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Ermittler gehen von Hassverbrechen aus

Zehn Tote durch Schüsse in US-Supermarkt in Buffalo: Was wir bisher über die Tat wissen

Menschen knien vor Blumen, um den Opfern tödlicher Schüsse in einem Supermarkt in Buffalo die letzte Ehre zu erweisen.

Buffalo. Zehn Tote, drei Verletzte, die meisten von ihnen schwarz. Das ist die Bilanz eines Schusswaffenangriffes in Buffalo im US-Bundesstaat New York am Samstagnachmittag. Die Ermittler gehen von einem rassistischen Hintergrund aus. Was wir bisher wissen:

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Was ist passiert?

Ein weißer 18-Jähriger in Militärausrüstung und Helm eröffnet am Tops Friendly Market das Feuer, erst am Parkplatz und dann im Inneren des Ladens. Der Supermarkt liegt in einer mehrheitlich von schwarzen Familien bewohnten Gegend von Buffalo. Der Angreifer streamte den Angriff für mehrere Minuten live auf der Plattform Twitch, bevor der Betreiber die Übertragung abbrach. Im Inneren des Geschäfts gab ein Sicherheitsmann Schüsse auf den Angreifer an, die ihn aber wegen seiner schusssicheren Weste nicht trafen. Er tötete den Sicherheitsmann, ging durch die Gänge und schoss auf Kunden des Supermarkts. Als die Polizei ihn stellte, richtete der junge Mann die Waffe gegen seinen Hals, konnte dann aber zur Aufgabe überredet werden.

Ein Polizist beschrieb den Tatort in der Zeitung „The Buffalo News“: „Es ist, als würde man in einen Horrorfilm hineinlaufen, aber alles ist real.“ Die Zeitung zitierte auch einen Mitarbeiter des Supermarkts, der eigenen Angaben nach kurz vor dem Vorfall in den Kühlraum gegangen war. „Ich versteckte mich. Ich habe mich einfach versteckt. Ich wollte den Raum nicht verlassen“, sagte er. Die „New York Times“ bezeichnete die Tat als „eines der tödlichsten rassistischen Massaker der jüngeren US-Geschichte“.

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Bei dem Angriff im Westen des Bundesstaats New York handelt es sich um das schwerste Verbrechen eines Schützen in den USA seit mehr als einem Jahr, als bei einer Tat in einem Supermarkt in Boulder in Colorado ebenfalls zehn Menschen starben. Im Sommer 2019 hatte ein rassistisch motivierter Täter in einem Supermarkt in El Paso (Texas) mehr als 20 Menschen getötet.

Wer ist der mutmaßliche Täter?

Die Polizei identifizierte ihn als Payton G., wohnhaft in der Ortschaft Conklin ebenfalls in New York, aber rund 320 Kilometer entfernt vom Tatort. Die verwendete Waffe wurde laut den Ermittlern legal erworben, die Munition war aber nicht zum Verkauf in New York freigegeben.

Ein angebliches Manifest des Täters, das im Internet zirkulierte, zeigt, dass er rassistisch und antisemitisch eingestellt war. Den Attentäter, der 2019 in Moscheen im australischen Christchurch 51 Menschen tötete und die Tat ebenfalls im Internet streamte, bezeichnete er darin als Inspiration.

Der mutmaßliche Täter hatte zuvor bereits damit gedroht, in seiner Schule das Feuer zu eröffnen. Am 8. Juni 2021 seien Beamte zur Susquehanna High School in der Stadt Conklin gerufen worden, nachdem ein damals 17-jähriger Schüler mit einem Angriff auf Mitschüler gedroht habe, hieß es im offiziellen Polizeibericht. Ermittler bestätigten der AP am Sonntag, dass es sich dabei um den Tatverdächtigen Payton G. gehandelt habe. Er wurde damals festgenommen und zu einer psychiatrischen Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. In dem Gespräch habe er aber keine Auffälligkeiten gezeigt, die zu weiteren Einträgen in seiner Akte oder zu einer ausgiebigeren Beobachtung der psychischen Gesundheit des jungen Mannes geführt hätten, hieß es weiter.

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Wer waren die Opfer?

Von den zehn Toten und drei Verletzten waren elf schwarz und zwei weiß. Neben dem Sicherheitsmann war unter anderem auch eine 86-jährige Frau unter den Toten, die Mutter des ehemaligen Feuerwehrchefs von Buffalo.

Was sagen die Ermittler über das Motiv?

Sheriff John Garcia sprach von einem Verbrechen aus rassistischem Hass heraus. „Wir untersuchen diesen Vorfall sowohl als Hassverbrechen als auch als Fall von rassistisch motiviertem, gewaltbereitem Extremismus“, sagte ein Ermittler der US-Bundespolizei FBI am Samstag (Ortszeit). Der 18-Jährige wurde nur wenige Stunden nach der Tat des Mordes angeklagt. Auf Videos und Fotos war zu sehen, wie der 18-Jährige mit dünnem weißen Hemd und Gesichtsmaske vor Richter Craig Hannah im Gericht von Buffalo im Ostküstenstaat New York sitzt. Vor Gericht plädierte der 18-Jährige auf nicht schuldig. Er soll am Donnerstag wieder vor Gericht erscheinen und sitzt bis dahin in Untersuchungshaft.

Der Schütze (r) steht in Handschellen neben seinem Anwalt, während die Anklage gegen ihn im Buffalo City Court verlesen wird. Er wurde direkt nach seiner Tat am Samstag, 14.05.2022, in Buffalo im US-Bundesstaat New York in Gewahrsam genommen und wegen Mordes ersten Grades angeklagt und ohne Kaution inhaftiert.

Der Schütze (r) steht in Handschellen neben seinem Anwalt, während die Anklage gegen ihn im Buffalo City Court verlesen wird. Er wurde direkt nach seiner Tat am Samstag, 14.05.2022, in Buffalo im US-Bundesstaat New York in Gewahrsam genommen und wegen Mordes ersten Grades angeklagt und ohne Kaution inhaftiert.

Wie sind die Reaktionen auf die Tat?

US-Präsident Joe Biden hat nach den tödlichen Schüssen in Buffalo seine Anteilnahme zum Ausdruck gebracht. Die Tat sei „schrecklich“, hieß es am Samstagabend (Ortszeit) aus dem Weißen Haus. „Der Präsident und die First Lady beten für die Opfer und ihre Angehörigen.“ Biden sei von seinem Berater für Heimatschutz über die Tat informiert worden und werde weiter auf dem Laufenden gehalten, teilte das Weiße Haus mit. Zudem hat Biden das Land zur Einheit aufgerufen. Nur so könne der Hass, der die Seele Amerikas nach wie vor beflecke, beseitigt werden, sagte Biden am Sonntag bei einer Zeremonie zu Ehren von im Vorjahr getöteten Polizisten am Kapitol.

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„Ein Einzeltäter, ausgerüstet mit Kriegswaffen und einer hasserfüllten Seele, hat am Samstagnachmittag kaltblütig zehn unschuldige Leute in einem Lebensmittelladen niedergeschossen und getötet“, sagte Biden. „Wir sind wieder einmal voller Trauer, aber die Entschlossenheit darf niemals ins Wanken geraten.“ Schärfere Waffengesetze forderte Biden während der Veranstaltung nicht.

USA: Mann erschießt mehrere Menschen in Supermarkt

In Buffalo im US-Bundesstaat New York hat ein schwerbewaffneter Mann in einem Supermarkt mehrere Menschen erschossen und einige verletzt.

Die demokratische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hat die Bluttat als „Inlandsterrorismus“ bezeichnet. Dieses Thema brauche größere Aufmerksamkeit, sagte Pelosi am Sonntagmorgen (Ortszeit) dem Sender CNN. Zentral im Kampf gegen solche Verbrechen seien auch strengere Waffengesetze.

Die Gouverneurin des Bundesstaates New York, Kathy Hochul, sagte, dass sich rassistisches Gedankengut in sozialen Netzwerken wie „ein Virus“ oder „Lauffeuer“ ausbreite. „Diese Theorien, die zur Radikalisierung eines jungen Menschen führen, der in seinem Haus sitzt, sind zutiefst beängstigend. Und das ist etwas, um das wir uns kümmern müssen“, sagte die Gouverneurin.

Buffalo ist nach dem rund 600 Kilometer südöstlich gelegenen New York City die zweitgrößte Stadt des Bundesstaats. Der Ort mit rund 280.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt nur wenige Kilometer von den Niagarafällen entfernt an der Grenze zu Kanada.

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RND/AP/dpa

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