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Bürgermeister von Negernbötel lehnt Umbenennung ab: „Wen das stört, der kann ja woanders wohnen“

  • Immer wieder gibt es aktuell Diskussionen über Ortsnamen, die rassistisch sein sollen.
  • Auch der Ort Negernbötel im Kreis Segeberg (Schleswig-Holstein) wird damit konfrontiert.
  • Während ein Sprachwissenschaftler Offenheit für Umbenennungen fordert, spricht sich der Bürgermeister dagegen aus.
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Negernbötel. Durch den Tod von George Floyd in den USA im vergangenen Jahr wurden auch in Deutschland Diskussionen über Rassismus neu angefacht. Im Fokus stehen dabei auch Namen – ob nun von Haltestellen, Straßen oder ganzen Orten. So war zuletzt unter anderem der Ort Neger im Sauerland vielen aufgestoßen und eine Umbenennung in Nager Thema. Auch der Ort Negernbötel im Kreis Segeberg (Schleswig-Holstein) wird aktuell mit einer solchen Debatte konfrontiert, wie die „Lübecker Nachrichten“ (LN) berichten.

„Das N-Wort ist extrem herabwürdigend, es ist in der deutschen Sprache eines der als am schlimmsten als diskriminierend empfundenen Wörter überhaupt“, sagte der Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch der Zeitung. „Man sollte Debatten über den Ortsnamen nicht gleich abblocken. Ortsnamen sind nicht heilig, wenn eine Gesellschaft und ihre Werte sich ändern.“ Für den Bürgermeister von Negernbötel ist die Debatte dem Bericht zufolge nicht neu: „Wir wissen um die Bedeutung. Das ploppt alle Jahre wieder hoch“, sagte er den „LN“. Ihn ärgert die Debatte: „Bei uns lebt nicht ein Rassist. Wir haben so großen Zuspruch. Wen das stört, der kann ja woanders wohnen“, so Marco Timme.

Bürgermeister von Negernbötel: Ortsnamen gibt es seit Hunderten Jahren

Den Namen Negernbötel gebe es schon seit Hunderten Jahren, so der Bürgermeister zu der Zeitung. Er habe nichts mit dem beleidigenden N-Wort zu tun: Der Ursprung des Ortsnamens sei wohl im Niederdeutschen zu finden. „Neger“ übersetzt das Plattdeutsch-Wörterbuch mit „näher“. „Als Botele (‚Bötel‘) bezeichnet man eine Siedlung. ‚Negern‘ ist die Bezeichnung für eine ‚nähere‘ Siedlung. Im Gegensatz zur Ortschaft Fehrenbötel, die die ‚fernere‘ Siedlung zu Segeberg bezeichnet“, sagte Segebergs Stadthistoriker Hans-Werner Baurycza den „LN“ zum Hintergrund des Ortsnamens.

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Eine Umbenennung des Ortes lehnt der Bürgermeister von Negernbötel deshalb ab: „Wir haben wirklich andere Aufgaben. Der Ortsname kommt in der Liste da erst ganz, ganz, ganz weit hinten“, sagte Timme der Zeitung. „Warum sollte man den jetzt ändern, wenn das all die Jahre kein Thema war?“

Da ist Sprachwissenschaftler Stefanowitsch ganz anderer Meinung: Es müsse eine Bereitschaft zum Nachdenken geben, dass der Ortsname verletzend wirken könne. Die Herkunft eines Namens spiele eine weniger wichtige Rolle als die heutige Bedeutung, sagte er den „LN“.

RND/hsc

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