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Cannabislegalisierung in Mexiko: Nur ein legaler Joint ist ein guter Joint

  • Mexiko wird den privaten Besitz, Anbau und Konsum von Marihuana legalisieren.
  • Das ist nicht nur ein Schlag gegen die Drogenmafia, kommentiert Tobias Käufer.
  • Eine Legalisierung sollte auch in Deutschland angeschoben werden, um den Konsum sicherer zu machen.
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Mexiko-Stadt. Vom ehemaligen kolumbianischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos stammt der legendäre Satz: „Wir sollen unsere Campesinos verhaften und der Gringo zündet sich in Ruhe einen Joint an.“ Treffender hätte man die Kräfteverhältnisse im Kampf gegen den Drogenhandel nicht beschreiben können. Die in der Regel armen Kleinbauern sollen für ihren Kokaanbau büßen, während die Konsumenten in den reichen Industriestaaten nicht in der Lage sind, ihr Leben ohne Koks und Gras zu organisieren.

Vor ein paar Tagen kam die Nachricht von einem Kokainrekordfund in Deutschland. Wieder einmal. Zwar lassen sich Polizei und Zoll für solche Erfolge zu Recht feiern, doch am Kern des Problems geht das alles weit vorbei. Solange es eines der finanziell lukrativsten Geschäftsmodelle bleibt, Drogen zu schmuggeln, werden die zahlungskräftigen Märkte in den USA, Asien und Europa weiter damit geflutet. Die Ausgangslage ist eigentlich ziemlich einfach: Je schwieriger es ist, je härter die Gesetze sind, um zu verhindern, dass Drogen auf einen Markt gelangen, desto teurer werden sie, desto höher fällt der Gewinn aus.

Mexiko erlaubt den privaten Besitz, Anbau und Konsum von Marihuana

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Umso bemerkenswerter ist der Schritt, den eines der am härtesten von Drogengewalt und Kriminalität betroffenen Länder vollzieht. Mexiko wird den privaten Besitz, Anbau und Konsum von Marihuana legalisieren. Konkret bedeutet das: Erwachsene dürfen künftig in dazu autorisierten Läden Marihuana einkaufen. Der Besitz von bis zu 28 Gramm soll ebenso erlaubt sein wie der überschaubare Anbau eigener Cannabispflanzen für den Eigenkonsum. Mexiko dreht also den Spieß um und entzieht der brutalen Drogenmafia damit ihre finanzielle Grundlage. Denn wenn Marihuana plötzlich legal ist, bricht der gesamte Preisturm für illegalen Vertrieb und Korruption zusammen. Dann ist der Joint plötzlich nur noch den tatsächlichen Erzeugerpreis wert.

Natürlich ist Marihuana längst nicht mehr das wichtigste Schmuggelprodukt, es geht vielmehr um die Symbolik. Es geht darum, dem Monster Drogenmafia das Fressen zu entziehen, das es täglich mächtiger, fetter und noch gefräßiger macht: das Geld. Und deswegen kann die Legalisierung von Marihuana nur ein Anfang sein.

All jenen, die jetzt bestürzt ausrufen, dann kann mein Kind ja bald Koks und Gras in jeder Apotheke kaufen, denen sei verraten: Das kann Ihr Kind schon jetzt, nur nicht beim staatlich zugelassenen Apotheker, sondern beim Dealer im Park, am Bahnhof oder um die Ecke beim Schulhof. Und Sie wollen nicht wirklich wissen, wessen dunkle Netzwerke sich Ihr Kind dabei anvertraut. Es würde Ihnen den Schlaf rauben.

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Lieber vom überprüften regionalen Anbieter als vom Dealer

Dann lieber kontrolliert produziert und nicht mit irgendwelchen Substanzen gestreckt. Dann lieber nicht im Regenwald auf extra dafür illegal gerodeten Flächen angebaut, von denen, die indigene Völker vertrieben haben, sondern lieber vom überprüften regionalen Anbieter. Dann lieber nicht von einem Dealer, dessen Kartelle zuvor Polizisten, Anwälte, Richter und Politiker schmierten oder erschossen, um den Stoff aus Südamerika auf die Kö nach Düsseldorf oder in die Edeldisco nach München zu bringen, sondern aus sozialverträglich angebauter Produktion.

Was Umweltschützer und Menschenrechtler für Rindfleisch fordern, sollte auch für jede Linie Koks und jeden Joint gelten. Nur so ist das brutalste, gefährlichste und lukrativste Geschäft der Welt, nur so sind die Milliarden Geldströme, die entweder auf irgendwelchen Schwarzgeldkonten landen oder in noch mehr Waffen, zu stoppen. Dann lieber mit 19 Prozent Umsatzsteuer.

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