„Dann wird der Lockdown nie aufhören“: Wut auf Ausflugsgäste in Winterberg

  • Verkehrte Corona-Welt: Winterberg im Sauerland bittet Tagesgäste schon zum zweiten Mal, nicht zu kommen.
  • Doch der Appell verhallt größtenteils ungehört, verboten ist solch ein Ausflug nicht.
  • In sozialen Medien ist die Empörung groß, schließlich meldet sich auch der NRW-Ministerpräsident zu Wort.
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Winterberg. Der beliebte Wintersportort Winterberg im Sauerland ist am Montag erneut von schneehungrigen Tagesgästen überrannt worden. Die Stadtverwaltung bat am frühen Nachmittag dringend darum, die Fahrt dorthin noch abzubrechen: „Auch heute bleibt uns nur die Bitte an alle, die sich gerade auf den Weg machen oder schon auf dem Weg zu uns sind, von der Anreise abzusehen.“ Alle Parkkapazitäten seien erschöpft, die Straßen seien verstopft.

Verständnislos reagierten viele Nutzer in sozialen Medien angesichts des Corona-Lockdowns auf den Besucheransturm - und auch die Polizei appellierte bei Twitter indirekt an Autofahrer, nicht mehr dorthin zu fahren.

„Die Straßen rund um Winterberg sind überfüllt. Es kommt zu erheblichen Staus und sehr langen Wartezeiten“, twitterte die zuständige Kreispolizeibehörde. „Rechtlich dürfen Sie die Skigebiete besuchen. Ob es richtig und sinnvoll ist in der jetzigen Zeit, müssen Sie selber entscheiden“, hieß es weiter.

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NRW: Viele Schneetouristen und Unfälle rund um Winterberg
1:07 min
Ein Polizeisprecher des Hochsauerlandkreises berichtete am Abend von extrem vielen Besuchern und Verkehrsbehinderungen.  © dpa

Bereits am Sonntagnachmittag hatte die Stadt anreisende Ausflügler wegen voll belegter Parkplätze und langen Staus gebeten umzukehren. Die Stadt schätzte die Staulänge rund um Winterberg nach Angaben von Stadtsprecherin Rabea Kappen am Sonntag auf insgesamt 45 Kilometer.

„So viele Tagesausflügler hatten wir in den letzten 20 Jahren nicht - wahrscheinlich noch nie“, sagte Kappen. Und auch am Montag sah das Bild vor Ort ähnlich aus, der WDR-Verkehrsfunk meldete am Nachmittag auf der Bundesstraße 480 zwischen Olsberg und Winterberg zeitweise acht Kilometer Stau - obwohl Rodellifte und Skilifte geschlossen sind, genauso wie Hütten und Toiletten.

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Ein LED-Hinweis-Schild mit der Aufschrift "Alle Parkplätze belegt!" steht an einer Kreuzung in Winterberg. © Quelle: Bernd Thissen/dpa

„In Winterberg lässt sich wunderbar beobachten, wie gut das mit der Eigenverantwortung funktioniert“

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Angesichts der Corona-Pandemie zeigten Nutzer in sozialen Medien wenig Verständnis für die Wintertouristen, viele machten ihrem Ärger unter den Hashtags #Winterberg und #Sauerland Luft: „Leute! In Altenheimen sitzen alte Menschen seit Wochen alleine in ihren kleinen Zimmern und müssen ohne Besuch leiden. Und ihr macht auf Ski und Rodel gut. Ich fasse es nicht“, schrieb einer.

Ein anderer meinte: „Einmal im Leben das arrogante, selbstgefällige Mindset der Leute haben, die während einer Pandemie denken: Aber Skifahren wird ja wohl noch erlaubt sein!!!!“ Ein Twitter-Nutzer kommentierte: „Dann wird der Lockdown nie aufhören.“

Ein weiterer Twitter-Nutzer resümierte: „Gestern und heute ließ sich in #Winterberg wunderbar beobachten, wie gut das mit der Eigenverantwortung funktioniert.“

Armin Laschet: „So schön Winterberg ist - jetzt nicht!“

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Schließlich meldete sich am Montagabend auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zu Wort: „Wir haben Skiliftbetrieb und Gastronomie in Winterberg Anfang Dezember untersagt. Die Staatskanzlei NRW unterstützt Bürgermeister Michael Beckmann bei allen rechtlichen, polizeilichen und kommunikativen Maßnahmen, um Tagestouristen von der Anreise abzuhalten. Mein Appell: So schön Winterberg ist - jetzt nicht!“

Beckmann (CDU) selbst hatte bereits in einem Sonntagabend veröffentlichten Video auf seiner Facebookseite berichtet, er habe so viel Verkehr wie noch nie in Winterberg erlebt. Viele seien zum Schlittenfahren ins Sauerland gekommen, sagte Beckman. Die Coronaschutzverordnung verbiete das nicht.

Teams des Ordnungsamtes seien in der ganzen Stadt im Einsatz gewesen. „Wenn wir Verstöße gegen die Coronaschutz-Verordnung gesehen haben, sind wir auch eingeschritten.“

Bei der Stadt Winterberg liefen am Montag Beratungen, wie man in den kommenden Tagen mit erneutem Andrang umgehen will. Am Dienstag wolle man ein Maßnahmenkonzept veröffentlichen, sagte die Stadtsprecherin.

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Die Wetteraussichten lassen unterdessen vermuten, dass auch in den kommenden Tagen wieder Besucher in die Region fahren könnten, um im Schnee zu spazieren oder Schlitten zu fahren. Der Deutsche Wetterdienst hält am Dienstag oberhalb von 400 Metern ein bis fünf Zentimeter Neuschnee für möglich.

RND/dpa/seb

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