadenersatz und die Anerkennung von Folgeschäden. Details wurden bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben.

Video
Ischgl: Nach Corona-Ausbruch Klagen eingereicht
2:34 min
Der österreichische Verbraucherschutzverein hat nach dem winterlichen Corona-Ausbruch im Skiort Ischgl vier Klagen eingereicht.  © Reuters

Nach Darstellung des Vereins haben die Verantwortlichen zu spät und nicht umfassend genug auf den Ausbruch des Virus reagiert. Der Gründer und Obmann des Verbraucherschutzvereins, Peter Kolba sagte: “Mitte März haben wir uns entschieden, für die Geschädigten Touristen einzutreten.” Insgesamt hätten sich 6000 Menschen aus 45 Staaten bei dem Verein gemeldet. Mehr als 1000 Personen davon haben den Verbraucherschutzverein bevollmächtigt, sie strafrechtlich zu vertreten. “Ein bis zwei Prozent waren im Krankenhaus, auch teils auf der Intensivstation, und bis heute zählen wir 32 Verstorbene”, sagt Kolba.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Zwei Deutsche klagen ebenfalls gegen Österreich wegen Corona

Anzeige

Nun hat der Verein die ersten vier Musterklagen gegen die Republik Österreich. In einem Fall klagen die Hinterbliebenen eines Verstorbenen. Auch zwei Deutsche sind unter den Klägern. Diese seien heute noch in Behandlung und könnten weitere Spätfolgen davontragen, erklärt Rechtsanwalt Alexander Klauser und führt weiter aus: “Primär wollen die Geschädigten, dass sich die österreichischen Behörden entschuldigen. Dazu braucht es eigentlich nicht den Rechtsweg. Wir klagen auf Schadensersatz, hauptsächlich Schmerzensgeld, und auch weitere Entschädigungen wie Verdienstausfälle und letztlich auch auf die Haftung für künftige Schäden.” Die vierte Klage kommt von einer Person, die einen milderen Krankheitsverlauf nach der Infektion mit Covid-19 hatte.

In naher Zukunft möchte der Verbraucherschutzverein weitere Prozesse einbringen. Eine Sammelklage mit mehr als 1000 Klägern sei laut Kolba aber nur der zweitbeste Weg. “Wenn es gelingt, eine Sammelklage einzubringen, dauert es bis zu einem Ergebnis wahrscheinlich zehn Jahre oder länger”, erklärt der Vereinsobmann. Der beste und kürzeste Weg sei es, sich an einen runden Tisch zu setzen, sich zu entschuldigen und Schadenersatz anzubieten. “Wir haben einen offen Brief an Kanzler Sebastian Kurz verfasst”, sagt Kolba. Wenn dieser ungehört bleibe, werde es weitere Musterklagen und später möglicherweise eine Sammelklage geben.

Anzeige

Suche nach Prozessfinanzierern

Der Verbraucherschutzverein sucht derzeit noch nach Prozessfinanzierern, die das Kosten-Risiko bei einem Scheitern der Klage übernehmen. Bei einem Erfolg werden diese am Gewinn beteiligt.

RND/nis/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen