Charles Alexander Graf von Faber-Castell: Der Bleistiftgraf

  • Die Faber-Castell-Bleistifte gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert.
  • Ein Nachkomme des Adelsgeschlechts ist Charles Alexander Graf von Faber-Castell – auch er ist in dem großen Unternehmen tätig.
  • Teil vier der RND-Serie über den deutschen Adel.
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Stein. Faber-Castell: Den Namen hat wohl fast jeder schonmal gehört - vor allem wegen der Bleistifte. So mancher kennt vielleicht auch das Faber-Castell-Schloss in Stein bei Nürnberg, das für Besucher geöffnet ist und auch schon als Filmkulisse herhielt – zum Beispiel für die “Hanni und Nanni”-Filme. Mächtig wirkt es mit dem Turm und der efeubewachsenen Fassade. Es steht noch immer für eine Familie, die aus einem Handwerk ein weltweit agierendes Unternehmen gemacht hat: eine Bleistiftdynastie.

Geführt wird dieses Unternehmen nun bereits in neunter Generation, unter anderem von Charles Alexander Graf von Faber-Castell. Der 40-Jährige mit den braunen, zurückgegelten Haaren lebt aber nicht mehr auf dem Schloss, das schon seit den 50er-Jahren unbewohnt ist. Es wird jetzt für Ausstellungen, Feiern und Veranstaltungen genutzt – der Adelige hat hier selbst vor acht Jahren seine Hochzeit groß gefeiert. Seinen Wohnsitz hat er aber mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern in München. Eine kleine Zweitwohnung hat er noch im sogenannten Alten Schloss, an das später das wesentlich prunkvollere Neue Schloss angebaut wurde.

Das Gespräch mit Charles Graf von Faber-Castell zum Anhören

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Vorfahren von Graf Charles waren noch nicht immer adelig

Die Vorfahren von Graf Charles, wie er von vielen genannt wird, waren aber noch nicht immer adelig. “Mein Ur-ur-ur-Großvater Lothar von Faber, die vierte Generation unseres Familienunternehmens, wurde für seine sozialen und unternehmerischen Leistungen an vielen Stellen geehrt und schließlich 1862 von König Maximilian II. in den persönlichen und später in den erblichen Freiherrnstand erhoben”, erklärt der Unternehmer.

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Das erklärt aber noch nicht den Namen Castell – der kam nämlich erst später dazu. Denn nach Lothar von Fabers Ernennung zum Adeligen ging es eher tragisch in seiner Familie zu: Die zwei männlichen Nachkommen seines Sohnes Wilhelm starben an Kinderkrankheiten und Wilhelm anschließend an Herzversagen. “Es gab also nur Enkeltöchter”, erklärt Graf Charles. “Lothar hat dann in seinem Testament festgelegt, dass seine Erben den Namen Faber weitertragen.” Das Unternehmen sei zu dem Zeitpunkt schon sehr bekannt gewesen unter dem Markennamen Faber - das wäre sonst verloren gegangen. Kurz nach seinem Tod heiratete seine älteste Enkeltochter Ottilie dann den Adeligen Alexander zu Castell-Rüdenhausen, der aus einem der ältesten Adelsgeschlechter kommt. “So entstand dann das Grafengeschlecht von Faber-Castell”, erklärt der Unternehmer, der noch heute diesen Namen trägt.

Kein Kontakt mit Vorurteilen und Klischees

In seiner Kindheit und Jugend wurde er darauf nicht oft angesprochen. Denn: Charles Graf von Faber-Castell wuchs gar nicht in Deutschland auf, sondern erst in den USA, wo seine Mutter nach der Scheidung von seinem Vater mit ihm hinzog. Später besuchte er dann als Jugendlicher ein Internat in der Schweiz. “In den USA ist das Unternehmen nicht so bekannt. Auch der Name Faber-Castell war da eher ein Nachteil, weil die meisten Leute den Namen nicht kannten und man ihn dreimal buchstabieren musste, damit sie ihn richtig aufschreiben”, erzählt der Graf von seiner Kindheit. Im Internat in der Schweiz hätten dann schon einige das Unternehmen und den Namen gekannt, “aber ich habe nie Vorurteile oder Klischees erlebt”.

Auch dass er mal in das Familienunternehmen einsteigen würde, war damals noch kein Thema. “Als Teenager hat man auch andere Vorstellungen, als in einem Bleistiftunternehmen zu arbeiten”, sagt er scherzhaft. Außerdem habe sein Vater auch immer viel Wert darauf gelegt, “dass wir auf eigenen Füßen stehen und uns nicht auf das Erbe verlassen”. So ist Graf Charles erst mit 35 Jahren bei Faber-Castell eingestiegen und verantwortet den sogenannten Premiumbereich, der höherpreisige Produkte herstellt.

Sollen auch seine Kinder mal bei Faber-Castell einsteigen?

Auch seinen eigenen zwei Kindern will er in der Hinsicht keinen Druck machen – auch wenn er sich natürlich wünscht, dass das Familienunternehmen auch in zehnter Generation weitergeführt wird. “Meine Kinder sind jetzt drei und vier und müssen zuerst mal lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Ich glaube jeder muss das verfolgen, was ihm Spaß macht, und das ist das Wichtigste im Leben”, sagt der 40-Jährige. “Es wäre natürlich eine Freude, wenn die Kinder irgendwie zukünftig im Unternehmen involviert sind. Aber ich habe drei Geschwister, die werden sicherlich auch Kinder haben, und mal schauen, wie es dann in der nächsten Generation wird.”

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Auch bei der Erziehung seiner Kinder spielt der Adelstitel keine Rolle, wie Charles Graf von Faber-Castell erzählt. “Für mich gibt es nicht eine adelige Erziehung oder eine nicht adelige. Ich denke, wenn man versucht, die Kinder adelig zu erziehen, macht man etwas, das komplett outdated ist und was vor 100 Jahren gemacht worden ist”, sagt er. Ihm sei es wichtig – und so sei er auch erzogen worden –, dass die Kinder wüssten, dass der Adelstitel nicht entscheidend sei, sondern der Mensch per se und seine Werte.

Eine Menge Adeliger auf der Hochzeit des Grafen

Trotzdem standen auch auf der Gästeliste der Hochzeit des Grafen vor einigen Jahren eine Menge Adeliger. “Ich kenne einige Adelige, aber darauf achte ich eigentlich nicht. Die Adeligen, die ich zu meinem Freundeskreis zähle, sind Leute, die ich als Menschen schätze und die ähnliche Werte haben wie ich. Das ist mir am wichtigsten, nicht der Titel oder der Name”, sagt der 40-Jährige dazu. Neben seinen vielen Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern seien auf der Hochzeit aber auch viele Gäste seiner türkischen Frau gewesen, die wie er eine große Familie habe. “Dann war eher die Frage, wie schafft man überhaupt noch Platz, um alle zusammenzubringen”, sagt er scherzend. Zum Glück gehört seiner Familie so ein großes Schloss.

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