Chef der Kapitol-Polizei tritt nach Unruhen zurück

  • Der beispiellose Sturm auf das US-Kapitol hat bei der zuständigen Polizeieinheit personelle Konsequenzen.
  • Ihr Chef tritt nach wachsendem Druck kommende Woche zurück.
  • Er habe mit der Gewalteskalation nicht gerechnet, teilte Steven Sund mit.
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Washington. Als Konsequenz aus der Erstürmung des US-Kapitols durch Anhänger von US-Präsident Donald Trump tritt der Chef der für das Parlamentsgebäude zuständigen Polizeieinheit zurück. Sein Amt werde er zum 16. Januar niederlegen, teilte Steven Sund am Donnerstag (Ortszeit) mit. Seine Beamten hätten sich auf eine Demonstration für freie Meinungsäußerung eingestellt und mit der Gewalteskalation nicht gerechnet. Solche Ausschreitungen habe er in seinen nunmehr 30 Jahren bei der Polizei nicht erlebt, erklärte Sund.

Vor seiner Bekanntgabe mehrten sich Rufe nach seinem Abgang. Sunds Rücktritt forderten etwa die Vorsitzende des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi sowie Gus Papathanasiou, der Chef der Gewerkschaft, die die Kapitol-Polizei vertritt.

Belagerung des Parlamentsgebäudes „hätte niemals passieren dürfen“

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Die Belagerung des Parlamentsgebäudes „hätte niemals passieren dürfen“, kritisierte Papathanasiou. Ein Mangel an Planung habe dazu geführt, dass die Beamten von den gewalttätigen Protestierenden überwältigt worden seien. So habe es den Polizisten an Verstärkung und Ausrüstung gefehlt, um die anstürmenden Randalierer in Schach zu halten. Sund müsse ersetzt worden, um ähnliche Vorfälle künftig zu vermeiden, hatte Papathanasiou gefordert.

Die Belagerung der Trump-Anhänger unterbrach am Mittwoch die Sitzung des Kongresses, bei der nach der Wahl im November das Votum des Wahlleutegremiums für den künftigen Präsidenten Joe Biden bestätigt werden sollte. Erst am Donnerstagmorgen (Ortszeit) bestätigten Senatoren und Abgeordnete denn formal die Wahl Bidens zum 46. Präsidenten der USA.

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Weiterer Todesfall nach Gewalt am US-Kapitol - Polizeichef tritt zurück
1:41 min
Der Sturm auf den Regierungssitz wirft auch die Frage danach auf, warum die Polizei das Gebäude nicht besser geschützt hat.  © Reuters

Weltweit hatten die Szenen vor und im Kapitol für Entsetzen gesorgt. Vier Stunden lang dauerte die gewaltsame Besetzung des Gebäudes. Bei den Unruhen kamen vier Menschen ums Leben. Eine Frau sei von der Kapitol-Polizei angeschossen und tödlich verletzt worden, teilte der Polizeichef der Hauptstadt, Robert Contee, mit. Drei weitere Personen seien durch „medizinische Notfälle“ gestorben.

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Mehr als 90 Festnahmen

Mehr als 90 Menschen wurden von der Polizei in Washington D.C. festgenommen, weitere Festnahmen galten als wahrscheinlich. Nach Angaben von Staatsanwalt Michael Sherwin vom Donnerstag lagen „alle Optionen auf dem Tisch“, um die Beteiligten zu bestrafen. Denkbar sei etwa, dass Trump-Anhänger, die sich an dem gewaltsamen Eindringen in das Kongressgebäude beteiligten, wegen Aufruhrs belangt würden. Man werde die höchstmöglichen Strafen für die Taten verhängen.

Trump hatte seit November immer wieder behauptet, er sei bei der Präsidentschaftswahl massiv betrogen worden. Seine Einwände hielten keiner Überprüfung durch Gerichte stand. Nach der Bestätigung von Bidens Wahlsieg durch den Kongress räumte Trump erstmals ein, dass seine Amtszeit zu Ende geht. „Es wird einen geordneten Übergang am 20. Januar geben“, erklärte er. Dann wird Biden vereidigt.

RND/AP

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