Buße tun für zerstörte Kulturstätten der Aborigines

  • Seit Jahrzehnten fallen Heiligtümer der australischen Ureinwohner dem Bergbau zum Opfer.
  • Die neuerliche Sprengung zweier Kultstätten der Aborigines löst einen Sturm der Entrüstung aus.
  • Jetzt muss der Chef des Bergbaukonzerns Rio Tinto gehen.
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Sydney. An vielen Stellen im Outback färbt das Eisenerz die Felsen tiefrot. Australien verdankt seinen Wohlstand den Bodenschätzen. Vor allem die Villen, die den Swan River in Perth säumen, sind Zeichen der enormen Summen, die der Bergbau eingebracht hat. Bergbaumagnaten wie Andrew Forrest oder Gina Rinehart hat das rote Erz zu den reichsten Menschen des Landes gemacht.

Profit und der Schutz kultureller Stätten gehen aber meist nicht gut einher. Die Zerstörung der Höhlen in der Juukan-Schlucht in der Pilbara-Region im Nordwesten Australiens ist ein aktuelles Beispiel dafür.

Der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto hatte die Kulturstätte im Mai gesprengt. Sie stand dem Abbau von acht Millionen Tonnen hochwertigem Eisenerz im Weg, das einen geschätzten Wert von 132 Millionen Australischen Dollar (mehr als 81 Millionen Euro) hat.

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Zerstörung der Kulturstätten sei ein „verheerender Schlag“

Zunächst sah es trotz des Aufschreis in der Bevölkerung so aus, als müsse der Bergbaukonzern keinerlei Konsequenzen erwarten. Die lokalen Ureinwohner hatten auf den Wert der 46.000 Jahre alten Stätte hinwiesen. “Es gibt nur wenige Aboriginal-Stätten in Australien, die so alt sind wie diese“, sagte John Ashburton, ein Vertreter der Puutu Kunti Kurrama und Pinikura-Völker. Ihre Zerstörung sei ein “verheerender Schlag“.

Doch das Gesetz ist auf der Seite der Bergbaukonzerne. Rio Tinto hatte bereits 2013 eine Genehmigung für die Erweiterung der Mine eingeholt. Damals war die Bedeutung der Höhlen allerdings noch gar nicht bekannt.

Die Stätte der australischen Aborigines wurde in der westaustralischen Region Pilbara zerstört. (Symbolbild). © Quelle: Renata Wright/Pixabay
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Die Höhlen belegen nicht nur eine menschliche Besiedlung seit 46.000 Jahren, sie sind auch Fundort bedeutender Artefakte wie ein 28.000 Jahre altes Tierknochenwerkzeug und ein 4000 Jahre alter Gürtel aus geflochtenem Menschenhaar. DNA-Tests hatten diesen direkt mit den Puutu Kunti Kurrama und Pinikura in Verbindung gebracht.

Strafen für die Zerstörung der Kulturstätten relativ gering

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Rio Tinto versuchte, das Vertrauen zu den Aborigines wiederherzustellen. “Was in Juukan passiert ist, war falsch“, sagte der Vorstandsvorsitzende Simon Thompson. Die Zerstörung eines Kulturerbes von solch außergewöhnlicher archäologischer Bedeutung dürfe nie wieder vorkommen.

Doch Ähnliches ist schon zu häufig passiert. So wurden auch Felsmalereien auf der Burrup Peninsula in Westaustralien beschädigt, die weltgrößte Galerie an Felsenmalereien und ein wichtiges Kulturgut. Zudem hat Westaustralien zwischen 2008 und 2015 mehr als 3200 indigene Stätten aus dem Register entfernen lassen, wie der Archäologe Joe Dortch in einer Studie aus dem Jahr 2016 aufzeigte.

Viele dieser Stätten liegen in der rohstoffreichen Pilbara-Region in Westaustralien, wo sich die zerstörten Höhlen befinden. Diese “Entlistung“ macht es für die traditionellen Besitzer des Landes – und das sind die indigenen Gruppen – schwer, den Überblick über ihr Erbe zu behalten. Zudem sind die Strafen für die Zerstörung relativ gering.

Investoren wenden sich von der Bergbaufirma ab

Doch der Vorfall in der Juukan-Schlucht scheint ein Umdenken eingeleitet zu haben. So stoppte der konkurrierende Bergbaukonzern BHP seine Pläne für eine Erweiterung einer Mine in der Pilbara-Region im Juni plötzlich, nachdem die Entrüstung um Rio Tinto immer größer geworden war.

Jean-Sebastien Jacques, Chef von Rio Tinto, ist nach heftiger Kritik zurückgetreten. © Quelle: Will Russell/AAP/dpa
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Nicht nur Ureinwohner und Archäologen protestierten, auch Investoren wenden sich von der Bergbaufirma ab. Um sie zu beruhigen, wurden zunächst die Boni der Rio-Tinto-Manager gekürzt. Ende voriger Woche mussten schließlich drei Spitzenkräfte ihre Posten räumen, darunter CEO Jean-Sebastien Jacques. Nun untersucht das aus­tralische Parlament den Vorfall.

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