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Bürgermeisterin von Viersen: “Es ist nicht üblich, Arbeitszeugnisse vorzulegen”

  • Eine Kita-Erzieherin aus Viersen steht unter Mordverdacht, bei Ermittlungen kommt heraus, dass es schon zuvor an anderen Kitas zu ähnlichen Vorfällen gekommen war.
  • Doch wie ist es möglich, dass die Frau trotzdem immer wieder neue Anstellungen fand?
  • Die Bürgermeisterin von Viersen hat darauf auch keine abschließende Antwort.
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Eine Kita-Erzieherin aus Viersen steht unter Mordverdacht: Sie soll die dreijährige Greta getötet haben. Das Mädchen erlitt am 21. April einen Atemstillstand in der Kita und starb am 4. Mai in einer Klinik am Hirntod. Bei den Ermittlungen kam heraus, dass es in den drei Kitas in Krefeld, Kempen und Tönisvorst, alle in Nordrhein-Westfalen, schon zu ähnlichen Vorfällen gekommen war, bei denen Kinder mit Atemnot oder Atemstillstand in Kliniken mussten.

Außerdem gaben die Ermittler bekannt, dass die heute 25-jährige Erzieherin bereits zu Beginn ihres Anerkennungsjahres in einer Kita in Krefeld als nicht empathisch und ohne Zugang zu Kindern beschrieben wurde – sie wurde als “wenig geeignet” für den Job als Erzieherin beurteilt. Wie also kann es sein, dass so eine Erzieherin später in drei weiteren Kitas arbeitet, am Ende in der in Viersen, wo es zu dem Todesfall kommt? Musste die junge Frau bei ihrer Bewerbung keine Arbeitszeugnisse vorlegen?

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Kita-Erzieherin in Viersen unter Mordverdacht
1:58 min
Einer 25-jährigen Erzieherin wird vorgeworfen, ein dreijähriges Mädchen ermordet zu haben.  © Reuters

Bürgermeisterin von Viersen beruft sich auf Ausbildung der Erzieherin

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Die Bürgermeisterin von Viersen, Sabine Anemüller, sagt der “Bild”-Zeitung dazu: “Es ist so, dass, wenn wir Erzieherinnen einstellen aus ungekündigten Arbeitsverhältnissen, da nicht unbedingt ein Arbeitszeugnis angefordert wird. Manchmal bekommen wir eins, manchmal nicht. Aber es ist nicht üblich, Arbeitszeugnisse vorzulegen.” Das Seltsame an dieser Aussage: Bevor die beschuldigte Erzieherin an die Kita in Viersen kam, war sie nur knapp drei Monate an einer Kita in Tönisvorst angestellt gewesen, die sich noch in der Probezeit von der Frau wieder trennte, wie die Ermittler am Donnerstag mitteilten.

Bürgermeisterin Anemüller sagt der Zeitung weiter: “Wir legen Wert darauf, dass wir wissen, es ist eine staatlich anerkannte Erzieherin. Das heißt ja für uns: Sie hat eine Ausbildung gemacht, die insgesamt mit dem Anerkennungsjahr vier Jahre dauert. Da gehen wir davon aus, dass, wenn sie da eine gute Bewertung erhalten hat, und das war für uns aus diesen Zeugnissen heraus erkennbar, dass sie dann eben auch eine gute Erzieherin ist.”

Außerdem müssten alle, die mit Kindern arbeiten, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. “Wichtig ist für uns die Ausbildung, das Führungszeugnis, dann natürlich auch das Auswahlgespräch, wo sie einen guten Eindruck gemacht hat.” Außerdem habe die Erzieherin natürlich auch eine Probezeit gehabt.

Angeblich keine Elternbeschwerden

Unklar ist bisher, wie die 25-Jährige diese in allen Kitas außer in Tönisvorst überstehen konnte, obwohl alle Kitas die Frau gegenüber den Ermittlern als wenig geeignet für den Beruf beschrieben hatten. Auf der Website der Stadt Viersen heißt es dazu, dass sich auch in der Probezeit sowohl für die Kita-Leitung als auch für die anderen Mitarbeitenden keinerlei Anhaltspunkte ergaben, aus denen Bedenken gegen eine Beschäftigung hervorgingen. Es habe auch keine Elternbeschwerden gegeben.

Dort wird außerdem zu dem Einstellungsverfahren mitgeteilt, dass daran “neben dem Jugendamt die Personalverwaltung, der Personalrat, die Gleichstellungsbeauftragte sowie gegebenenfalls die Schwerbehindertenvertretung beteiligt” gewesen seien. Dabei hätten sich bei der nun beschuldigten Erzieherin aus Sicht der Stadt Viersen keinerlei Anhaltspunkte für Bedenken ergeben.

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Stadt Viersen wusste nichts von der vorgetäuschten Straftat

Keine Erklärung hat Anemüller im Interview mit “Bild” außerdem dafür, dass in dem vorgelegten Führungszeugnis nicht stand, dass die Beschuldigte 2019 schon einmal eine Straftat vorgetäuscht hatte. “Für mich war das jetzt auch komplett neu”, sagt die Bürgermeisterin. “Ich weiß auch gar nicht, wo so etwas vermerkt wird.”

RND/hsc

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